Zehn Kerzen für den Chancengleichheitspreis

Der Prix Lux würdigt seit zehn Jahren Initiativen, die an der Universität Bern Themen wie Gender, Herkunft, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Diskriminierung sichtbar machen. Claudia Willen und Heike Mayer erläutern den Stellenwert des Preises.

Vizerektorin Heike Mayer und Claudia Willen im Gespräch zum Jubiläum des Prix Lux.
Vizerektorin Heike Mayer und Claudia Willen im Gespräch zum Jubiläum des Prix Lux.

Was hat es mit dem Namen Prix Lux auf sich?

Claudia Willen: Es geht um Licht, das Licht eines Scheinwerfers sozusagen, mit dem gute Ideen sichtbar gemacht und verbreitet werden sollen. 

Welche Auszeichnungen aus den vergangenen zehn Jahren waren Ihnen persönlich besonders wichtig?

Claudia Willen: 2023 wurde ein Kollektiv von Medizinstudierenden ausgezeichnet, die sich gegen Sexismus und sexuelle Belästigung im Spital- und Unialltag zur Wehr setzen. Sie nennen sich CLASH Bern. Ich fand sehr mutig, wie die Gruppe ein Tabu benannt und gefragt hat, was sich strukturell und kulturell gegen den Sexismus im Ausbildungslehrgang der Medizin tun lässt.

Heike Mayer: Mir hat die Initiative sehr gefallen, die 2024 ausgezeichnet wurde: Diversity for AI in Medicine (DAIM) beschäftigt sich mit der Digitalisierung der Medizin und will zum Beispiel ein Augenmerk darauf legen, wie KI-Algorithmen sehr männlich geprägt sind. DAIM hat ein Diskussionsforum geschaffen, in dem sich Forschende, die zur Diversität in der KI und der Medizin forschen, vernetzen, und veranstaltet Vorträge etwa zu Gender Bias in der KI.

Was war die Idee, als der Prix Lux vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde?  

Claudia Willen: Ich leitete schon damals die Abteilung für Chancengleichheit, und wir hatten Kenntnis von vielen guten Ideen und Initiativen, von guten Führungspraktiken, aber auch von Kollektiven, die sich engagierten. Wir wollten diese Ansätze sichtbar machen und Best Practices aufzeigen. Dabei aber auch selbstkritisch bleiben und zu Veränderungsbereitschaft anspornen.

Wie war das Echo auf die erste Ausschreibung des Preises?

Claudia Willen: Wir hatten 25 Eingaben, was uns sehr überrascht hat. Da war wirklich eine super Dynamik.

«Ein Projekt muss nach wie vor zur Diskussion anregen, sie soll innovativ, originell, nachhaltig und übertragbar sein.»

Claudia Willen

Ist das Interesse ist immer noch so gross?

Claudia Willen: Wir haben inzwischen weniger Eingaben, aber sie sind qualitativ sehr hochwertig. Die Bewerbungen sind heute viel ausgefeilter und komplexer. Man erkennt die Entwicklung, die in den vergangenen zehn Jahren stattgefunden hat: Die Projekte sind nicht mehr so stark auf Gender und Vereinbarkeit fokussiert wie am Anfang, sondern nehmen die verschiedenen Diskriminierungskategorien und vielfältige Instrumente in der Chancengleichheit in den Blick.

Und Sie Frau Mayer, waren Sie auch an der Schaffung des Prix Lux beteiligt?

Heike Mayer: Nein, ich stand gewissermassen auf der anderen Seite. Im Geographischen Institut, wo ich Professorin bin, wussten wir immer über den Preis Bescheid und haben uns auch zwei, drei Mal beworben...

...bis das Geographische Institut dann 2021 für «sein langjähriges Einstehen für Chancengleichheit» und seine «Pionierleistungen für eine inklusive Wissenschaftskultur» ausgezeichnet wurde.

Heike Mayer: Ja, wir wurden nicht nur dafür prämiert, dass wir auf der Stufe Professur die Parität zwischen Frauen und Männern erreicht haben, sondern auch dafür, wie wir Prozesse verändert haben, wie wir unsere Sitzungen gestalten, welche Diskussionskultur wir haben und welche Kriterien wir bei Ernennungsgeschäften anwenden. Das hat sich in den 16 Jahren, in denen ich am Institut bin, sehr zum Positiven verändert.

Was bedeutet das konkret?

