ENLIGHT Teaching and Learning Konferenz
Leuchtturm der Lehre
Vom 22. bis 24. Oktober war die Universität Bern Gastgeberin der «Teaching and Learning Conference 2026» der europäischen Universitätsallianz ENLIGHT. Rund 250 Studierende, Dozierende und Personen aus der Hochschuldidaktik von zehn europäischen Universitäten tauschten sich über innovative Lehre aus – und knüpften am Netzwerk, das sie immer stärker verbindet.
Auf dem Gurten, mit der einmaligen Aussicht über die Stadt Bern, bricht am Freitagabend Jubeln aus, als Sidonia Christ von der Studierendenschaft der Universität Bern den Gewinner des diesjährigen «ENLIGHT Teaching & Learning Awards» verkündet. Der lebhafte Applaus gilt dem Kurs «Environment, Health, and Climate Change». Er wird an der Universität Uppsala unterrichtet, unter Beteiligung von Lehrpersonen der Universitäten Tartu, Estland, sowie Groningen, Niederlande.
Vom Wissen über kritisches Denken ins Handeln kommen
Der Kurs führe die Studierenden an die Herausforderungen heran, denen sich die Menschheit stellen müsse, sagt der Preisträger Syed Moshfiqur Rahman. Wer den Kurs besuche, lerne, wie man die Grenzen des eigenen Fachs überwinde und mit Expertinnen und Experten aus anderen Disziplinen zusammenarbeite. Vor allem aber: «Wir vermitteln den Lernenden nicht nur Wissen, sondern fordern sie auch zum kritischen Denken auf – und befähigen sie so, ins Handeln zu kommen», sagt Rahman. «Der Kurs ermächtigt sie, eine nachhaltige Zukunft mitzugestalten.»
«Mit der ENLIGHT Konferenz wollen wir der Lehre eine Bühne geben – und ihr die Aufmerksamkeit schenken, die ihr gebührt.»
Fritz Sager, Vizerektor Lehre, Universität Bern
Entschieden, welches Lehrangebot den Preis gewinnt, hat eine Jury aus Studentinnen und Studenten. Jede der zehn ENLIGHT Universitäten ist mit einer Studentin oder einem Studenten in der Jury vertreten. Alle zehn Universitäten hatten sich im Vorfeld mit einem Kurs um den Preis beworben. Der «Teaching & Learning Award» zeichnet gemäss der ENLIGHT Website nicht nur «die besten Unterrichtspraktiken aus», er bietet darüber hinaus auch «eine Gelegenheit, sich bei denjenigen aufrichtig zu bedanken, die sich in besonderem Masse für die von ihnen angebotene Ausbildung engagieren».
Aus der Aula hinaus in die Welt hinein
Auffallend ist, dass in praktisch allen nominierten Kursen die reine Wissensvermittlung nicht im Vordergrund steht. Neben dem Erwerb der Grundlagen geht es vor allem darum, das Erlernte anzuwenden – und es aus der Aula hinaus in die Welt zu tragen. Im Lehrangebot, das etwa die Universität Ghent ins Rennen geschickt hat, analysieren angehende Ingenieurinnen und Ingenieure keine Standard-Fallstudien mehr. Sie beschäftigen sich dafür mit konkreten Herausforderungen, wenn sie in Projektgruppen zum Beispiel ein umweltfreundliches Segelboot oder ein selbstfahrendes elektrisches Rennauto entwickeln.
In einem anderen Kurs werden die Lernenden statt mit polierten Tabellen mit unvollständigen und unübersichtlichen Daten konfrontiert: «Messy Data» aus dem realen Leben. Die Absolventinnen und Absolventen des «Practical Statistical Trainings» setzten sich dadurch mit «wunderschönen statistischen Formeln» auseinander, aber auch mit Fragen zum Studiendesign – und wie man mit unvollständigen Daten am besten ins Ziel gelange, erklärt Thomas Kneib von der Universität Göttingen.
Buntheit ist Programm
Von den zahlreichen Projekten, die sich an der Konferenz präsentieren, sticht in erster Linie die grosse Vielfalt ins Auge. Die Buntheit sei Programm, meint Fritz Sager, Vizerektor Lehre der Universität Bern. «Das wichtigste Ziel der Konferenz ist, dass sich die Leute austauschen und so auf neue Ideen stossen.» Hier in Bern sei es zentral, dass die Universität neben einer hervorragenden Forschung Exzellenz in der Lehre anstrebe. Oft stehe einzig die Forschung im Rampenlicht, aber: «Mit der ENLIGHT Konferenz wollen wir der Lehre eine Bühne geben – und ihr die Aufmerksamkeit schenken, die ihr gebührt», sagt Sager.
Ausserdem: In der Forschung gewinne die Arbeit in breiten Netzwerken immer mehr an Bedeutung. Das liesse sich auf die Lehre übertragen. «Auch die Lehre kann vom Zusammenbringen internationaler Perspektiven und dem Aufbereiten und Anwenden von inter- und transdisziplinären Konzepten stark profitieren», sagt Sager.
