Eine Frage an Gwynne Mapes
Wie vermittelt Sprache Luxus?
Ein Grossteil dessen, was in unserer Gesellschaft unter Luxus verstanden wird, wird durch kommunikative Praktiken wie Sprache vermittelt. Soziolinguistin Gwynne Mapes erklärt die Mechanismen dahinter.
Heutzutage werden Luxus und Reichtum eher heruntergespielt. Stattdessen werden hohe Qualität und Status mit subtilen Begriffen vermittelt. Luxusrestaurants bringen in ihren Speisekarten etwa Lokalität, Simplizität und Tradition zum Ausdruck. Das lässt sie authentisch und glaubwürdig wirken. So sieht man in Rezensionen der «New York Times» oft Lob für Luxusrestaurants, die sich «nicht zu sehr anstrengen» und kurz gefasste Speisekarten mit wenigen Gerichten haben. Auch die Verwendung ethnisch-kultureller Sprachmerkmale wird häufig betont, wie zum Beispiel das italienisch-amerikanische Wort «gravy» für Tomatensauce. Dieser Effekt wird als «verdecktes Prestige» bezeichnet und besagt, dass Sprachmerkmale zur Verschleierung eines elitären Status benutzt werden. Damit wird vermittelt, wie man sich Luxus gönnen kann, ohne dabei zu elitär oder privilegiert zu wirken.
Zur Autorin
Gwynne Mapes ist Privatdozentin für Sprache und Kommunikation am Department of English der Universität Bern. Sie forscht im Bereich von kritischer Soziolinguistik, angewandter Sprachwissenschaft und Diskursanalyse.
Magazin uniFOKUS
Was brauchen wir wirklich?
Dieser Artikel erschien erstmals in uniFOKUS, dem Printmagazin der Universität Bern. uniFOKUS beleuchtet viermal pro Jahr einen thematischen Schwerpunkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Aktuelles Fokusthema: Luxus.