Heike Mayer: An unserem Beispiel lässt sich zeigen, wie vielschichtig ein ganzes Institut arbeiten kann. Das geht von der Verschiebung von regulären Sitzungen weg vom späten in den früheren Nachmittag bis hin zu Unterstützung für Care-Verpflichtungen bei Konferenzen. Wir hatten bereits sehr früh ein Eltern-Kind-Zimmer, wir ermöglichen Jobsharing, und wir unterstützen die Reduktion des Pensums von Professorinnen und Professoren mit Care-Verpflichtungen auf 80 Prozent. Es geht eben nicht nur um eine einzelne Gleichstellungsmassnahme, sondern um ganz viele kleinere Sachen, die sich umsetzen lassen.

«Ich sehe den Prix Lux auch als eine Belohnung für diese Herzensarbeit.»

Heike Mayer

Hat sich der Kriterienkatalog für die Auszeichnung mit dem Prix Lux in den vergangenen Jahren verändert?

Claudia Willen: Nein, wir haben sie nicht angepasst. Ein Projekt, eine Initiative muss nach wie vor zur Diskussion anregen, sie soll innovativ, originell, nachhaltig und übertragbar sein. Wie die Erfahrung zeigt, sind diese Werte immer noch gute Kriterien.

Wie steht es mit der Wirkung? Müssen die auszeichneten Projekte nur originell sein, oder müssen sie auch etwas bewegen?

Heike Mayer: Es waren immer auch grössere Einheiten oder Gruppierungen unter den Preisträgern und Preisträgerinnen, die einerseits Beispielcharakter haben und andererseits auch viel bewirken. Initiativen zum Beispiel, die sehr viel Wirkung erzielen, weil sie bestimmte Missstände ansprechen und sich organisieren, um diese Missstände dann auch zu beheben. Viel Wirkung erzielen wir auch, weil der Preis solchen Initiativen und Projekten Sichtbarkeit verleiht – und Legitimation. Wenn zum Beispiel Studierende ausgezeichnet werden, die sich gegen Diskriminierung von Gender oder sexueller Belästigung in der Medizin organisieren, zeigt die Verleihung des Prix Lux, dass das ein wichtiges Thema ist.

Die Prämierung erfolgt also eher für das Potenzial einer Initiative und nicht rückblickend für die erzielte Wirkung?

Claudia Willen: Es gibt durchaus auch etablierte Initiativen, die wir ausgezeichnet haben, aber im Grunde genommen wollen wir den Fokus auf Diskussionen setzen. Uns interessieren Anregungen, Lösungen für Dinge, die nicht gut laufen oder die man verbessern könnte. Es ist wichtig, über Lücken zu sprechen, sie zu benennen und Lösungsansätze zu finden oder auch Neues zu wagen.

Heike Mayer: Deshalb zeichnen wir ja auch breite Netzwerke aus, die Themen auf den Tisch bringen und diese dann auch nachhaltig verankern.

Claudia Willen: Ich möchte unterstreichen, wie wichtig es uns ist, Diskussionen anzuregen, das ist das Spezielle an diesem Preis.

Heike Mayer: Ich finde Preise generell wichtig, weil sie eine Wertschätzung ausdrücken. In den ausgezeichneten Initiativen steckt viel Herzblut, viel Zusatzarbeit, die nicht entlöhnt wird und die nicht in einem Pflichtenheft steht. Ich sehe den Prix Lux auch als eine Belohnung für diese Herzensarbeit.

Claudia Willen: Wir wollen Dinge honorieren, die von unten gewachsen sind und zeichnen sehr bewusst keine Einzelpersonen aus, sondern Kollektive.

Dann ist der Prix Lux also ein Kontrapunkt zu den klassischen Wissenschaftspreisen, der einzelne Forschende ehrt?

Claudia Willen: Richtig, es geht immer um Gruppen und eben genau nicht um einzelne Ausnahmetalente – schliesslich brauchen diese auch immer ein Team.

Zum Prix Lux

Der Chancengleichheitspreis der Universität Bern richtet sich an universitäre Einheiten sowie an Gruppen von Studierenden und Mitarbeitenden. Nominierungen erfolgen durch die Einreichung eines Vorschlags bei der Abteilung für Chancengleichheit. Der Vorschlag muss die Initiative, ihre Ziele und ihre Wirkung beschreiben und durch ergänzende Materialien erweitert werden können. Die Eingabefrist für die aktuelle Ausschreibung endet am 30. Juni 2026.

Zur Person

Claudia Willen ist Leiterin der Abteilung Chancengleichheit der Universität Bern.

Zur Person

Heike Mayer ist Vizerektorin Qualität und Nachhaltige Entwicklung der Universität Bern sowie Professorin für Wirtschaftsgeographie am Geographischen Institut.

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