Forum für Universität und Gesellschaft
«Unsere Veranstaltungen sind auch soziale Anlässe»
Die Universität ist mehr als Lehre und Forschung. Um ihren gesellschaftlichen Nutzen zu dokumentieren, lädt das Forum für Universität und Gesellschaft (FUG) seit über 20 Jahren zu Veranstaltungen und pflegt erfolgreich den Austausch mit der Politik.

«Akademische Kommission», so hiess ein illustrer Kreis, der sich ab 1987 regelmässig in der Villa Kocher in Bern traf, um über Gegenwartsfragen zu debattieren. Der Zirkel war auf 40 bis 60 Personen limitiert. Mit der Gründung der Akademischen Kommission erfüllte die Universität Bern den Auftrag des Regierungsrats, sich stärker gegen aussen zu öffnen. Nach der geistigen Kost wurde ein währschaftes Abendessen gereicht. Und wie es sich für solche hochkarätigen Anlässe ziemte, erschien jeweils ein akademisch geprägtes Buch zum Thema – wenn auch erst zwei Jahre später.
Die Akademische Kommission erfüllte zwar buchstabengetreu den Auftrag. Doch nach 15 Jahren beschloss man, die Art der Veranstaltung zu modernisieren und zu öffnen.
Aktuelle Themen, nah am Publikum
2002 erfolgte die Umstellung: Die Nachfolgeorganisation «Forum für Universität und Gesellschaft» (FUG) verspricht schon im Namen Interesse für Neues und Öffnung gegen aussen. Gleich geblieben ist die Finanzierung des aktuellen Dreierteams der Geschäftsstelle, das sich auf 200 Stellenprozente verteilt: Ein Teil des Jahresbudgets stammt aus dem Ertrag des Vermögens der Stiftung für Universität und Gesellschaft, die anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Universität Bern 1984 gegründet worden war. Den Rest übernimmt die Universität Bern im Rahmen eines Leistungsauftrags.
«Wir bieten die Gelegenheit, mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen oder lokalen Grössen aus der Politik Fragen oder Forderungen zu stellen»
- Sarah Beyeler
Unverändert blieb auch die paritätische Zusammensetzung des Forums: Je 15 Personen stammen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft respektive aus der Universität und hecken die Themen der nächsten Veranstaltungen aus. Die Schwerpunkte sind so vielfältig wie unsere Gesellschaft: «Demokratie und Internet», «Herausforderung Kultur» und «Arbeitswelt im Wandel» sind nur drei Beispiele der letzten Jahre.
Noch bis Mitte September läuft das diesjährige «Berner Forumsgespräch» zum Thema «Psychische Gesundheit». Anderthalb bis zwei Jahre Vorlaufzeit braucht es, bevor das Schwerpunktthema in drei öffentlichen Abendveranstaltungen ausgebreitet wird, was jeweils bis zu 200 Interessierte anlockt.
Bern über die Stadt hinausdenken
Vor zehn Jahren beschloss die Universität auf Vorschlag des Forums, den Dialog mit der Gesellschaft auch ausserhalb der Berner Stadtgrenzen suchen, und handelte mit dem FUG einen entsprechenden Leistungsauftrag aus. Seither ergänzt das Team das in den Berner Gesprächen ausgerollte Thema mit zwei sogenannten Regionalgesprächen.
Das Podium ist dann mit einer Vertretung der Universität und zwei, drei Exponentinnen respektive Exponenten der jeweiligen Berner Region bestückt. Dabei kommt ein regionaler Aspekt aufs Tapet, «aber es ist auch ganz einfach eine Gelegenheit, mit interessanten Menschen ins Gespräch zu kommen oder lokalen Grössen aus der Politik Fragen oder Forderungen zu stellen», sagt FUG-Mitarbeiterin Sarah Beyeler. Sie organisiert diese Regionalgespräche.

Der Gang nach Burgdorf oder Thun helfe auch, neue Menschen anzusprechen, die sich dann unverbindlich für den Newsletter anmelden und so dafür sorgen, dass das Interesse an den Veranstaltungen hoch bleibt. Denn die Bewerbung der Veranstaltung sei ein wichtiger Teil ihrer Arbeit, betont Beyeler: Jene, die vor gut 20 Jahren die Neulancierung des Forums mittrugen, sind heute teils über 80 Jahre alt. Entsprechend gelte es, die Babyboomer, die jetzt ins Pensionsalter kommen, auf das Angebot aufmerksam zu machen.
Die Themenvielfalt ist dabei eine Chance: Neue Schwerpunkte bedeuten auch neue Personen und Institutionen, an die man die Werbung richten kann.
Zum Apéro gibts einen Mehlwurm
Während die Forumsgespräche – ob in Bern oder in der Region – stets am Abend stattfinden, sind die Forumsprojekte, die das FUG ebenfalls organisiert, jeweils auf drei bis fünf Samstagvormittage gelegt. Dieses Zeitfenster erlaubt mehr Raum, um komplexe Themen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und zu diskutieren.
Die diesjährige Reihe mit dem Titel «Krisen, Konflikte, Kriege – die Weltordnung im Umbruch» könnte aktueller nicht sein, obwohl sie schon im Frühling 2024 eingefädelt wurde. «Uns ist bewusst, dass der Zeitpunkt der Veranstaltung nicht für alle ideal ist», räumt FUG-Geschäftsleiter Marcus Moser ein. «Am Samstagmorgen haben jüngere Menschen anderes im Kopf, als sich Referate anzuhören und über anspruchsvolle Themen zu diskutieren.»

