Universitätsallianz ENLIGHT
Ernährungssysteme: Praxis trifft Forschung am AIMday®
Beim ersten Academic Industry Meeting day (AIMday®) zu Ernährungssystemen an der Universität Bern geben Organisationen aus der Praxis die Fragen vor. Forschende aus Bern und Europa bringen ihre Expertise ein und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze.
Der Hitzesommer 2026 verdeutlicht, wie eng globale Herausforderungen und regionale Folgen verbunden sind. Im Ernährungsbereich trifft der Klimawandel kleine regionale Betriebe ebenso wie multinationale Konzerne. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Lebensmittel sollen nachhaltig und fair produziert und bezahlbar bleiben.
Solche komplexen Herausforderungen lassen sich kaum aus einer einzigen Perspektive lösen. Gefragt sind deshalb der Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren und die Verbindung von praktischem Erfahrungswissen mit wissenschaftlicher Expertise. Beides steht daher im Zentrum des ersten Academic Industry Meeting day (AIMday®) zum Thema Ernährungssysteme an der Universität Bern.
Was ist ein AIMday®?
Der AIMday® (Academic Industry Meeting day) ist ein von der Universität Uppsala in Schweden entwickeltes Veranstaltungsformat, das den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis fördert und neue Kooperationen anstösst. Die eingetragene Marke der Universität Uppsala wird inzwischen auch von anderen Universitäten weltweit genutzt. Die Universität Bern führt den AIMday im Rahmen der europäischen Universitätsallianz ENLIGHT durch, der auch die Universität Uppsala angehört.
Das Besondere: Nicht die Forschenden, sondern Organisationen aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft geben die Fragestellungen vor. Zu einem übergeordneten Thema reichen sie konkrete Herausforderungen aus ihrer Praxis ein, sogenannte «Challenges». Forschende melden sich anschliessend für jene Fragestellungen an, zu denen sie mit ihrer Expertise beitragen möchten.
Auf dieser Grundlage entsteht das Tagesprogramm: In einstündigen Workshops diskutieren die Forschenden gemeinsam mit Vertretenden der Organisationen die jeweiligen Herausforderungen, tauschen Wissen und Ideen aus und entwickeln mögliche Lösungsansätze. Dabei geht es nicht darum, innerhalb einer Stunde fertige Lösungen zu präsentieren, sondern neue Perspektiven zu eröffnen und die Grundlage für mögliche weiterführende Kooperationen zu schaffen.
Am 15. Oktober bringen Unternehmen, gemeinnützige Organisationen und öffentliche Akteure konkrete Anliegen aus dem Gebiet der Ernährungssysteme ein, um gemeinsam mit Forschenden der Universität Bern, der Berner Fachhochschule und der Universitätsallianz ENLIGHT Lösungsansätze zu diskutieren und Forschungskooperationen anzustossen. Anders als bei klassischen Forschungsprojekten geben beim AIMday also nicht die Forschenden die Fragestellungen vor. Ausgangspunkt sind die Bedürfnisse und Herausforderungen der teilnehmenden Organisationen. Am AIMday werden diese «Challenges» aus wissenschaftlicher Perspektive von unterschiedlichen Fachdisziplinen beleuchtet.
Die 26 eingereichten Challenges decken ein breites Spektrum rund um Ernährung ab. Sie reichen von der Produktion über den Vertrieb und das Konsumverhalten bis zu deren Auswirkungen auf die Umwelt. Es geht beispielsweise um faire Arbeitsbedingungen für Feldarbeiterinnen und Feldarbeiter im Schweizer Obst- und Gemüsebau, den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten und die Förderung einer pflanzenbasierten Menuauswahl in Kantinen. Der erste AIMday an der Universität Bern wird gemeinsam durch das Innovation Office und Engaged UniBE organisiert.
Internationale Expertise für lokale Herausforderungen
Da Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Ernährungssicherheit vor Landesgrenzen nicht haltmachen, nehmen auch Forschende der Universitätsallianz ENLIGHT am AIMday teil. So bringt der Anlass internationale Expertise nach Bern und ermöglicht grenzüberschreitende Vergleiche, die wiederum neue Ideen für lokale Lösungsansätze in den Ernährungssystemen liefern.
Diese Verbindung zwischen lokal und international orientierter Forschung entspricht dem strategischen Fokus der Universität Bern. «Wir möchten lokal agieren und international denken. Genau dafür bietet der AIMday eine ideale Plattform», sagt Prof. Dr. Andrew Chan, Vizerektor Internationales und Akademische Karrieren der Universität Bern.
Wie der AIMday nach Bern kam
Das AIMday-Format hat Arno Ratzinger vom Innovation Office an die Universität Bern geholt. Der Leiter des «Ideenlabors» berät Innovationsprojekte im Bereich Nachhaltigkeit und soziale Innovation. Zudem engagiert er sich in der Universitätsallianz ENLIGHT und arbeitet eng mit Engaged UniBE zusammen. «Bei einer ENLIGHT Staff Week in Uppsala zum Thema regionale Zusammenarbeit stiess ich auf das AIMday-Format: Ich fand sofort, dass wir es auch in Bern einführen sollten», sagt er. Inzwischen führt er das Pilotprojekt gemeinsam mit Felix Poelsma, der als Senior Research Scientist am Centre for Development and Environment (CDE) dazu forscht, wie sich der Wandel zu einer nachhaltigeren Gesellschaft gestalten lässt.
