Die Reise zum Jupiter beginnt

Es hat geklappt: Am Freitag, 14. April 2023 um 14:14 Uhr hob die Ariane 5-Rakete mit der Juice-Raumsonde vom Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guyana, ab. Nun beginnt die mehr als achtjährige Anreise zum Jupiter-System, wo die Weltraummission mit Technologie der Universität Bern unter anderem bei drei Eismonden nach Spuren von Leben suchen wird. Die Erleichterung über den geglückten Start am Public-Viewing-Anlass an der Universität Bern war gross.

Ivo Schmucki 14. April 2023

Am offiziellen «Juice Launch Anlass» an der Universität Bern am Donnerstag, 13. April 2023 mussten die beteiligten Forschenden und vielen interessierten Gäste noch eine leise Enttäuschung hinnehmen: der geplante Raketenstart am Donnerstag wurde aufgrund des schlechten Wetters am Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch Guyana, und der Gefahr eines Blitzeinschlags um einen Tag verschoben. Beim zweiten Versuch am Freitag, 15. April verlief alles nach Plan. Um 14:14 Uhr MESZ hob die Ariane 5-Rakete ab und beförderte seine Fracht, die Weltraumsonde Juice der europäischen Weltraumorganisation ESA, in den Weltraum. 

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Applaus im Publikum beim Public-Viewing-Event nach dem erfolgreichem Start!

Um 15:33 Uhr MESZ erfolgte die Bestätigung der ESA, dass die Abtrennung der Raumsonde von der Rakete erfolgreich war und sich die Solarpanels, welche die Sonde mit Energie versorgen, wunschgemäss entfaltet wurden. Nun begibt sich Juice auf die achtjährige Reise zum Jupitersystem. Dort wird Juice den grössten Planeten unseres Sonnensystems und drei seiner über 80 Monde erforschen: die Eismonde Ganymed, Kallisto und Europa. An Bord von Juice befinden sich zehn wissenschaftliche Instrumente. Die Universität Bern trägt das Massenspektrometer NIM (welches Teil des Particle Environment Package PEP ist) zur Mission bei und ist an zwei weiteren Instrumenten beteiligt: Dem Submillimeter Wave Instrument SWI und dem Laser Altimeter GALA. 

Die Erleichterung über den geglückten Start bei den beteiligten Forschenden und beim Publikum des Live-Stream-Events am Freitag an der Universität Bern war gross. Der Raketenstart wurde mit grossem Applaus gefeiert. Bereits am Vortag hatten viele Gäste den «Juice Launch Anlass» zum geplanten Start mit verschiedenen Vorträgen besucht.

Impressionen vom Juice Launch Anlass am 13. April 2023 an der Universität Bern

Nicolas Thomas begrüsste das Publikum am Launch Anlass. Unter seiner Leitung wurde das ‘Range Finder Module’ für das Laser Altimeter GALA entwickelt, das die Topographie von Ganymed untersuchen wird. © Universität Bern
Valérie Koller vom Swiss Space Office SSO sprach am Launch Anlass über die Schweiz als Weltraumnation mit langer Tradition und als Gründungsmitglied der ESA. © Universität Bern
Peter Wurz, Direktor des Physikalischen Instituts, sagte über die Reise zum Jupiter «In rund 8 1/2 Jahren sind wir beim Jupiter. Gravitationell gesehen müssen Sie die ganze Zeit bergauf laufen.» © Universität Bern
Beim einem Besuch an der Universität Bern erhielten Schulklassen die Gelegenheit, Fragen zur Juice-Mission stellen. Peter Wurz, Direktor des Physikalischen Instituts, beantwortete die Fragen im Rahmen des Juice Launch Anlasses. © Universität Bern
Ingenieurin Martina Föhn erklärte die Funktion des NIM-Instruments, das an der Universität Bern entwickelt und gebaut wurde. Martina Föhn war bis Ende 2022 am Physikalischen Institut, Abteilung Weltraumforschung und Planetologie, tätig. © Universität Bern
Liveschaltung nach Kourou am Launch Anlass: Audrey Vorburger (links), Deputy Co-Principal Investigator von PEP und Staatssekretärin Martina Hirayama (rechts) zum verschobenen Raketenstart: «Die Juice-Mission dauert 8 Jahre - wir können auch noch einen Tag länger warten.»

