«Ich habe den schönsten Arbeitsplatz in Bern»

Scheitern zu dürfen, sich bei der Arbeit frei und sicher zu fühlen – oder schlicht ihr Arbeitsweg: Fünf Mitarbeitende der Universität sagen, was für sie Luxus im Arbeitsalltag ist.

Text: Maura Widmer 03. Juni 2026

Zeit zum Denken

Lucia Malär ist Dozentin für Digitales Marketing. Bild: Pavel Becker

Ein viel beschäftigter Manager sagte einmal zu mir: «Du hast Zeit zum Denken. Das ist Luxus.» Dieser Satz ist mir geblieben – wohl weil er beschreibt, was wir in der Luxusforschung den «leisen Luxus» nennen. Dieser zeigt sich subtil und oft erst auf den zweiten Blick. 

Genau das ist für mich Luxus im Arbeitsalltag: Zeit, Raum und die Freiheit, zu denken. Auch schätze ich inspirierende Begegnungen – und die weissen Schoko-Bons, die mir von lieben Mitarbeiterinnen geschenkt werden.

Arbeiten auf dem Wasser

Katrina Kremer ist Professorin für Sedimentdynamik am Geologischen Institut. Bild: Heide Prange

Wenn ich auf einem See bin und innehalte, über die Wasseroberfläche und die Landschaft blicke, empfinde ich es als Privileg, dies für kurze Zeit meinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen. Auch die Freiheit, Projekte nach eigenen Interessen zu entwickeln, auszuprobieren, neugierig zu sein und auch einmal scheitern zu dürfen, ist für mich ein grosser Luxus. Besonders bereichernd ist für mich der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit Schülerinnen, Schülern und Studierenden.

Sicherheit

Elijah King ist Doktorand*in. Bild: zvg

Luxus im Arbeitsalltag bedeutet für mich vor allem Sicherheit. Es ist entlastend, im Arbeitstag nicht ständig die Frage im Hinterkopf haben zu müssen, ob ich als trans Person besonders vorsichtig sein muss. Das ist kein persönlicher Komfort, sondern eine Voraussetzung dafür, frei denken, forschen und lehren zu können.

Auch meine Arbeit als Doktorand*in zeigt: Eine gesicherte Finanzierung ist ein Luxus – gerade weil Fördermöglichkeiten im akademischen System immer knapper und unsicherer werden. Sicherheit ist in beiden Fällen der oft unsichtbare Luxus, der gute Wissenschaft überhaupt erst ermöglicht.

Wissen zugänglich machen

Lucas Bischoff ist Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek Bern. Bild: zvg

Die Universitätsbibliothek Bern steht für eine Wissensgesellschaft, in der Informationen zugänglich, verständlich aufbereitet und verlässlich sind. Sie bewahrt kulturelles Erbe, stärkt Informations- und Medienkompetenz und bietet hochwertige Services für Studium, Forschung und Öffentlichkeit. Dies sichtbar zu machen und zu vermitteln, erlebe ich als beruflichen Luxus: Strategie, Services und Zukunftsthemen in klare, wirkungsvolle Botschaften zu übersetzen, die Orientierung geben, Vertrauen schaffen und den Impact unserer Arbeit zeigen.

Blütenreigen und Aromatherapie

Adrian Möhl Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Botanischer Garten Bern. Bild: zvg

Im Frühling sind es die farbigen Krokuswiesen, im Sommer das Jauchzen der Alpensegler unter der Lorrainebrücke, im Herbst das bunte Farbenspiel im Blätterdach und im Winter die Farben des Südsommers im Gondwanahaus – ich habe den schönsten Arbeitsplatz in Bern. 

Der Gang durch das Herz des Botanischen Gartens ist mein wahrer Luxus. Hier ein Blick, ob frisch Gepflanztes gedeiht, dort eine Erinnerung an eine Exkursion zur Pflanzenbeschaffung – der Weg ins Büro könnte nicht besser sein. Rosa Morgenstimmungen oder spielende Eichhörnchen sind die De-luxe-Version des täglichen Rituals – und tauschen? Nein, niemals!

Magazin uniFOKUS

Was brauchen wir wirklich?

Dieser Artikel erschien erstmals in uniFOKUS, dem Printmagazin der Universität Bern. uniFOKUS beleuchtet viermal pro Jahr einen thematischen Schwerpunkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Aktuelles Fokusthema: Luxus.