Auf Beutefang mit Erschütterungen

Spinnen können ihre Beute mit speziellen Sinnesorganen orten, die selbst kleinste Erschütterungen wahrnehmen. Der Multimediabeitrag zeigt, wie sie diese zur Jagd nutzen – und das ganz ohne Netz.

Im zentralamerikanischen Regenwald sitzt eine Grosse Wanderspinne, lateinisch Cupiennius salei, auf einer Bananenpflanze und lauert auf Beute. Sie hat Glück: Nicht weit von ihr nähert sich eine Schabe. Diese bewegt sich zwar beinahe lautlos, dennoch nimmt die Spinne ihre Gegenwart durch die winzigen Untergrunderschütterungen wahr, die ihr Krabbeln verursacht.

Aus einer Entfernung von bis zu fast vier Metern registriert die Grosse Wanderspinne solche Untergrunderschütterungen. Dabei können sie zwischen unterschiedlichen Mustern unterscheiden: Ein grösserer Frequenzumfang und eine unregelmässige zeitliche Struktur der Erschütterungen nimmt die Spinne als Beutesignal wahr. Das Balzsignal eines männlichen Artgenossen weist hingegen eine regelmässige zeitliche Struktur und eher kleinen Frequenzumfang auf. Und Wind hat einen sehr kleinen Frequenzumfang, für welchen Spinnen eher unempfindlich sind.

Die Angaben auf den folgenden Grafiken basieren auf den Werken von Friedrich Barth.

Die Spinne nimmt die Erschütterungen über ihr sogenanntes Metatarsalorgan wahr. Das Organ besteht aus mehreren Schlitzsensillen und befindet sich an den Fussgelenken. In den Schlitzen hat es Membrane, die mit Nervenzellen verbunden sind. Bei Erschütterungen werden diese Membrane etwas komprimiert und lösen dadurch in den Nervenzellen Signalimpulse aus.

Sobald sich die Schabe in Reichweite von etwa fünf Zentimetern befindet, springt die Grosse Wanderspinne ihre Beute an und ergreift sie und lähmt sie mit einem Giftbiss. Die Zeitlupenaufnahme, die im Rahmen der Masterarbeit von Benjamin Eggs an der Universität Bern entstand, zeigt den Ablauf einer solchen Attacke.

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Quellenangaben

Barth, F. G. (2021). A spider in motion: facets of sensory guidance, Journal of Comparative Physiology A 207:239–255.; Barth, F. G. (2001). Sinne und Verhalten: aus dem Leben einer Spinne. Springer-Verlag Berlin Heidelberg.; Eggs et al. Hunting without a web: how lycosoid spiders subdue their prey. Ethology 121: 1166-1177.

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