Studierende politisieren im Bundeshaus

Ende April trafen sich in Bern studentische Delegierte aus der ganzen Schweiz, um über Themen wie Gleichstellung und Bildungsfinanzierung zu diskutieren. Dabei erhielten sie auch Rat und Unterstützung von Persönlichkeiten aus der Politik.

Die Delegierten der Schweizer Studierendenschaften VSS treffen sich zur 182. Delegiertenversammlung.

Beinahe hundert Vertreterinnen und Vertreter von 11 Studierendenschaften der Schweizer Hochschulen trafen sich am 27. und 28. April in Bern zur Delegiertenversammlung des Verbands der Schweizer Studierendenschaften (VSS). Die Delegiertenversammlung ist das höchste Organ des VSS und legt die politischen Themen fest, die der Verband im Namen der Schweizer Studierenden auf Bundesebene vertritt.

Tim Röthlisberger von der Studierendenschaft der Universität Bern SUB begrüsst die Teilnehmenden.

Die Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) ist eine der stärksten Sektionen des VSS. «Als SUB sind wir in verschiedenen Kommissionen des VSS vertreten und bringen uns so thematisch ein», sagt Tim Röthlisberger, Vorstandsmitglied der SUB und Mitorganisator der Delegiertenversammlung. Aktuell seien das beispielsweise die Vereinbarkeit von Studium und Beruf oder Vergünstigungen für Studierende im öffentlichen Verkehr. «Aber wir lancieren natürlich auch kantonale Vorstösse, beispielsweise zum Stipendienwesen. Die Erfahrungen, die wir dabei machen, geben wir dann an andere Studierendenschaften weiter.»

Gleichstellung aller Geschlechter an Schweizer Hochschulen

Ein weiteres wichtiges Thema für den VSS ist die Resolution zur Gleichstellung aller Geschlechter an Schweizer Hochschulen. Diese verabschiedeten die Delegierten an der letzten Versammlung im Frühling 2023. Die Resolution fordert von den Schweizer Hochschulen institutionelle, organisatorische und positionelle Massnahmen zur Gleichstellung aller Geschlechter im akademischen Umfeld. Dies beinhaltet beispielsweise die Verwendung von inklusiver Sprache oder die Einrichtung von genderneutralen Toiletten.

Melanie Holle, Mitglied des VSS-Vorstands und verantwortlich für das Ressort Gleichstellung.

Der VSS will diese Massnahmen auch intern umsetzen. Dabei sei man auf einem guten Weg, sagte Melanie Holle, Vorstandsmitglied des VSS. «Einzig die Forderungen nach mehr Unterstützung für studierende Eltern und nach Schulungen zum Thema Gleichstellung müssen wir noch implementieren».

Rückendeckung aus der Politik

Regierungsrätin Christine Häsler heisst die Delegierten in Bern herzlich willkommen.

Auch die Politik nimmt solche Anliegen ernst. «Euer Engagement ist wichtig», sagte Christine Häsler am Samstagmorgen zu den Delegierten, «denn durch euch werden die Bedürfnisse der Studierenden in die Politik getragen». Im Hauptteil ihrer Rede ermutigte die Bildungsdirektorin des Kantons Bern die Anwesenden, den Austausch mit der Politik nicht nur auf kantonaler, sondern auch auf nationaler Ebene aktiv zu pflegen und für die solide Grundfinanzierung der Schweizer Hochschulen durch den Bund einzustehen.

Nationalratspräsident Eric Nussbaumer empfängt die Delegation des VSS im Nationalratssaal.

Die Finanzierung von Bildung war auch das Hauptthema im darauffolgenden Austausch mit Eric Nussbaumer im Bundeshaus. Es sei schwierig, in den eidgenössischen Räten Mehrheiten für die Erhöhung der Bildungskredite zu finden, antwortete er auf die Frage eines Delegierten. «Diese Mehrheiten sind aber eine demokratische Realität, die wir akzeptieren müssen», so der Nationalratspräsident weiter. Für ihn sei es aber wichtig, dass der Nationalrat insbesondere für Erasmus+ eine Lösung finde. Die aktuelle Situation sei für junge Menschen diesbezüglich «unerträglich», so Nussbaumer.

Die Delegierten des Dachverbands der Studierendenschaften lauschen im Nationalratssaal gespannt den Ausführungen des Nationalratspräsidenten.

Wie Häsler riet auch Nussbaumer den Delegierten, ihre politischen Anliegen primär an die kantonalen Regierungen zu adressieren. Doch die Stimme der Studierenden werde auch auf Bundesebene gehört. «Zumindest von mir», ergänzte er mit einem Augenzwinkern.

Die Gesellschaft mitgestalten – auch nach dem Studium

Anschliessend hielt Adolf Ogi ein Referat über Leadership und Kommunikation. «Wir müssen eine bessere und friedlichere Welt aufbauen», so der alt Bundesrat: «Dafür braucht es auch Sie, denn Ihnen gehört die Zukunft». Hierzu wolle er den Delegierten konkrete Ratschläge aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen als ehemaliger eidgenössischer Departementsvorsteher und als Sonderberater des UNO-Generalsekretärs geben. «Halten Sie bei einer Rede nie ein Mikrofon, die Hände müssen frei sein», meinte der alt Bundesrat beispielsweise, «ansonsten sind Sie rhetorisch eingeschränkt». 

Alt Bundesrat Adolf Ogi stellt sich den Fragen der Delegierten (während seiner Rede hatte er natürlich – seinem eigenen Rat folgend – kein Mikrofon in der Hand).

Mit seinem Leitsatz “believe in what you do and do what you believe in” beendete Ogi seinen Input. Die Delegierten verabschiedeten den Politiker mit warmem Applaus und widmeten sich den weiteren Sitzungstraktanden.

Über den Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS

Der VSS ist der nationale Dachverband der Schweizer Studierendenschaften. Er wurde 1920 gegründet und vertritt auf Bundesebene die Studierendenschaften der Fachhochschulen, der Pädagogischen Hochschulen, der kantonalen Universitäten und der Eidgenössischen Technischen Hochschulen.

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