Soll ich meinen Körper spenden?

Stefan Tschanz, Dozent am Institut für Anatomie der Universität Bern, erklärt, weshalb Körperspenden für die medizinische Ausbildung unersetzlich sind – und Verstorbene zu «stillen Lehrern» werden.

Text: Stefan Tschanz 17. September 2026

Stefan Tschanz ist Dozent am Institut für Anatomie der Universität Bern. Bild: Dres Hubacher

Seinen Körper für die Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte zu vermachen, ist ein letzter, zutiefst altruistischer Dienst an der Menschheit. Als «stiller Lehrer» ermöglicht der gespendete Körper unseren Studierenden auf unersetzliche Weise, die menschliche Anatomie praktisch zu begreifen. Die Auseinandersetzung mit dem Tod lehrt gleichzeitig Ehrfurcht vor dem Leben und bereitet ganzheitlich auf das klinische Wirken vor.

Wer sich zur Körperspende entschliesst, trifft diese Entscheidung zu Lebzeiten und meldet sich – ohne Altersgrenze – beim Institut für Anatomie an. Mit diesem Schritt wird man Teil des Lernweges unserer Studierenden: Über mehrere Jahre begleitet sie der sorgfältig konservierte Körper durch die Lehre der Anatomie. Am Ende steht eine von den Studierenden selbst gestaltete Gedenkfeier, an der die Verstorbenen im Gemeinschaftsgrab der Anatomie auf dem Bremgartenfriedhof beigesetzt werden.

Magazin uniFOKUS

Körperbilder

Dieser Artikel erschien erstmals in uniFOKUS, dem Printmagazin der Universität Bern. uniFOKUS beleuchtet viermal pro Jahr einen thematischen Schwerpunkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Aktuelles Fokusthema: Körperbilder.

Zur Person

Stefan Tschanz

ist Dozent am Institut für Anatomie der Universität Bern. Er lehrt mit Schwerpunkt Mikroskopie und Makroskopie des Bewegungsapparates, engagiert sich aktiv in der Organisation und Innovation der medizinischen Lehre auf Fakultätsebene und forscht zur mukoziliären Selbstreinigung der Lunge.