«Qualität entsteht im Austausch»

Die Universität Bern sichert die Qualität ihrer Kernaufgaben Lehre, Forschung und Weiterbildung und entwickelt sie weiter. Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung dieser Ziele spielen die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität. In einer Gesprächsrunde mit «uniAKTUELL» tauschen drei von ihnen Erfahrungen aus.

Von links nach rechts: Simone Levionnois, Isabel Perego und Judith Cormier im Gespräch.

Drei Frauen, drei ähnliche Arbeitsfelder, aber drei ganz unterschiedliche Werdegänge: Simone Levionnois war zuerst Krankenschwester, studierte anschliessend Tiermedizin und ist heute wissenschaftliche Mitarbeiterin Qualität bei der Vetsuisse-Fakultät der Uni Bern. Dieselbe Funktion bei der Philosophisch-historischen Fakultät bekleidet Judith Cormier im Jobsharing. Sie hat einen Masterabschluss in Germanistik und Geschichte gemacht und studierte anschliessend Jazzsaxofon. Isabel Perego schliesslich schloss ihr Studium in Politikwissenschaften und Soziologie mit Schwerpunkt Chancengleichheit ab. Sie ist heute wissenschaftliche Mitarbeiterin Qualität, Chancengleichheit und Nachwuchsförderung bei der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und sagt: «Chancengleichheit und Qualität sind sehr verflochtene Gebiete.» 

So viel also ist klar: Die Arbeit in der Qualitätssicherung und -entwicklung (QSE) war für die drei Spezialistinnen nicht ihr primäres Karriereziel, entpuppte sich aber als eine interessante Aufgabe mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten.  

«Unser Ziel ist Transparenz und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess», erklärt Simone Levionnois. «Dabei können wir viel voneinander lernen – das Rad muss ja nicht immer neu erfunden werden.»  

Wie gut kommt das Thema Qualitätssicherung denn bei Aussenstehenden an? Bietet es etwa Gesprächsstoff bei einem Apéro im Freundeskreis? Judith Cormier wägt ab. «Ein strahlendes Thema ist Qualität tatsächlich nicht», räumt sie ein, «aber wenn ich darüber spreche, welche Veränderungen sich dank QSE erzielen lassen, horchen die Leute auf.» Ein Beispiel: Im Historischen Institut zeigte sich bei einer Evaluation, dass die Studierenden die Abgabe von bestimmten schriftlichen Arbeiten systematisch verschleppten. Diese Erkenntnis führte zu einer Überarbeitung des Studienplans, und vor dem Weiterstudieren muss nun ein Modul abgeschlossen werden. «Ich finde es befriedigend zu sehen, wie sich Abläufe verbessern lassen», sagt Judith Cormier.

Austauschtreffen der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität 

Die regelmässigen Austauschtreffen der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität aus den Fakultäten, organisiert von der Abteilung QSE, fördern die universitätsweite Vernetzung und den fachlichen Dialog. Sie dienen dem strukturierten Austausch zu Methoden, Instrumenten und aktuellen Herausforderungen der Qualitätssicherung und -entwicklung. Ziel ist es, Wissen zu bündeln, Good Practices sichtbar zu machen und gemeinsame Lösungen für ein wirkungsorientiertes Qualitätsmanagement an der Universität Bern zu erarbeiten. 

Mehrwert für alle Beteiligten 

Richtig spannend wird es, wenn man der Frage nachgeht, weshalb bei der Evaluation von Lehrveranstaltungen in Cormiers Fakultät die Dozierenden konstant viel besser bewertet werden als in jenen ihrer Kolleginnen. Die Fragebögen, so muss man wissen, mit welchen die Studierenden die Qualität der Lehre beurteilen, sind überall dieselben – die Benotung allerdings variiert stark. Warum das so ist, darüber sind sich die drei Qualitätsspezialistinnen einig: Obligatorische Veranstaltungen werden durchschnittlich schlechter beurteilt als nicht obligatorische. Nun ist das Angebot von frei wählbaren Vorlesungen und Seminaren in den Geisteswissenschaften breiter als die Wahlmöglichkeiten in der Vetsuisse oder im Bachelorstudium der Rechtswissenschaftlichen Fakultät – ein Umstand, der die Bewertungen verzerrt.  