«Wir wollen gemeinsam Wissen erarbeiten und eine reibungslose Mobilität zwischen den teilnehmenden Universitäten ermöglichen», so Sager. Die Vision sei ein europaweiter Campus. Auf dem Weg dorthin spielt die Konferenz eine wichtige Rolle – dank den Kontakten, die die Teilnehmenden untereinander knüpfen. Das Ergebnis hiervon sei ein immer feiner gestricktes und dadurch umso tragfähigeres Netz.
Gegen Sexismus, für Inklusion und Zivilcourage
Dank der Universitätsallianz ENLIGHT erhalten nicht nur Dozierende Zugang zum Europäischen Hochschulraum, auch die Studierenden gewinnen durch den Zusammenschluss. Neben dem Preis für innovative Lehre wurden an der Konferenz Projekte gekürt, die sich in den Bereichen Nachhaltigkeit, Diversität und Inklusion hervorgetan haben.
Die Anerkennung, die sie an diesem Treffen erfahre, sei schön und tue gut, sagt Doktorandin Anuschka Arni. «Denn es braucht einen langen Atem, um Sexismus im Studien- und Praktikumsalltag zu bekämpfen.» Die Assistenzärztin wirkt bei der Berner Fraktion von CLASH mit, dem «Collectif de Lutte contre les Attitudes Sexistes en milieu Hospitalier». Die an der Konferenz mit dem Sieg in der Kategorie «Diversity & Inclusion» bedachte Initiative hat am Berner Institut für Hausarztmedizin eine anonyme Meldeplattform eingerichtet und hier schon den Chancengleichheitspreis Prix Lux im Jahr 2023 gewonnen. Zudem stellt CLASH Schulungen auf die Beine, um die Leute für die Thematik zu sensibilisieren – und Menschen Mut zu machen: «Lacht nicht mit, sondern zeigt Zivilcourage, wenn zum Beispiel in einer Gruppe ein sexistischer Spruch zulasten einer anderen Person fällt», sagt Arni.
Spürbarer Enthusiasmus
An der UniS, wo der grösste Teil der dreitägigen Konferenz stattgefunden hat, stand gleich beim Eingang ein knapp zwei Meter hoher Leuchtturm. Eine kleinere Version des Turms ist auch als «I» in der Mitte des ENLIGHT Logos zu sehen. Diesem Logo begegnet man nicht nur auf den Postern, sondern auch auf dem Rücken der Helfenden, die die Konferenz im blauen Pullover der Universitätsallianz unterstützen. Die Strahlkraft, die der Leuchtturm verkörpert, hat etwas Ansteckendes – wie auch der Enthusiasmus für gute Lehre an dieser Konferenz.
Über ENLIGHT
ENLIGHT ist eine europäische Universitätsallianz aus zehn forschungsintensiven Volluniversitäten mit rund 350'000 Studierenden, 75'000 Mitarbeitenden und über einer Million Alumni und Alumnae. Die Allianz besteht aus den Universitäten Gent (Belgien), Göttingen (Deutschland), Tartu (Estland), Bordeaux (Frankreich), Galway (Irland), Groningen (Niederlande), Uppsala (Schweden), Bratislava (Slowakei), Baskenland (Spanien) und der Universität Bern (Schweiz), die seit Dezember 2022 assoziiertes Mitglied ist. Gemeinsam entwickeln die Universitäten flexible internationale Formen des Austauschs in Forschung sowie Lehre und streben langfristig gemeinsame Curricula und Abschlüsse an.
ENLIGHT widmet gesellschaftlichen Herausforderungen besondere Aufmerksamkeit: Gesundheit und Wohlbefinden, Mensch und Digitalisierung, Klimawandel, Energie und Zirkularwirtschaft, gesellschaftliche Gerechtigkeit, Kultur und Kreativität. Die Mitgliedschaft der Universität Bern in ENLIGHT wird von Movetia finanziell unterstützt. Movetia fördert Austausch, Mobilität und Kooperation in der Aus- und Weiterbildung sowie in der Jugendarbeit – in der Schweiz, in Europa und weltweit.
Über die ENLIGHT Teaching and Learning Konferenz
Die ENLIGHT Teaching and Learning Conference bringt jährlich Dozierende, Studierende und Personen aus der Hochschuldidaktik der zehn ENLIGHT Universitäten zusammen, um innovative, studierendenzentrierte und forschungsorientierte Lehr- und Lernansätze zu diskutieren. Sie findet jedes Jahr an einer anderen ENLIGHT Universität statt.
Die Konferenz 2026 in Bern widmete sich dem Thema «Context and Learning». Im Zentrum stand die Frage, wie Wissen und Kompetenzen durch praxisnahe sowie inter- und transdisziplinäre Lernansätze vermittelt werden können. Thematisiert wurden dabei vier Bereiche: Lehr- und Lernmethoden, innovative Lernräume, fachübergreifende Ansätze sowie die Verbindung von Lernen und beruflicher Praxis. Mit dem ENLIGHT Teaching & Learning Award werden Kurse und Programme ausgezeichnet, die innovative sowie internationale pädagogische Ansätze und Lernpraktiken umsetzen.
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