10 Jahre Grants Office: heute wichtiger denn je

Wer Forschungsgelder einwerben will, bekommt es mit komplexen Förderrichtlinien, engen Deadlines und bürokratischen Hürden zu tun. Seit 2016 ist das Grants Office der Universität Bern dafür da, Forschende bei den Anträgen zu unterstützen.

Portrait Tognola Rottenberg
Im Gespräch: Maddalena Tognola, Leiterin Grants Office, und Prof. Sven Rottenberg, der schon seit Jahren dessen Dienste nutzt.

Die Forschungsförderung ist komplexer geworden: mehr Geldgeber, strengere Richtlinien, internationale Verflechtungen. Dass die Universität Bern dafür seit zehn Jahren eine spezialisierte Anlaufstelle – das Grants Office – betreibt, ist alles andere als ein Zufall. Doch was war 2016 eigentlich der Anlass zu dessen Gründung? «Vor allem die Einsicht, dass es sinnvoll ist, die Unterstützung für Forschungsanträge zentral anzubieten, gerade bei komplexen Förderprogrammen», erklärt Maddalena Tognola, die das Grants Office seit dessen Entstehen leitet. «Zudem war es ein Anliegen, den Fokus des bisherigen Angebotes zu erweitern.»  

Vom kleinen EU-Büro zur zentralen Drehscheibe 

Bis 2016 sei das Augenmerk nämlich insbesondere auf die Förderprogramme der EU gerichtet worden. «Zuvor war die Verwaltung der Programme aus den USA, wie jene des National Institutes of Health, beim Stab der Universitätsleitung angesiedelt. Dort existierte aber keine koordinierte Unterstützung, auch nicht für die Nachwuchsförderinstrumente des Schweizerischen Nationalfonds», erläutert Maddalena Tognola.  

Auch der Wunsch der Finanzabteilung der Universität Bern, über eine Drehscheibe zwischen Förderorganisationen, Forschenden und Universitätsverwaltung zu verfügen, habe für die Etablierung des Grants Offices gesprochen. «Das Grants Office ist nun mit Fachleuten besetzt, die sich mit den Förderrichtlinien der Geldgeber auskennen und die notwendige “Übersetzungsarbeit” für interessierte Forschende der Universität Bern übernehmen können», so Tognola. 

Auf die Frage, wie sich die Forschungsförderungslandschaft in den letzten zehn Jahren verändert habe, führt die studierte Biologin aus: «Wir haben nicht nur festgestellt, dass es mehr internationale Geldgeber gibt, sondern auch, dass es innerhalb der verschiedenen Förderangebote – beispielsweise aus den USA – Quellen gibt, die wir bislang wenig genutzt haben.» Entsprechend habe man passende Forschende auf diese hingewiesen. Mit dem Resultat, dass neue Forschungsanträge entstanden seien, die in der Folge auch finanziert wurden. 

«Das neuste Thema heisst Forschungssicherheit, weil die Spionage von Forschungsresultaten ein aktuelles Risiko darstellt.»

Maddalena Tognola

Seit einiger Zeit beobachten wir zudem einen Trend hin zu strengeren Vorgaben. Ein aktuelles Beispiel sei das Thema Forschungssicherheit, insbesondere, weil die Spionage von Forschungsresultaten ein zunehmendes Risiko darstelle, erklärt Tognola. 

Aktuell stehe auch das Thema Kürzungen im Vordergrund. So habe der Nationalfonds bereits ein Kürzungsbudget antizipiert. «Und dies, obwohl das Parlament noch gar nicht über allfällige Kürzungen entschieden hat. Fakt ist, dass sich der Finanzdruck weiter erhöhen wird, was die von uns geleistete Unterstützungsarbeit für die Forschenden nochmals wichtiger machen dürfte.» 

Zurück im europäischen Forschungsraum 

Bezüglich der EU-Assoziierung der Schweiz an das EU-Rahmenprogramm «Horizon Europe» gibt es laut Tognola positive Nachrichten: «Seit den letztjährigen Ausschreibungen gelten wir wieder als assoziiertes Land. Wir können uns also bei europäischen Projekten und den so wichtigen Grants des Europäischen Forschungsrates ERC, wo die Grundlagenforschung im Mittelpunkt steht, wieder beteiligen, das fühlt sich wie ein Geschenk zu unserem zehnjährigen Bestehen an.»  

Allerdings sei es so, dass das aktuelle EU-Rahmenprogramm nur noch bis 2027 laufe. Danach beginnen wiederum Verhandlungen. «2027 oder 2028 kommt es zudem zu einer wichtigen Abstimmung über das sogenannte Paket Schweiz-EU und somit über das Verhältnis unseres Landes zur EU.» 

Konkret ist das Grants Office nicht zuletzt dabei behilflich, auf spezifische Ausschreibungen aufmerksam zu machen, sagt Tognola. «Dies etwa mit direkten Mailings an Forschende, deren Arbeit zum Thema der Ausschreibung passt. Aber auch mit Vorlagen für die zu schreibenden Briefe oder mit Budgetunterstützung, beispielsweise für die europäischen Projekte.»   

