Speerwurf, Studium, Spitzenleistung

Speerwerfer Simon Wieland hat sich kürzlich mit einem Rekordwurf an die Spitze katapultiert. Jetzt nimmt er seinen Bachelorabschluss an der Uni Bern ins Visier.

Text: Sylvia Löwe 13. Januar 2026

Simon Wieland wurde im August 2025 in Frauenfeld zum Schweizer Meister gekrönt. Bild: athletix.ch Bild: athletix.ch

In Simon Wielands Familie ist Sport kein Hobby, sondern eine Lebensform: Der Vater war Speerwerfer, die Mutter Diskuswerferin, ebenso wie der Grossvater, der 1952 an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahm. «Ich bin praktisch auf dem Sportplatz aufgewachsen», sagt Simon. «Natürlich war ich polysportiv aufgestellt, aber ich habe schnell gemerkt, dass mir der Speerwurf am meisten liegt.»

Auch Simons fünf Geschwister waren aktiv und haben an Wettkämpfen teilgenommen. «Das Kompetitive unter uns hat mich sehr gespusht.» Schon damals sei ihm das Fernziel klar gewesen: die Olympischen Spiele.

Rückschläge, die tragen – nicht bremsen

2017 folgte der grosse Rückschlag: Simon Wieland zog sich aufgrund der hohen Belastung im Training und bei den Wettkämpfen eine Ellenbogenfraktur zu. «Ich dachte, ich kann nie wieder Speerwerfen», sagt er. Statt aufzugeben, trainierte er mental weiter mit Visualisierungen: der Bewegungsablauf im Kopf, die Technik im Geist.

«Man muss alles selbst planen – Sponsoren, Trainings, Wettkämpfe.»»

Simon Wieland

Nach etwa 18 Monaten konnte Simon Wieland wieder langsam mit dem Speerwurf beginnen. Schnell gelangte er abermals auf ein hohes Niveau und entschied so die Europameisterschaften 2019 für sich.

Die Medien sagten Simon Wieland bereits zu diesem Zeitpunkt eine goldene Karriere voraus. Doch Probleme mit dem Rücken verhinderten erst einmal weitere Erfolge. «In der Zeit habe ich gelernt, auf meinen Körper zu hören und darauf zu vertrauen, dass es gut kommt», sagt er.

Ein Jahr voller Highlights

Simon Wieland kam zurück – und wie! 2025 wurde sein bislang erfolgreichstes Jahr: Im Juli trat er im deutschen Ruhrgebiet an den FISU World University Games an. Er gewann mit 79.33 m Gold. Für Simon Wieland eine Erlösung: «Die FISU World University Games haben für mich einen besonderen Stellenwert. Die Medaille war für mich daher eine Selbstbestätigung.» 

Danach folgten die Highlights Schlag auf Schlag, beziehungsweise Wurf nach Wurf: Am «Diamond League Final», das Ende August in Zürich stattfand, warf er den Speer auf 81.29 m. Die Krönung folgte einen Monat später an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Tokio: Mit 82.26 m stellte Simon Wieland einen neuen Schweizer Rekord auf – trotz einer Erkältung kurz vor dem Wettkampf.

2025 war Simon Wielands Jahr: An der Leichtathletik-WM in Tokio stellte er einen neuen Schweizer Rekord im Speerwurf auf. Bild: athletix.ch

Für all seine Erfolge wurde er im Herbst mit dem «Swiss Students Sports Award» ausgezeichnet.

Studium: Struktur neben dem Sport

Seit dem Herbstsemester 2020 ist Simon Wieland an der Uni Bern im Ökonomiestudium eingeschrieben. Im Sommer 2026 schliesst er sein Bachelorstudium ab. Der Master ist bereits in Planung. Simon Wielands Alltag ist straff organisiert: morgens Uni, nachmittags Training und Physio, abends lernen. Die Balance zwischen Studium und Sport sei nicht einfach aber möglich, so Wieland. Wichtig sei vor allem ein guter Schlaf. Wer denkt, Spitzensport funktioniere nebenbei, der täusche sich: «Man muss alles selbst planen – Sponsoren, Trainings, Wettkämpfe.»

Simon Wieland studiert an der Universität Bern Volkswirtschaftslehre. 2026 schliesst er voraussichtlich sein Bachelorstudium ab. Bild: unibe / Nevio Heimberg

Lange organisierte Simon Wieland auch sein Studium allein. Im Zuge der Universiade 2025 nutzte er erstmals die Angebote des Programms «Spitzensport und Studium» der Uni Bern. Die Ansprechperson der WISO Fakultät, Isabelle Stadelmann, unterstützte ihn dabei, Spitzensport und Studium unter einen Hut zu bringen. So konnte der Student etwa eine Prüfung vorziehen. Rückblickend sagt er: «Das Programm ist toll. Ich hätte seine Angebote viel früher in Anspruch nehmen sollen.»

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