Das Pilotprojekt wird unter anderem vom Schweizerischen Nationalfonds SNF als Agora-Projekt sowie vom Amt für Wirtschaft des Kantons Bern gefördert. In den kommenden Jahren soll das Format verstetigt werden und die Universität Bern sich als zentrale Akteurin für regional verankerte Innovation in Bern weiter etablieren.
Forschung gemeinsam mit der Gesellschaft
Seit 2024 engagiert sich die Universität Bern mit Engaged UniBE verstärkt für die Bearbeitung aktueller Problemstellungen lokaler Betriebe und Vereine. Das Ziel dieser Initiative ist es, den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft aktiv zu fördern. Dazu bringt sie gesellschaftliche Akteurinnen und Akteure mit Forschenden, Dozierenden und Studierenden der Universität Bern zusammen, um gemeinsam Lösungen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu entwickeln.
«Als Universität stehen wir in der Verantwortung, unser Wissen für die Region nutzbar zu machen. Engaged UniBE ist unsere Antwort darauf: eine sehr konkrete Form der Zusammenarbeit, die zeigt, was entsteht, wenn Forschung und Praxis sich auf Augenhöhe begegnen», sagt Vizerektorin Prof. Dr. Heike Mayer. In dieser sehr konkreten Zusammenarbeit, die sich bisher in neun Projekten niedergeschlagen hat, generiert universitäres Wissen unmittelbar lokalen Wert. Beispiele sind die Zusammenarbeit mit der Stadt Bern im UrbanLab Viererfeld und verschiedene Projekte mit Vereinen, Naturparks und Verwaltungen im ganzen Kanton.
Schon im Studium an Lösungen arbeiten
Der AIMday findet an der UniBE im Rahmen einer «Regional Academy» der Universitätsallianz ENLIGHT statt. Dadurch fliessen regionale Erfahrungen aller zehn europäischen Partneruniversitäten in Forschung und Lehre ein. Im Challenge-Based-Education-Ansatz, den die Allianz fördert, baut der Unterricht auf der Lösung konkreter lokaler und internationaler Herausforderungen auf und bereitet Studierende auf die Herausforderungen von morgen vor.
Studierende an der Universität Bern haben viele Möglichkeiten, ihre Ideen zur Förderung von Nachhaltigkeit und sozialer Innovation einzubringen. Das Ideenlabor des Innovation Office beherbergte beispielsweise kürzlich das Schweizer Finale der Sustainable Development Goals-Olympiade, bei dem Studierende verschiedener Hochschulen ihre Innovationsprojekte für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele einer Fachjury präsentierten. Und in der im Februar 2026 erstmals durchgeführten Impact Winter School für Innovationsprojekte konnten insbesondere Studierende der Geisteswissenschaften mit ihrem Fachwissen Ideen für lokale Lösungen entwickeln.
Arno Ratzinger ist überzeugt, dass solche Angebote in die Zukunft weisen: «Es ist essenziell, dass die Uni auf diese Art einen Mehrwert für die Gesellschaft leistet und ihrer Verantwortung für nachhaltige Entwicklung gerecht wird.»
Engaged UniBE
Engaged UniBE ist eine Plattform für Forschung, Lehre und das echte Leben ausserhalb der Universität: Forschende arbeiten zusammen mit Menschen aus Vereinen, Verwaltung, Politik und Wirtschaft an denselben Fragen: Wie geht ein Quartier mit Hitze um? Was braucht eine funktionierende Nachbarschaft? Themen wie Nachhaltigkeit oder soziale Gerechtigkeit stehen dabei oft im Zentrum.
Solche Fragen werden in sogenannten Reallaboren bearbeitet: an konkreten Orten wie einem Schulhaus, einem Stadtteil oder einem Firmenareal, wo die Beteiligten gemeinsam ausprobieren, was tatsächlich funktioniert. Engaged UniBE schafft dafür den Rahmen mit Fördergeldern, Vernetzung und Begleitung. Das Ziel: Wissen soll dort entstehen, wo es gebraucht wird, im echten Austausch zwischen Universität und Gesellschaft.
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Über ENLIGHT
ENLIGHT ist eine europäische Universitätsallianz aus zehn forschungsintensiven Volluniversitäten mit rund 350'000 Studierenden, 75'000 Mitarbeitenden und über einer Million Alumni und Alumnae. Die Allianz besteht aus den Universitäten Gent (Belgien), Göttingen (Deutschland), Tartu (Estland), Bordeaux (Frankreich), Galway (Irland), Groningen (Niederlande), Uppsala (Schweden), Bratislava (Slowakei), Baskenland (Spanien) und der Universität Bern (Schweiz), die seit Dezember 2022 assoziiertes Mitglied ist. Gemeinsam entwickeln die Universitäten flexible internationale Formen des Austauschs in Forschung sowie Lehre und streben langfristig gemeinsame Curricula und Abschlüsse an. ENLIGHT widmet gesellschaftlichen Herausforderungen besondere Aufmerksamkeit: Gesundheit und Wohlbefinden, Mensch und Digitalisierung, Klimawandel, Energie und Zirkularwirtschaft, gesellschaftliche Gerechtigkeit, Kultur und Kreativität. Die Mitgliedschaft der Universität Bern in ENLIGHT wird von Movetia finanziell unterstützt. Movetia fördert Austausch, Mobilität und Kooperation in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Jugendarbeit – in der Schweiz, in Europa und weltweit.