19.05.2022 | Universität | Geist & Gesellschaft

Vernetzung unter Uni-Angehörigen

Am 17. Mai beging die Universität Bern zum ersten Mal den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT). Beim öffentlichen Anlass wurden Forschungsergebnisse aus dem Schweizer LGBTIQ+ Panel präsentiert und über die Situation von LGBTIQ+-Personen an der Universität Bern diskutiert.

Von Emilie Casale und Gaia Fortunato

«Wir wollen zeigen, dass an der Universität Bern Raum ist für Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen und verschiedenen Voraussetzungen“, begrüsste Vizerektorin Silvia Schroer die zahlreich erschienenen Anwesenden. Es war das erste Mal, dass Interessierte anlässlich des Internationalen Tags gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) an der Universität Bern zu einem Podium mit anschliessendem Vernetzungsapéro zusammengekommen sind.

Sorgfältige Outing-Abwägungen

Anschliessend stellten die beiden Verfasserinnen des Schweizer LGBTIQ+Panels die Resultate ihrer Studie vor. Dabei handelt es sich um eine Längsschnittstudie, welche die Situation von LGBTIQ+-Personen (englisch für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere Personen) in der Schweiz jährlich seit 2019 erfasst, wie Dr. Léïla Eisner von der Universität Lausanne ausführte. Dr. Tabea Hässler von der Universität Zürich präsentierte die aktuellen Ergebnisse aus dem Abschlussbericht 2021.

«Das Schweizer LGBTIQ+ Panel hält fest, dass sich auch 2021 nur eine von drei Personen, die einer sexuellen Minderheit angehören, am Arbeitsplatz oder an der Universität outen», so Tabea Hässler. Bei Angehörigen geschlechtlicher Minderheiten sei es sogar nur eine von drei Personen. «Das bedeutet», so Tabea Hässler, «dass ein Outing sorgfältig abgewogen wird». Die Studie zeige weiter, führte Tabea Hässler aus, dass die Hälfte der Menschen, welche einer geschlechtlichen Minderheit angehören, bereits Diskriminierung an Schweizer Universitäten erlebt haben. Dazu gehörten laut Hässler vor allem strukturelle Hürden, etwa bei der Änderung des Geschlechtseintrags von non-binären Personen. Sie betonte, dass es hier noch Raum für Verbesserungen gebe.

Im Video, das im Rahmen des IDAHOBIT-Tages entstanden ist, erzählt Professor Crispin Thurlow von seiner positiven Aufnahme an der Universität Bern.  

Hier das Videostatement von Crispin Thurlow

Grundproblematik des fehlenden Wissens

Nach der Vorstellung der Panel-Ergebnisse diskutierten in einem Podiumsgespräch Prof. Dr.  Patricia Purtschert (Co-Leiterin des Berner IZFG), der Berner Student Sandro Niederer (Mitglied der Gruppierung der «queerstudents») sowie Tabea Hässler mit über 100 Personen im Publikum über persönliche Erfahrungen an der Universität. «Ich erlebe es so, dass wir als queere Identitäten in der Wissenschaft nicht existieren», meinte Sandro Niederer. Im Bereich der inklusiven Lehre und Forschung bewege sich einiges, sagte Patricia Purtschert. Es gebe jedoch auch noch zu tun, da ein grosser Teil der Forschung cis-heteronormativ (= postuliert die Heterosexualität sowie die binäre Geschlechterordnung als soziale Norm) geprägt sei.

«Für viele LGBTIQ+ Personen ist der Weg an und durch die Universität schwer und mit Hürden verbunden», so Sandro Niederer, weshalb es umso wichtiger sei, dass die Universität als ganze Institution für LGBTIQ+ einstehe. Eine Grundproblematik sieht Patricia Purtschert in fehlendem Wissen: «Oft ist bei den Dozierenden oder den administrativen Stellen wenig Wissen über LGBTIQ+-Themen und -Hürden vorhanden. Dieses wäre jedoch wichtig, damit man die Mehrarbeit für Menschen, die Diskriminierung erleben, verringern kann.»

Unter reger Anteilnahme aus dem Publikum, das hauptsächlich aus Uni-Angehörigen bestand, wurden Möglichkeiten diskutiert, wie die Universität Bern noch inklusiver gestaltet werden könnte. Auch am Netzwerk Apéro, das die Veranstaltung abschloss, wurde weiter angeregt diskutiert.

LGBTIQ+ an der Uni Bern

Erfahren Sie mehr zu LGBTIQ+ an der Universität Bern auf der Überblicksseite zum Thema.

Mehr Informationen

Abteilung für Gleichstellung

Die Universität Bern setzt sich für ein offenes und respektvolles Arbeits- und Studienklima ein. Sie ergreift Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung von LGBTIQ+ Menschen. Die Abteilung für Gleichstellung bietet Beratungen an und koordiniert die universitären Massnahmen.

Mehr Informationen

Schweizer Queerstudents

Die Schweizer LGBTIQ+-Gruppierung „queerstudents“ bietet eine Plattform für Studierende. Die Gruppe organisiert Treffen verschiedenster Art und setzt sich auch für LGBTIQ+-Anliegen an der Universität Bern ein.

SUB

Die Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) setzt sich dafür ein, dass alle Menschen frei von Diskriminierung an der Uni Bern studieren können. Sie bietet zusätzlich Tipps, Tricks und Links für LGBTIQ+ Personen im Unialltag.

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LGBTIQ+-Panel

Das Schweizer LGBTIQ+-Panel ist eine Längsschnittstudie, welche die Situation von LGBTIQ+-Personen (englisch für lesbische, schwule, bisexuelle, trans, intergeschlechtliche und queere) Personen in der Schweiz jährlich erfasst. In diesem Jahr liegt der Fokus auf den Erahrungen von LGBTIQU+-Personen am Arbeitsplatz, an der Universität und an der Schule, und wo LGBTIQU+-Personen Diskriminierung und Unterstützung erfahren. Die vierte Panelbefragung mit Schwerpunkt auf den Universitäten ist eben gestartet.

Zur Befragung des Schweizer LGBTIQ+ Panels

Zu den Autorinnen

Emilie Casale und Gaia Fortunato sind Mitarbeiterinnen der Abteilung für Gleichstellung der Universität Bern.