BWL-Master in Bern: Gefragte Kompetenzen trotz KI

Schweizweit ist die Erwerbslosenquote nach einem Master in Wirtschaftswissenschaften innert zwei Jahren von 3,5 auf 8,5 % gestiegen. An der Uni Bern bleibt sie mit 3,1 % tief. Prof. Christian Matt über Berufschancen und den Wert eines BWL-Masters trotz KI.

Ein BWL-Master der Universität Bern bietet gute Voraussetzungen für den Berufseinstieg – auch in einem zunehmend anspruchsvollen Arbeitsmarkt. 

Christian Matt, der Anteil der Masterabsolventen und Masterabsolventinnen in Wirtschaftswissenschaften, die ein Jahr nach dem Abschluss noch keine Stelle haben, steigt schweizweit steil an. In Bern hingegen ist er mit 3,1 Prozent auf niedrigem Niveau. Ehrlich gesagt: Hätten Sie das so erwartet? 

Christian Matt: Dass sich der Arbeitsmarkt verschiebt und dies besonders Einstiegsstellen in gewissen Bereichen trifft, zeichnete sich bereits ab. Eine konkrete Prognose für Bern hätte ich mir nicht zugetraut. Dass wir in Wirtschaftswissenschaften mit 3,1 Prozent in direkter Schlagdistanz zur HSG und deutlich vor dem übrigen Feld liegen, freut uns allerdings sehr. Es zeigt, dass unsere Absolventinnen und Absolventen am Arbeitsmarkt weiterhin stark gefragt sind. 

Liegt das gute Resultat nicht einfach am Berner Arbeitsmarkt? 

Nun, ganz so einfach ist es nicht. Unsere Studierenden kommen nicht alle aus Bern, und nach dem Abschluss bleiben sie auch nicht zwingend hier. Richtig ist: In der Region gibt es viele attraktive Unternehmen und öffentliche Organisationen. Viele Studierende in unserem BWL-Master sammeln schon während des Studiums praktische Erfahrungen und knüpfen Kontakte. Sie tragen Wissen aus der Uni in die Praxis und bringen Fragen von dort zurück in die Vorlesungen. Beides hilft, und das zeigt sich positiv beim Berufseinstieg. 

Zur Person

Christian Matt ist ordentlicher Professor und Co-Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik und aktuell Sprecher des Departements BWL der Universität Bern. Er forscht zu strategischen Aspekten der digitalen Transformation sowie zum verantwortungsvollen Einsatz von KI in Organisationen und an der Kundenschnittstelle.

KI wird immer leistungsfähiger und verändert gerade viele klassische Einstiegsjobs. Braucht es da überhaupt noch ein Masterstudium in BWL? Viele junge Leute fragen sich zurzeit grundsätzlich, ob sich ein Studium noch lohnt. 

Ja, gerade jetzt. Die Fortschritte im Bereich KI sind beeindruckend, keine Frage. Leistungsfähigere KI stellt in vielen Bereichen aber auch zunehmend eine Blackbox dar. Sie liefert in Sekunden Antworten, die plausibel klingen. Ob sie stimmen und zur konkreten Situation passen, erkennt nur, wer das Fach und den Kontext versteht. Wissen ist zwar leichter abrufbar geworden, überflüssig wird es dadurch nicht. Wenn alle dank KI produktiver werden, steigen zudem die Ansprüche. Die eigene Wissensbasis, Fachkompetenz und Urteilsvermögen bleiben somit unerlässlich, gerade im Umgang mit KI. 

Was würden Sie BWL-Studierenden raten, um möglichst «KI-fit» zu sein? 

Drei Dinge. Erstens: Erarbeiten Sie sich das Handwerkszeug zuerst ohne KI, sonst fehlen Ihnen später die notwendigen Kompetenzen – und es entstehen möglicherweise Abhängigkeiten. Zweitens: Nutzen Sie KI, aber prüfen Sie Ergebnisse stets auf ihre Plausibilität und inhaltliche Richtigkeit. Drittens: Verstehen Sie, wie diese Systeme funktionieren und wo ihre Grenzen liegen, statt nur Prompts zu optimieren. Weil sich die Schnittstelle zwischen Mensch und KI laufend verschiebt, gehört dazu auch, offen für Neues und am Puls der Zeit zu bleiben. 

Analytisches Denken, kritisches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, sich immer wieder Neues anzueignen: Diese Fähigkeiten bleiben auch im Zeitalter der KI unverzichtbar. 

KI verändert fast die gesamte Arbeitswelt rasant, nicht nur den Berufseinstieg. Wenn wir zehn Jahre vorspulen: Welche Fähigkeiten aus einem BWL-Master sind dann vermutlich noch genauso wertvoll wie heute, wenn wir noch gar nicht wissen, welche Tools wir dann benutzen?  

Wie Berufe in zehn Jahren aussehen, weiss heute niemand. Deshalb setzen wir nicht aufs Bedienen einzelner Werkzeuge, die morgen anders heissen, sondern auf die menschlichen Kompetenzen, die gefordert bleiben werden: analytisches Denken, methodische Sicherheit, kritisches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, sich immer wieder Neues anzueignen. Wer dieses unerlässliche Rüstzeug mitbringt, kann sich auch an neue Technologien anpassen. Durch die Flexibilität, entweder generalistisch zu studieren oder sich mit einem Schwerpunkt zu profilieren, können Studierende den BWL-Master zudem gezielt auf ihre beruflichen und akademischen Ziele ausrichten.