Mehr Flexibilität dank neuer Professurenplanung

Ab 2027 tritt ein neuer Leitfaden zur Professurenplanung an der Universität Bern in Kraft. Rektorin Virginia Richter erklärt, wieso die Anpassungen nötig sind und was sich damit ändert.

Die Rektorin der Universität Bern, Virginia Richter, spricht über das neue Vorgehen bei der Professurenplanung. © Universität Bern, Bild: Dres Hubacher.

Virginia Richter, was ist der Anlass für die Änderungen in der Professurenplanung? 

Universitäten stehen heute vor grossen Herausforderungen; als Beispiel sei nur die KI genannt, die von Forschungsmethoden bis Leistungskontrollen unsere Praxis gerade massiv verändert. Die Universität Bern will die Stärken der Volluniversität, insbesondere die Fächervielfalt, bewahren und sich zugleich für die Zukunft gut aufstellen. Dies muss in einem finanziellen Rahmen geschehen, der mit der wachsenden Studierenden- und Mitarbeitendenzahl nicht mithält. Eine von Besitzstandwahrung geleitete Wiederbesetzung von Professuren, wie sie bisher weitgehend üblich war, nimmt den Fakultäten die Möglichkeit, sich thematisch und methodisch weiterzuentwickeln. Um als Universität handlungsfähig zu bleiben, haben wir deshalb beschlossen, die Professurenplanung umfassender und dynamischer zu gestalten. 

Was wird denn genau angepasst? 

Bisher wurden auf eine einzelne Professur ausgerichtete Strukturberichte erstellt und die Passung in die Gesamtstrategie aufgezeigt. Das war sehr aufwändig und orientierte sich eher an der Tradition im Sinne einer «Nachfolge». In Zukunft sollen Besetzungen im Rahmen einer fakultären Gesamtstrategie, dem sogenannten Entwicklungsrahmen, geplant werden. Die eigentlichen Strukturberichte fassen mehrere Professuren und Dozenturen zusammen und sollen deutlich schlanker ausfallen als bisher. In der Umstellungsphase wird das erstmal viel Arbeit bedeuten, aber mittelfristig soll der administrative Aufwand dadurch kleiner werden. 

Neuer Leitfaden zur Professurenplanung

Die detaillierten Angaben zum künftigen Prozess ab 2027 sind im neuen Leitfaden zur Professurenplanung aufgeführt:  

Zum Leitfaden (Interner Webbereich)

Wann und wie erfolgt künftig die strategische Einordnung? 

Die Professurenplanung wird künftig an den jährlichen Strategiegesprächen besprochen. In einem kontinuierlichen Zusammenspiel zwischen der Universitätsleitung und den Fakultäten werden jeweils im restlichen Verlauf des Jahres zentrale Kennzahlen geprüft, freiwerdende Professuren und Dozenturen über die nächsten zehn Planjahre erfasst und der Entwicklungsrahmen von der Fakultät erstellt. 

Was sind die konkreten Vorteile der neuen Form im Vergleich zu bisher? 

Die Professurenplanung hat eine enorme strategische Relevanz – inhaltlich, finanziell und personell. Es ist wichtig, sie in einem gut strukturierten Verfahren durchzuführen. Mit dem längeren Zeithorizont und dem Blick über den Tellerrand der Einzelprofessur hinaus können wir zudem gezielt strategische Schwerpunkte setzen. 

«Die neue Professurenplanung wird zu einem zentralen Instrument für die Ausrichtung der Gesamtuniversität.»

Virginia Richter

Ist der Prozess für alle Fakultäten gleich?   

Grundsätzlich gilt die neue Professurenplanung für alle Fakultäten und wird zu einem zentralen Instrument für die Ausrichtung der Gesamtuniversität – ein wichtiger Hebel im immer härteren Wettbewerb, in dem wir uns als Universität befinden. Aber wir berücksichtigen die speziellen Gegebenheiten, die manche Fakultäten aufweisen. Ein Beispiel dafür sind die Schnittstellen zu den Kliniken bei der Medizinischen Fakultät. Auch der Umgang mit Stiftungsprofessuren, interfakultären Professuren und strategischen Zentren ist im neuen Leitfaden definiert.  

Welche Anstellungsebenen sind konkret betroffen? 

Die Professurenplanung umfasst neu alle Strukturstellen inklusive der Dozenturen. 

Gibt es inhaltliche Änderungen, etwa in Bezug auf die Ausstattung von Professuren oder in Bezug auf die Beurteilungskriterien von Bewerbungen? 

Die Ausstattung soll grundsätzlich bedarfsgerecht, fair und nachvollziehbar erfolgen. Die konkrete Ausgestaltung solcher Fragen findet in den neuen Strukturberichten statt.  

Wie wurde die neue Professurenplanung entwickelt und wer war dabei vertreten?  

Der Leitfaden wurde von einem Kernteam unter Einbezug der Rückmeldungen eines Fachausschusses sowie der Klausur der Universitätsleitung und der Dekaninnen und Dekane weiterentwickelt. In den Prozess wurden auch andere laufende Projekte und Querschnittsthemen miteinbezogen. Die Vernehmlassung bei den Fakultäten wurde im Januar 2026 abgeschlossen. 

Ab wann kommt die neue Form zum Tragen? 

Das Jahr 2026 wird genutzt, um die neue Professurenplanung mit ihren verschiedenen Elementen schrittweise zu finalisieren. An den Strategiegesprächen 2026 wird mit den Fakultäten das definitive Vorgehen besprochen. Bereits ab diesem Zeitpunkt soll, wenn immer möglich, mit den neuen Strukturberichten gearbeitet werden. Definitiv setzt die Universitätsleitung den Leitfaden Professurenplanung ab 2027 in Kraft. 

Über das Programm Fit for Future

Die Universität Bern steht vor grossen Herausforderungen, zum Beispiel in Bezug auf die Finanzierung, Raumknappheit oder steigenden Studierendenzahlen. Um weiterhin innovative Forschung und exzellente Lehre an der UniBE bieten zu können, hat die Universitätsleitung 2022 ein Programm zur Entwicklung der Universität Bern mit Titel «Fit for Future» lanciert. Die Kernfrage dabei ist: Was muss die Uni heute tun, um in 10 bis 20 Jahren noch attraktiv und wettbewerbsfähig zu sein? 

Der Zentralbereich und die Fakultäten haben in einem gemeinsamen Prozess zwölf Handlungsfelder definiert und sind in eine Diskussion um Zusammenarbeit, Planung, Verzicht und Ressourcenverteilung eingetreten. Innerhalb von zwei Jahren konnten sieben Handlungsfelder umfassend bearbeitet werden. Die Erkenntnisse aus diesen Arbeiten sind bereits in den universitären Alltag eingeflossen.   

Mehr Informationen: Zur Website Fit for Future 

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