Klimawandel
Wie lässt sich die Schweizer Dürre 2026 einordnen?
Die Folgen der diesjährigen Dürre sind in der Schweiz vielerorts sichtbar. Forschende der Universität Bern haben Trockenperioden des 21. Jahrhunderts mit jenen der vergangenen 600 Jahre verglichen. Ihre Analyse zeigt: Mit fortschreitendem Klimawandel steigt das Risiko extremer Dürren deutlich.
Verdorrte Wiesen, Ernteeinbussen, weitverbreitete Waldschäden und tiefe Flusspegel: Hitzesommer mit ausbleibendem Regen wie 2003, 2018 oder jetzt 2026 werden hierzulande als aussergewöhnlich wahrgenommen. Doch sind sie es im Vergleich mit der natürlichen Klimavariabilität vergangener Jahrhunderte tatsächlich?
Diese Frage hat Alumna Patricia Helpap in ihrer Masterarbeit an der Universität Bern systematisch untersucht – und zwar nicht nur für die Schweiz, sondern weltweit. Zu diesem Zweck arbeitete Helpap, die inzwischen ihren Doktor an der ETH Zürich macht, mit Forschenden des Berner Oeschger-Zentrums für Klimaforschung zusammen. Ihre Ergebnisse sind kürzlich im Journal AGU Advances erschienen.
Klimawandel macht extreme Dürren wahrscheinlicher
Patricia Helpap berücksichtigte in ihrer Arbeit die letzten 600 Jahre bis und mit 2024. Sie kombinierte Beobachtungsdaten mit Simulationen aus einem globalen Klimamodell. Damit konnte sie einen bis dato einmalig weiten Blick in die Vergangenheit zurückwerfen. Das Ergebnis: «Einige Regionen, beispielsweise der Westen der USA, der Amazonas und das zentrale Afrika, erlitten im 21. Jahrhundert Dürren, die in den letzten 600 Jahren beispiellos waren», sagt Helpap. In Europa hingegen, Schweiz eingeschlossen, lägen einzelne Dürrejahre statistisch gesehen innerhalb der Bandbreite der bisherigen Schwankungen.
Allerdings treibt der Klimawandel weltweit und auch in der Schweiz das Risiko extremer Trockenheit voran. Das heisst:«Heute ist es wahrscheinlicher als jemals in den 600 Jahren zuvor, dass aussergewöhnlich starke Dürren eintreten», so Helpap.
Dürre 2026: ohne Klimawandel nur alle 500 Jahre zu erwarten
Die in Helpaps AGU Advances-Studie berücksichtigten Daten reichen lediglich bis 2024. Sie decken die Dürre 2026 somit nicht ab. Co-Autor Benjamin Stocker vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung und sein Team haben jedoch in der Zwischenzeit eine erweiterte Analyse publiziert. Diese zeigt, dass die Dürre von 2026 in der Schweiz die stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen systematischer Klimadaten ist.
Zur Person
Patricia Helpap war bis August 2025 Masterstudentin am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. Mittlerweile ist sie Doktorandin am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaft an der ETH Zürich.
Zur Person
Prof. Dr. Benjamin Stocker leitet die Forschungsgruppe Erdbeobachtung und Modellierung am Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern.
In den Simulationen der vergangenen 600 Jahre traten dennoch vereinzelt noch stärkere Dürren auf. «Damit war die Dürre 2026 zwar nicht beispiellos, aber dennoch ein Extremereignis», erläutert Stocker. «Vereinfacht gesagt, wäre eine vergleichbare Dürre unter den Klimabedingungen vor dem 21. Jahrhundert etwa einmal alle 500 Jahre zu erwarten.» Allerdings habe sich die Wahrscheinlichkeit von solchen Extremereignissen inzwischen derart verschoben, dass bei fortschreitendem Klimawandel auch in näherer Zukunft mit Dürren vergleichbaren oder gar grösseren Ausmasses gerechnet werden muss.
Angaben zur Publikation
Helpap, P., Brönnimann, S., Hand, R., Franke, J., Raible, C. C., & Stocker, B. D. (2026). Are modern droughts unprecedented? AGU Advances, 7, e2026AV002536. https://doi.org/10.1029/2026AV002536