Impressionen vom Public Viewing des Raketenstarts am Freitag, 14. April 2023 an der Universität Bern

Das Publikum hofft auf einen erfolgreichen Start. © Universität Bern
Peter Wurz, Direktor des Physikalischen Instituts, moderierte den Live-Stream des Raketenstarts. © Universität Bern
Nach dem Lift-off wurde mit einem «Juice» angestossen. © Universität Bern
Nach dem Lift-off wurde mit einem «Juice» angestossen. Im Vordergrund ein Modell der Juice-Raumsonde. © Universität Bern
In der Wandelhalle des ExWi-Gebäudes waren Modelle und Informationen zur Juice-Mission ausgestellt. © Universität Bern

Die Universität Bern fliegt zum Jupiter

Unter der Leitung von Peter Wurz ist das Neutral and Ion Mass Spectrometer (NIM) am Physikalischen Institut der Universität Bern entwickelt und gebaut worden. Dieses ist Teil des ‘Particle Environment Package’ (PEP), welches aus sechs unterschiedlichen Spektrometern besteht. Das Massenspektrometer NIM wird die chemische und isotopische Zusammensetzung und Verteilung der Teilchen in den Atmosphären von Jupiters Eismonden sowie die physikalischen Parameter dieser Atmosphären untersuchen.

Das Institut für Angewandte Physik hat unter der Leitung von Axel Murk die Optik und die Kalibrationseinheit für das Submillimeter Wave Instrument (SWI) entwickelt. Im Herbst 2020 wurde die Optik für das SWI am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung integriert und getestet. Das SWI wird die Stratosphäre von Jupiter sowie die Atmosphären und Oberflächen von Jupiters Eismonden vermessen. Anstelle von sichtbarem Licht, wird das Instrument die thermische Strahlung von Jupiters Stratosphäre in Submillimeterwellenlängen messen, um die Temperaturverteilung, die Zusammensetzung und die Winde in der Atmosphäre zu ermitteln. Zusätzlich werden die Atmosphären sowie die Oberflächeneigenschaften der Monde untersucht.

Ebenfalls an Bord von Juice ist das Laser Altimeter GALA, für welches am Physikalischen Institut unter der Leitung von Nicolas Thomas das sogenannte ‘Range Finder Module’ entwickelt wurde. GALA wird die Topographie von Ganymed untersuchen.

Video zu den Berner Instrumenten: https://youtu.be/s3H10usRzJU

Mehr Informationen zur Juice Mission / Universität Bern: https://www.unibe.ch/juicelaunch

 

Förderung durch das SBFI / Abteilung Raumfahrt

Der Bund beteiligt sich an der JUICE Mission im Rahmen des PRODEX-Programms (PROgramme de Développement d'EXpériences scientifiques) der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Über dieses Programm können national Beiträge für Wissenschaftsmissionen durch Projektteams aus Forschung und Industrie entwickelt und gebaut werden. Dieser Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Industrie verschafft dem Werkplatz Schweiz letztlich auch einen strukturellen Wettbewerbsvorteil – und er ermöglicht, dass Technologien, Verfahren und Produkte in andere Märkte einfliessen und so einen Mehrwert für unsere Wirtschaft erbringen.

MEDIENMITTEILUNG

Die Universität Bern ist bei Jupiter-Mission mit an Bord

Die Weltraummission Juice der europäischen Weltraumorganisation ESA wird am 13. April 2023 ihre Reise zum Jupiter antreten und dort unter anderem bei drei Eismonden nach Spuren von Leben suchen. Die Universität Bern steuert das Massenspektrometer NIM zur Mission bei, und ist an zwei weiteren Instrumenten beteiligt: Dem Submillimeter Wave Instrument SWI und dem Laser Altimeter GALA. 

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