Die Konsequenzen der Evaluation allerdings sind überall dieselben: Folgen hat die Beurteilung, falls sie ganz gut oder ganz schlecht ausfällt. Die Dozierenden mit einer herausragenden Bewertung werden mit einer Anerkennung hervorragender Leistung in der Lehre (ALL) ausgezeichnet, die unzureichend bewerteten aufgefordert, sich didaktisch weiterzubilden, zum Beispiel via dem Weiterbildungsangebot der Abteilung Learning and Development (LEAD). «Die allermeisten Dozierenden nehmen diese Evaluationen sehr ernst», betont Isabel Perego, «die Feedbackschleife funktioniert.» Kurz: Diese Art von Qualitätssicherung bringt einen Mehrwert für alle Beteiligten. 

Auf den Kontext kommt es an 

Direkte Vergleiche machen bei der QSE also nicht immer Sinn – es kommt auf die Rahmenbedingungen an. Ganz besonders gilt dies offenbar bei der Evaluation der Forschung. So gibt Isabel Perego zu bedenken, dass in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät internationale Zusammenarbeit der unterschiedlichen Rechtssysteme wegen weniger stark ausgeprägt sei. Somit falle bei den Juristinnen und Juristen ein Kriterium zur Beurteilung der Forschungsqualität weg, das anderswo zentral sei. 

Gibt es denn generelle Unterschiede bei der QSE in Lehre und Forschung? «Ich habe gemerkt, dass in der Forschung Evaluationen sensibler sind als in der Lehre», meint Judith Cormier, «da ist schon die Wahl der Begutachtenden ein Geschäft für die Unileitung.» Kaum erstaunlich, denn bei der Beurteilung von ganzen Forschungsbereichen oder Fakultäten zählen auch strategische Fragen.  

Jede Fakultät mag ihre Besonderheiten haben, aber letztlich basiert die fakultäre Qualitätssicherung überall auf denselben QSE-Richtlinien. Und die Rolle der wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität in diesem System umschreibt Isabel Perego so: «Wir sind die Brücke zwischen der Unileitung und den Fakultäten. In Zusammenarbeit mit den Qualitätsbeauftragten der jeweiligen Fakultät flechten wir die universitären Vorgaben in die unterschiedlichen Realitäten vor Ort ein.» 

Zu den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität

Jede der acht universitären Fakultäten an der Universität Bern beschäftigt eine oder einen wissenschaftlichen Mitarbeitenden Qualität. Sie sind nicht nur für die Qualitätssicherung und -entwicklung in den Fakultäten verantwortlich, sondern bilden ein zentrales Bindeglied zwischen Fakultäten und der Abteilung QSE. Sie übersetzen die Anforderungen universitärer Qualitätsstandards in fakultäre Spezifika und sind für die Ausrichtung und Erarbeitung von Evaluationsverfahren bis zu ihrer operativen Umsetzung in Zusammenarbeit mit der Abteilung QSE verantwortlich.

Legitimation gegenüber Behörden und Gesellschaft 

Tatsächlich zählen die «QSE-Richtlinien für die universitären Kernaufgaben» für alle Bereiche der Universität Bern. Immer gemäss der darin formulierten Maxime: «So differenziert wie fachlich nötig, so einheitlich und vergleichbar wie möglich». Dabei gelte es nicht zuletzt die «spezifischen Bedürfnisse und Traditionen der verschiedenen Fächer» zu berücksichtigen. Genauso wie die «notwendige Vergleichbarkeit». Die Qualitätssicherung, so lässt sich den Richtlinien entnehmen, dient nicht zuletzt der Legitimation: Die Ergebnisse der Evaluation erlaubten es unter anderem, «gegenüber den Studierenden, den vorgesetzten Behörden sowie der Gesellschaft aufzuzeigen, dass die Universität Bern die Weiterentwicklung der Lehre und die Förderung des Nachwuchses wirksam und effizient in die Hand nimmt». 

Dass die Universität Bern bei der QSE an einem Strang zieht, zeigt sich auch an der Zusammenarbeit unter den Mitarbeitenden Qualität der Fakultäten, die sich mehrmals jährlich zum Erfahrungsaustausch treffen. «Ich finde es sehr bereichernd, Best Practices auszutauschen», sagt Simone Levionnois. Und Judith Cormier wird konkret: «Im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen der anderen Fakultäten wurde uns bewusst, dass unsere Fakultät bei den Anerkennungen für ausgezeichnete Lehrleistungen strengere Kriterien anwenden muss, damit es nicht zu einer ‹inflationären Vergabe› kommt.» Der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen, so erzählen die drei Qualitätsspezialistinnen, beschränke sich nicht bloss auf die formalen Treffen. Denn zwar mögen Richtlinien und Verständnis von QSE in der ganzen Universität dieselben sein, aber bei der Umsetzung an der Basis stellen sich immer wieder Fragen. Eine klärende E-Mail kann da unkompliziert Abhilfe schaffen. 

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