03.01.2022 | Forschung | Umwelt & Materie

Anpassen an den Temperaturanstieg unseres Planeten

Der Biochemiker Rodrigo Siqueira Reis untersucht die Funktionsweise von RNA-Strukturen bei der Anpassung von Pflanzen an höhere Temperaturen. Ziel ist ein besseres Grundverständnis dafür zu erlangen, wie sich Pflanzen an die Bedingungen des Klimawandels anpassen.

Interview: Maura Widmer

Die Förderinstrumente Eccellenza und PRIMA des Schweizerischen Nationalfonds SNF ermöglichen hochqualifizierten Forschenden, ihre Projekte im Rahmen einer Assistenzprofessur an einer Schweizer Universität umzusetzen. In einer Serie von Interviews stellen wir sechs neu ausgezeichnete Forschende und ihre Projekte vor.

Sie haben eine «Eccellenza Professorial Fellowship» vom Schweizerischen Nationalfonds empfangen. Was bedeutet es für Sie, dieses Forschungsstipendium zu erhalten?
Das Stipendium ist hart umkämpft, denn es bietet eine gute Unterstützung für einen neuen Forschungsgruppenleiter beim Aufbau einer unabhängigen Forschungsgruppe. Für mich war der Erhalt des Eccellenza-Stipendiums eine wichtige Bestätigung meiner Arbeit und des vorgeschlagenen Projekts. Das gibt mir die Zuversicht, dass das Team, das ich bei Universität Bern leiten werde, auf dem richtigen Weg zu relevanten Entdeckungen sein wird.

Sie wurden vom SNF für Ihr Forschungsprojekt «Wahrnehmung und Anpassung von Pflanzen an erhöhte Temperaturen durch Veränderungen in der RNA-Struktur» ausgewählt. Worum geht es in dem Projekt?
Meine Arbeit hat sich immer darauf konzentriert zu verstehen, wie RNAs, also Ribonukleinsäuren, funktionieren. Die meisten von uns wissen, dass RNAs von Genen in der DNA codiert werden und dass RNAs Proteine codieren können. RNAs sind Moleküle, die sich auch zu Strukturen falten können, und wir wissen erst seit kurzem, was diese Strukturen bewirken. Es ist jedoch bereits klar, dass RNA-Strukturen dynamisch sind und neben vielen anderen Prozessen auch die Proteinsynthese regulieren können.

Meine Gruppe wird die Rolle von RNA-Strukturen bei der Anpassung von Pflanzen an höhere Temperaturen untersuchen. Pflanzen sind täglich und jahreszeitlich bedingt Temperaturschwankungen ausgesetzt. Die Temperatur ist eine wichtige Determinante der RNA-Strukturen. Es ist möglich, dass die Evolution RNA-Strukturen ausgewählt hat, die für die Anpassung von Pflanzen an erhöhte Umwelttemperaturen wesentlich sind.

Weshalb haben Sie die Universität Bern für Ihr Eccellenza-Projekt gewählt?
Die Universität Bern ist ein zentraler Knotenpunkt in der Schweiz für die Erforschung von RNAs. Am Institut für Pflanzenwissenschaften IPS wird mein Labor in ein sehr dynamisches und spannendes Umfeld eingebettet sein, das uns dabei helfen wird, unsere Arbeit auf breiter Basis zu gestalten.

Worin besteht die gesellschaftliche Relevanz Ihres Projekts?
Mein Forschungsprojekt hat das Potenzial, wichtige Methoden aufzudecken, mit denen sich Pflanzen an wärmere Umgebungen infolge des Klimawandels anpassen und überleben. Dieses Wissen wird für ein besseres Verständnis der grundlegenden Pflanzenbiologie entscheidend sein und könnte uns helfen, Pflanzen zu züchten, die besser an unseren sich erwärmenden Planeten angepasst sind.

Über Rodrigo Siqueira Reis

Dr. Rodrigo Siqueira Reis promovierte 2015 in Sydney, Australien, in Molekularbiologie. Danach zog er in die Schweiz, wo er als Postdoc an der Universität Lausanne (2015-2020) die Rolle der RNA-Struktur bei der Translationsregulation untersuchte. Reis wird 2022 als Eccellenza-Assistenzprofessor an die Universität Bern die Anpassung von Pflanzen an erhöhte Temperaturen erforschen, wobei er sich auf die Rolle von RNA-Strukturen konzentriert.

SNF Eccellenza Professorial Fellowships

SNSF Eccellenza Professorial Fellowships richten sich an hoch qualifizierte Forschende, die eine permanente Professur anstreben. Eccellenza ermöglicht ihnen, ihr Ziel als Assistenzprofessorin oder Assistenzprofessor mit einem grosszügig ausgestatteten Forschungsprojekt unter ihrer Leitung und einem eigenen Team an einer Hochschule in der Schweiz zu erreichen. Eccellenza deckt das Salär der Beitragsempfängerin oder des Beitragsempfängers auf dem Niveau einer lokalen Assistenzprofessur und Projektmittel von bis zu 1'000'000 Franken für fünf Jahre ab. Im Jahr 2021 wurden vom Eccellenza-Programm vier Forschende an der Universität Bern ausgewählt.

SNF PRIMA

PRIMA-Beiträge richten sich an hervorragende Forscherinnen, die ein hohes Potenzial für eine Professur aufweisen. PRIMA-Beitragsempfängerinnen sind mindestens auf dem Niveau einer Gruppenleiterin angestellt und führen ein Forschungsprojekt mit einem eigenen Team an einer Schweizer Forschungsinstitution durch. Ein PRIMA-Beitrag umfasst das Salär der Beitragsempfängerin sowie Projektmittel für eine Dauer von fünf Jahren. Während des PRIMA-Beitrags ist es möglich, einen Aufenthalt an einer anderen Institution zu planen. Mit diesem kompetitiven Beitrag profilieren sich die PRIMA-Beitragsempfängerinnen für die nächste Stufe ihrer akademischen Karriere: Eine Professur. Wird eine PRIMA-Beitragsempfängerin während der Beitragsdauer auf eine Professur berufen, können die verbleibenden Mittel an den neuen Arbeitsort transferiert werden. Im Jahr 2021 wurden vom PRIMA-Programm zwei Forscherinnen an der Universität Bern ausgewählt.

Zur Autorin

Maura Widmer ist Hochschulpraktikantin in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.