Volkskrankheiten bekämpfen
Vier Forschungswege für eine gesündere Zukunft
Wie trägt die Universität Bern konkret zur Bekämpfung von Volkskrankheiten bei? Anhand von vier Beispielen zeigen Forschende, wie ihre Arbeit die Therapie von Demenz, Krebserkrankungen, psychischen Leiden und Adipositas verbessert – und so direkt der Bevölkerung zugutekommt.
Gamen gegen das Vergessen
«In meiner Heimat Neuseeland hatte ich als Gamedesigner für die Filmindustrie gearbeitet. Seit 2019 entwickle ich am ARTORG Center mit Forschenden der Alterspsychiatrie wissenschaftsbasierte Games. Das Ziel: Das Gedächtnis trainieren und so das Fortschreiten von Demenz verlangsamen. Wir haben schon mehrere Games entwickelt und mit älteren Personen getestet. Darin bewegt man sich zum Beispiel in virtuellen Häusern und trainiert die räumliche Erinnerung. Teilnehmende sagen, sie erleben dadurch eine Verbesserung des Gedächtnisses und der Lebensqualität. Jetzt gilt es, dies auch objektiv nachzuweisen. Ich sorge als Gamedesigner dafür, dass die Spiele nicht nur wirksam sind, sondern auch Spass machen. Noch ist keines unserer Games auf dem Markt – aber hoffentlich bald.»
Krebsüberlebende begleiten
«Krebserkrankungen können heute zum Glück oft geheilt werden. Viele Betroffene leiden aber an Spätfolgen der Krankheit oder deren Behandlung. Gerade wenn jemand als Kind an Krebs litt, können sich auch Jahrzehnte später noch Auswirkungen zeigen – etwa Herzprobleme oder Hauterkrankungen. Deshalb bieten wir an der Medizinischen Poliklinik des Inselspitals eine Cancer-Survivor-Sprechstunde an. Das Ziel des Angebots ist es, Spätfolgen früh genug zu erkennen, um die Patientinnen und Patienten möglichst gut behandeln zu können. Wir klären die Betroffenen darüber auf, welches Risiko für Spätfolgen sie haben und bei welchen Symptomen sie ärztliche Hilfe aufsuchen sollten. Gleichzeitig führen wir Forschung mit den Krebsüberlebenden durch. Dabei untersuchen wir ihre Motivation für die Nachsorge, ihre Lebensqualität, Befürchtungen rund um ihre Gesundheit und die Zufriedenheit mit der Krebsnachsorge.»
Mit Kaugummi abnehmen
«Dreimal täglich einen speziellen Kaugummi zu kauen, könnte helfen, Übergewicht abzubauen oder Adipositas vorzubeugen. Bereits herkömmliche Kaugummis beeinflussen den Stoffwechsel: Beim Kauen verbrauchen wir Energie, gleichzeitig dämpft der erhöhte Speichelfluss das Hungergefühl. Unsere Forschungsgruppe will diesen Effekt noch verstärken. Normalerweise lösen sich aus einem Kaugummi vor allem Aroma- und Süssstoffe, während der Gummi selbst nahezu unverändert bleibt. Unser Kaugummi funktioniert anders: Er besteht zu rund einem Drittel aus Nahrungsfasern – also Ballaststoffen –, die sich beim Kauen herauslösen, verschluckt werden und in den Darm gelangen. Dort beeinflussen sie das Mikrobiom und könnten so den Stoffwechsel positiv verändern. Das soll zusätzlich helfen, das Gewicht zu reduzieren und gesund zu bleiben.
Ob und wie genau der neuartige Kaugummi tatsächlich hilft, Gewicht zu verlieren, untersuchen wir derzeit in zwei Studien. Die Resultate der ersten Studie mit Kindern und Jugendlichen sehen vielversprechend aus und werden demnächst publiziert. In einer zweiten Studie begleiten wir Erwachsene über einen längeren Zeitraum. Dabei interessiert uns insbesondere, ob die Nahrungsfasern das Mikrobiom nachhaltig verändern können und wie häufig der Kaugummi langfristig verwendet werden müsste.
Unser Ziel ist es, den Kaugummi 2027 auf den Markt zu bringen. Er soll eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen, sondern ergänzen. Besonders für Menschen, die im Alltag zu wenig Ballaststoffe aufnehmen, könnte er eine einfache zusätzliche Unterstützung beim Abnehmen sein.»
Zu Hause gut betreut
«Können Kinder und Jugendliche mit einer schweren psychischen Erkrankung auch zu Hause therapiert werden statt in einer Klinik? Mit dieser Frage haben wir 2019 das Projekt ‹AT_HOME› gestartet. Dabei ist ein interdisziplinäres Team von Fachpersonen aus Medizin, Psychologie, Pflege und Pädagogik für die erkrankten jungen Menschen zuständig und besucht diese in der Regel während drei Monaten täglich zu Hause. In einer Studie konnten wir zeigen, dass es zu Hause behandelten Kindern und Jugendlichen zwei Jahre später psychisch besser ging als jenen, die in der Klinik behandelt worden waren. Der Vorteil ist, dass zu Hause auch das Umfeld wie Familie oder Schule einbezogen werden kann. Inzwischen ist unser Angebot ein Teil der regulären Versorgung im Kanton Bern und soll weiter ausgebaut werden.»
Magazin uniFOKUS
Körperbilder
Dieser Artikel erschien erstmals in uniFOKUS, dem Printmagazin der Universität Bern. uniFOKUS beleuchtet viermal pro Jahr einen thematischen Schwerpunkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Aktuelles Fokusthema: Körperbilder. PLATZHALTER