Neuer Master baut auf Berner Weltraum-Erbe auf

Der neue Masterstudiengang «Weltraumwissenschaften und Astronomie» der Universität Bern beginnt im Herbst 2026. Die Studiengangsleiterin Andrea Fortier spricht über das Berner Weltraumerbe, was Studierende vom neuen Master erwarten können und darüber, was ihn so einzigartig macht.

Portrait Andrea Fortier
Andrea Fortier konzipiert den Masterstudiengang so, wie sie ihn selbst gerne gehabt hätte. © Universität Bern, Bild: Dres Hubacher

An der Universität Bern kann man bereits Physik mit dem Schwerpunkt Astronomie studieren. Warum braucht es den neuen Masterstudiengang in «Weltraumwissenschaften und Astronomie» trotzdem? 

Der aktuelle Master bildet Studierende in Astronomie und Astrophysik aus. Aber wenn man wirklich andere Welten erforschen will, muss man das Wissen aus vielen wissenschaftlichen Bereichen kombinieren.

Master Weltraumwissenschaften und Astronomie

Der spezialisierte Masterstudiengang «Weltraumwissenschaften und Astronomie» ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Center for Space and Habitability (CSH), der Abteilung für Weltraumforschung und Planetenwissenschaften (WP) des Physikalischen Instituts, dem Astronomischen Institut (AIUB) und dem Institut für Angewandte Physik (IAP) der Universität Bern. Durch die Kombination des Fachwissens dieser Institute erweitert der Masterstudiengang die bestehenden Physik- und Astronomieprogramme um einen vertieften Fokus auf die Interdisziplinarität in der Weltraumforschung.

Können Sie das näher erläutern? 

Wenn man die Erde erforscht, kann man sich auf verschiedene Aspekte konzentrieren – Geologie, Chemie und so weiter. In dem Moment, in dem man beginnt, andere Welten zu erforschen, wird es eben notwendig, all diese Aspekte einzubeziehen, um zu verstehen, was dort wirklich geschieht. Man muss Wissen aus verschiedenen Bereichen einbeziehen und schliesslich alles zusammen analysieren. 

«Dank dem neuen Studiengang kann man sich schon früh in der Karriere an Weltraummissionen beteiligen.»

Andrea Fortier

Warum ist die Uni Bern der richtige Ort, um Weltraumwissenschaften zu studieren? 

Bern hat eine lange Geschichte in der Weltraumforschung, die bis zu Apollo 11 zurückreicht: Es begann mit dem Solar Wind Composition Experiment, das an der Universität Bern entwickelt worden war und das der Astronaut Buzz Aldrin während der ersten Mondlandung auf der Oberfläche des Mondes platzierte. Seitdem haben wir kontinuierlich Experimente und Fachwissen aufgebaut. In fast 60 Jahren haben wir zu mehr als 50 Instrumenten beigetragen, die ins All geflogen sind. Im Moment ist beispielsweise BepiColombo auf dem Weg zum Merkur und JUICE zum Jupiter. Nach Rosetta werden Missionen wie Comet Interceptor und Ramses weiterhin Kometen untersuchen. Die Universität Bern hat also an vielen wichtigen Missionen mitgewirkt. Der neue Masterstudiengang ermöglicht es den Studierenden, sich bereits in einem frühen Stadium ihrer Karriere, nämlich als Masterstudent oder Masterstudentin, an solchen Weltraummissionen zu beteiligen. 

Buzz Aldrin
Buzz Aldrin entrollt anlässlich der ersten Landung auf dem Mond am 21. Juli 1969 das Sonnenwindsegel der Universität Bern. © NASA, Apollo Image Archive

Und dann ist da ja noch CHEOPS … 

Ja, CHEOPS ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Schweiz unter der Leitung der Universität Bern, in Zusammenarbeit mit der Universität Genf. CHEOPS ist somit die erste vollständige Mission unter unserer Leitung und baut auf der langen Tradition der Berner Weltraumforschung auf. Jetzt ist es wichtig, dieses Wissen zu kanalisieren und die nächste Generation in die Lage zu versetzen, dieses Erbe fortzuführen. 

 

«Seit fast 60 Jahren hat die Universität Bern zu mehr als 50 Instrumenten beigetragen, die ins All geflogen sind.»