Grants Offics Infografik
Die zehnjährige Arbeit des Grants Office in Zahlen – Unterstützung von der Projektidee bis zum erfolgreichen Projektabschluss. © zvg

Zudem stellt das Grants Office Informationen und Hilfsmittel für ausgewählte Ausschreibungen auf der Webseite zur Verfügung, etwa Vorlagen für die Budgeterstellung und Anleitungen für Formulare. «Erhält ein Antrag den Zuschlag, dann unterstützen wir sowohl beim Verhandeln der Verträge als auch beim Einholen der nötigen Unterschriften oder beim Finanzreporting.» Etwas könne das Grants Office jedoch nicht leisten: «Aus Ressourcengründen ist es nicht möglich, an Forschungsanträgen mitzuschreiben.» 

Gibt es eigentlich einen idealen Zeitpunkt, um sich mit einer Forschungsidee an das Grants Office zu wenden? «Das ist unterschiedlich», betont Tognola. Bei einem Antrag an die Europäische Kommission oder an US-Bundesbehörden lohne es sich, das Grants Office früh zu kontaktieren, damit man rechtzeitig prüfen könne, ob alle relevanten Aspekte für einen allfälligen Antrag berücksichtigt seien.» 

Von Sven Rottenberg, ehemaliger Grantee, wollte uniAKTUELL wissen, was ihn bei seiner ersten Zusammenarbeit mit dem Grants Office besonders überrascht habe: «Mich hat vor allem erstaunt, wie konstruktiv und detailliert das fachliche Feedback war. Als Forschender habe ich das in diesem Ausmass nicht erwartet.» Unerwartet sei auch die enorme Hilfe gewesen, die er erfahren habe, zum Beispiel bezüglich der Budgeterstellung. «Für mich war das zuvor immer eine administrative Hürde. Aber dank der nützlichen Vorlagen fiel mir das wirklich leicht», resümiert der Forscher. 

«Mich hat vor allem erstaunt, wie konstruktiv und detailliert das fachliche Feedback war.»

Sven Rottenberg

Erstmals in Kontakt mit dem Grants Office kam Rottenberg im Jahr 2015. «Das war kurz vor dessen Gründung. Damals dachte ich an die Einholung von Fördermitteln und habe eine Infoveranstaltung besucht. Das war enorm hilfreich.» Als er sich später für einen US-amerikanischen Grant zu interessieren begann, musste er zur Kenntnis nehmen, dass dieses Vorhaben viel Bürokratie erforderte. «In diesem Fall war die Unterstützung durch das Grants Office für mich besonders wertvoll.» 

Zu den erklärten Zielen des Grants Office gehört es, die Drittmittel-Einwerbung effizienter zu gestalten. Das spiegelt sich gemäss Rottenberg unter anderem im Forschungsalltag wider. «Insbesondere dann, wenn es einem gelingt, den Antrag bereits ein paar Wochen vor der Deadline fertigzustellen. Ich bin überzeugt, dass sich dadurch dessen Qualität steigern lässt», sagt Sven Rottenberg. Vor allem, wenn man das Ganze vor Einreichung einem internen Review unterziehe und das unter Einbezug von Nicht-Fachleuten. Das trage dazu bei, die richtige Balance für den Antrag zu finden; dieser solle gut lesbar sein und zugleich alle technischen Details korrekt wiedergeben. 

Nach dem Jubiläum ist bekanntlich vor dem Jubiläum. Doch wo soll das Grants Office in zehn Jahren stehen? Maddalena Tognola zeigt sich überzeugt, dass die Professionalisierung im Forschungsmanagement weiter voranschreiten wird.  

Ungewiss hingegen sei, wie lange die europäischen Förderprogramme für Schweizer Forschende überhaupt noch zugänglich sein werden. «Ich bin überzeugt, dass es auch in zehn Jahren Bedarf gibt, zusätzliche Mittel für die Forschung zu finden. Auch wenn ich selbst dann kurz vor meiner Pensionierung stehen werde.» 

Zur Person

Portrait Tognola

Maddalena Tognola

studierte Biologie an der Universität Bern. Nach mehrjähriger Tätigkeit in einem Umweltberatungsbüro kehrte sie 2002 an die Universität Bern zurück. Zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Euresearch Büro Universität Bern, dessen Leitung sie 2014 übernahm. Seit 2016 leitet sie das Grants Office.

Zur Person

Portrait Rottenberg

Prof. Dr. Sven Rottenberg

Studierte Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin und promovierte anschliessend an der Universität Bern. Nach zehn Jahren am Netherlands Cancer Institute in Amsterdam kehrte er 2014 in die Schweiz zurück. Seither leitet er das Institut für Tierpathologie an der Universität Bern.

Das Grants Office

Das 2016 gegründete Grants Office unterstützt Forschende der Universität Bern und des Inselspitals bei der Einwerbung und Verwaltung von Forschungsgeldern öffentlicher Förderagenturen. Es bietet Informationen, persönliche Beratung und administrative Unterstützung; von der ersten Projektidee bis zum Projektabschluss. Die zentrale Anlaufstelle ist Teil des Vizerektorats Forschung und Innovation und umfasst zudem das «Euresearch Büro Universität Bern», das 2002 aus der damaligen «Euroberatung» geschaffen wurde. Das zweiköpfige Euresearch Büro wuchs mit der steigenden Nachfrage nach Support mittlerweile zu einem Team von neun Mitarbeitenden.

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