Wer kleine Kinder hat, ist mit dem Haushalt ausgelastet, Studierende wiederum schlafen sich fit für den Ausgang am Wochenende. An den Forumsprojekten am Samstag sind deshalb die Seniorinnen und Senioren in der Mehrheit, die Veranstaltungen mit 200 bis über 300 Teilnehmenden aber gut besucht. Nach der intellektuellen Auseinandersetzung wartet zudem ein Apéro auf die Gäste, der sich bei Stammgästen längst zum sozialen Anlass gemausert hat.
«Wo es passt, beschränken wir uns nicht auf Referate, sondern versuchen, auch weitere Dimensionen einzubeziehen», ergänzt Sarah Beyeler. Besonders gut gelang das beim Forumsprojekt zu Ernährungstrends: Das Publikum konnte beim Apéro nicht nur die üblichen Häppchen picken, sondern auch geröstete Mehlwürmer und Fleischersatzprodukte degustieren. «Sehr gerne würden wir noch mehr in diese Richtung unternehmen und das Programm mit externen Partnerinnen oder mit Besuchen vor Ort ergänzen», sagt Marcus Moser. «Doch das strikte Stiftungsreglement schränkt uns diesbezüglich leider ein.»
Eine Brücke zum Grossen Rat
Das FUG möchte auch ein Scharnier zur Berner Kantonalpolitik sein und lädt daher einmal pro Session die Kantonsrätinnen und -räte zu einem «Dialog am Mittag» ein. Das Stelldichein von 12 bis 13.15 Uhr ist eng getaktet und umfasst zu einem Lunch ein Kurzreferat zu aktuellen Projekten der Universität.
Mindestens so wichtig wie diese Einblicke in die universitären Leistungen sind die informellen Diskussionen im Anschluss. «Natürlich müssen die Parlamentarierinnen schnell wieder ins Parlament. Doch für eine kurze Nachfrage oder das Vermitteln eines Kontakts reicht die Zeit allemal», sagt Marcus Moser.
Die Resonanz laut Marcus Moser jedenfalls ist erfreulich: Bis zu 35 Volksvertreterinnen und -vertreter finden sich zum Dialog ein. «Und immer wieder höre ich die Bemerkung, dass man auch für die persönliche Weiterbildung an die Veranstaltung kommt.»
«Die digitale Aufbereitung unserer Veranstaltungen ist keineswegs eine Pflichtübung fürs Archiv»
- Marcus Moser
Ob «Dialog am Mittag», «Forumsprojekt» oder «Forumsgespräch»: Alle Formate dienen dazu, die Universität näher zu Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu bringen und ihren Stellenwert in ein gutes Licht zu rücken.
Publiziert wird auch heute noch
Nach einer Veranstaltung ist die Arbeit für die FUG-Geschäftsstelle noch nicht abgeschlossen: Die Referate werden geschnitten und nach wenigen Tagen auf dem eigenen Youtube-Kanal online gestellt. Zudem fasst das Team die Referate der Forumsprojekte schriftlich zusammen und publiziert später eine digitale Broschüre, in der die einzelnen Referat-Videos eingebettet sind. «Die digitale Aufbereitung ist keineswegs eine Pflichtübung fürs Archiv», betont Moser. Einzelne der sorgfältig gestalteten Dokumente würden bis zu 15’000-mal abgerufen.
Was vor über 40 Jahren etwas behäbig und typisch akademisch startete, ist heute topmodern und offen für die ganze Gesellschaft aufgestellt.
Das Forum für Universität und Gesellschaft
Das Forum für Universität und Gesellschaft ist ein Netzwerk von Vertreter:innen aus Wissenschaft und Praxis. Seine Mitglieder aus der Universität sowie aus Politik, Wirtschaft, und Kultur spiegeln die Schnittstelle zwischen Universität und Gesellschaft. Das Forum macht Expert:innenwissen für die Öffentlichkeit zugänglich, indem es das aktuelle Wissen zu ausgewählten Themen in Veranstaltungsreihen zusammenträgt, klärt und bewertet. Die Veranstaltungen des Forums sind öffentlich, der Eintritt ist frei.