Andrea Fortier

Die Universität Bern ist jedoch nicht die einzige Universität in der Schweiz, die Studiengänge im Bereich Astronomie und Weltraumwissenschaften anbietet. Wie unterscheiden sich die Studienprogramme?
 
Ich denke, dass wir – abgesehen von unserem Erbe und unserem Fachwissen – eine Nische abdecken. Der Studiengang Space Engineering in Zürich beispielsweise ist mehr auf die Systemtechnik ausgerichtet, also darauf, ein Raumfahrzeug ins All zu bringen, und zwar weitgehend unabhängig vom wissenschaftlichen Ziel. Wir jedoch konzentrieren uns mehr auf die wissenschaftliche Seite der Weltraumaktivitäten. Die Studienprogramme sind aber absolut komplementär: man könnte in Zusammenarbeit im Prinzip eine komplette Mission aufbauen. 

Gibt es eine Zusammenarbeit zwischen den Programmen? 

Ja. Wir wollen enge Verbindungen zur ETH und zu anderen Schweizer Universitäten, damit die Studierenden einen umfassenden Überblick über das Geschehen in der Schweiz erhalten. Wir möchten, dass sie Kurse an anderen Instituten belegen, anstatt dass wir Inhalte bei uns verdoppeln. 

Das Berner Programm umfasst spezielle Kurse für Transferable Skills, Projektmanagement, Präsentations- und Schreibfähigkeiten. Warum ist das so? 

Es wird oft als selbstverständlich angesehen, dass man diese Dinge beherrscht, und ich denke, das ist falsch. Es ist wichtig, sie auf Master-Ebene zu vermitteln, denn sie helfen den Studierenden, was auch immer sie später tun werden. Wir wollen die Studierenden in die Lage versetzen, ihre Karrieren sowohl innerhalb als auch ausserhalb der akademischen Welt fortzusetzen – im wachsenden Raumfahrtsektor oder in anderen Bereichen. Interdisziplinarität geht über den spezifischen Inhalt hinaus: Sie lehrt eine Denkweise, die man in vielen Aspekten des Lebens und in jedem Karriereweg anwenden kann. 

Wir haben vorher CHEOPS erwähnt. Sie sind seit fast 14 Jahren an dieser Mission beteiligt, zunächst als Instrumentenwissenschaftlerin und jetzt als Missionsmanagerin. Hatten Sie bereits einen Hintergrund als Instrumentenwissenschaftlerin, als Sie mit der Mission begannen? 

Nein. Ich komme aus der Astronomie und habe an Modellen zur Entstehung von Riesenplaneten gearbeitet. Der Wechsel zur Instrumentierung, als ich zur CHEOPS-Mission kam, war eine grosse Umstellung – manchmal sehr schwierig, aber auch sehr lohnend. Meine Universität in Argentinien war sehr theorieorientiert. Ich vermisste den praktischen Teil: Laborarbeit, Beobachtungen, Experimente – und die interdisziplinären Elemente. Ich wünschte, ich hätte all das haben können, was unser neuer Masterstudiengang jetzt bietet. 

Sie sind jetzt in der neuen Rolle der Studiengangsleiterin. Was wünschen Sie sich für den Studiengang und die Studierenden? 

Ich hoffe, der Studiengang wächst und zieht viele Studierende an. Ausserdem möchte ich die Leute ermutigen, mit uns zu sprechen und herauszufinden, was alles möglich ist. Ich möchte, dass die Studierenden ein solides Verständnis für die Themen und das Projekt, das sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entwickeln möchten, erlangen. Aber noch mehr als das möchte ich, dass sie lernen, wie man in einem Team arbeitet. Wenn sie an einer Weltraummission teilnehmen wollen, ist das entscheidend – es geht um das Team, nicht um einen selbst. Und natürlich möchte ich, dass sie Spass haben und diese zwei Jahre geniessen, Kontakte knüpfen, andere Kulturen entdecken und als Menschen wachsen. 

Zur Person

Dr. Andrea Fortier

ist stellvertretende Direktorin des Center for Space and Habitability (CSH) und Studiengangsleiterin des neuen Masters in Weltraumwissenschaften und Astronomie an der Universität Bern. Sie ist ausserdem Missionsmanagerin der CHEOPS-Mission, eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Schweiz, die von der Universität Bern geleitet wird und die sich mit der Charakterisierung von Exoplaneten-Transits befasst.

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