16.11.2021 | Universität |

«Die Kontrollen werden sehr positiv aufgenommen»

Welchen Aufwand die Universität Bern zum Schutz der Studierenden und Mitarbeitenden vor COVID-19 betreibt und wie es hinter den Kulissen der Zertifikatskontrolle aussieht, beschreiben Erich Zahnd und Simone Ita von der Abteilung Betrieb und Technik im Interview.

Interview: Maura Widmer

Erich Zahnd, wie hat sich der Berufsalltag in Ihrer Abteilung seit Beginn der Pandemie verändert?

Erich Zahnd: Der Alltag hat sich massiv verändert. Die Umsetzung der Schutzmassnahmen hat zu Beginn der Pandemie sehr viele Ressourcen in Anspruch genommen. Beispielsweise das Beschaffen der Desinfektionsmittelspender für alle Liegenschaften zu einer Zeit, in der es fast keine Desinfektionsmittel gab. Heute sind es vor allem der Testbetrieb und die Zertifikatskontrolle, die uns beschäftigen, und die unzähligen Fragen, die dazu täglich in der Mailbox eingehen.

Simone Ita, Sie leisten einen grossen Teil dieser pandemiebedingten Arbeit. Was sind Ihre Aufgaben?

Simone Ita: Gemeinsam mit einem Mitarbeiter und der Sicherheitsfirma VüCH habe ich die Teststellen aufgebaut. Nun sorgen wir dafür, dass der Testbetrieb reibungslos läuft. Dazu beantworten wir Fragen von Studierenden und Mitarbeitenden und kümmern uns darum, wenn das IT-System kurzzeitig nicht funktioniert. Wir beantworten auch Fragen zu den Zertifikats-Kontrollrundgängen und evaluieren immer wieder, was funktioniert und was nicht. Auch die Orte für die Zertifikatskontrolle beurteilen wir und überlegen, welche Orte noch hinzugenommen werden sollten. So haben wir beispielsweise kürzlich die Arbeitsplätze in den Bibliotheken neu aufgenommen.

Wer entscheidet, welche Schutzmassnahmen an der Universität Bern gelten?

Erich Zahnd: Der Krisenstab der Universität Bern. Der ist jedoch nicht frei in seinen Entscheidungen. Auch er muss Vorgaben umsetzen. Zu Beginn der Pandemie in der ausserordentlichen Lage waren dies Vorgaben des Bundesrates, nun müssen die Vorgaben des Kantons bestmöglich im Sinn der Uni umgesetzt werden. In den Prinzipien und Grundsätzen des Krisenstabs hat die Gesundheit einen sehr hohen Stellenwert, doch auch das Studium soll wie geplant beendet werden können.

Was wurde also vom Krisenstab beschlossen? Welche Aufwände betreibt die Universität Bern, um die Mitarbeitenden und Studierenden zu schützen?

Erich Zahnd: Zurzeit sind die kostenlosen Testmöglichkeiten für Uni-Angehörige und die Zertifikatskontrollen die wichtigsten Massnahmen. Auch die Handhygiene wird sehr ernst genommen, Desinfektionsmittel hat es überall und die Reinigung der Liegenschaften wurde hochgefahren.

Wie viel Personal braucht es dafür?

Erich Zahnd: Das Personal kommt nicht nur aus unserer Abteilung. Viele Leute aus verschiedensten Teilen der Universitätsverwaltung sind daran beteiligt, dass die Studierenden während der Pandemie weitgehend ungestört ihrem Studium nachgehen können. Auch die Informatik ist ein grosser Teil des Ganzen, das iLUB, also die Supportstelle für ICT-gestützte Lehre und Forschung zum Beispiel unterstützt im Bereich Lehre die Dozierenden direkt, aber auch uns mit Ideen und Inputs. In der Abteilung Betrieb und Technik gibt es zwei Personen, die ausschliesslich an Corona-Themen arbeiten. Weil allein die Teststellen und Kontrollen acht zusätzliche Leute beanspruchen, wurden Mitarbeitende einer externen Sicherheitsfirma angestellt.

Betreibt die Universität Bern genug Aufwand, um die Leute zu schützen?

Erich Zahnd: Sparen hat sicher keine Priorität in dieser Zeit der Pandemie. So hat die Uni beispielsweise nie Selbsttests oder Schnelltests an den Teststellen in Erwägung gezogen, sondern nur die zuverlässigeren PCR-Tests. Komplexe, aufwändige Softwarelösungen wurden eingesetzt, damit die Leute sich einfach mit ihrer Unicard zum Testen registrieren können. Meiner Meinung nach ist man diese Sorgfalt der Gesellschaft auch schuldig als Universität. Viel mehr Aufwand zu leisten wäre schwierig, dieser muss ja auch noch zu handhaben sein.

Simone Ita: Genau, der Fokus der Uni liegt auf der Gesundheit. Natürlich ist es auch wichtig, dass die Lehre relativ reibungslos läuft. Bei einer Kontrolle von jedem einzelnen Zertifikat vor einer Lehrveranstaltung mit vielen Studierenden würde es beispielsweise lange Wartezeiten geben. Würden die Kontrolleurinnen und Kontrolleure während den Vorlesungen auftauchen, würde die Lehre gestört und die Studierenden abgelenkt. Aus diesem Grund gibt es Stichprobenkontrollen.

Die Universität Bern hat drei Teststationen eröffnet. Wie rege werden die Testangebote genutzt?

Simone Ita: Die werden genutzt. Da die Auslastung jedoch nicht bei hundert Prozent ist, haben wir gemeinsam mit der Sicherheitsfirma VüCH ein effizientes System entwickelt. An Tagen mit weniger Testanmeldungen bilden die Sicherheitspersonen von den Teststellen Teams und machen zusätzliche Zertifikatkontrollrundgänge.

Laufen die Kontrollen friedlich ab?

Simone Ita: Die Kontrollen werden sehr positiv aufgenommen, die Reaktionen darauf sind gut. Nicht nur die Studierenden schätzen die Kontrollen, auch die Mitarbeitenden sind froh darum. So beispielsweise die Mitarbeitenden der Bibliothek, die sich freuen, dass die Lernplätze in den Kontrollplan aufgenommen wurden.

Von September bis November wurden täglich zwischen ein und zwei Prozent der Universitätsangehörigen kontrolliert. Seither wurde die Zahl auf bis zu fünf Prozent erhöht. Dazu gibt es also Kontrollpläne?

Simone Ita: Es gibt einen Plan, der zur Unterstützung dient. Die Kontrollierenden wissen, wo und wann Vorlesungen stattfinden und orientieren sich daran, wo sich viele Studierende aufhalten. Es würde keinen Sinn machen, wenn sie in einem beinahe leeren Gebäude patrouillieren, nur weil der Plan es sagt. Der Plan sorgt dafür, dass keine Liegenschaft vergessen geht und die Präsenz überall wahrgenommen wird. Es soll keine Regelmässigkeit geben, denn dann könnten Orte mit Zertifikatskontrolle gezielt gemieden werden.

Wo finden die Stichproben-Kontrollen statt?

Simone Ita: Zum Beispiel am Eingang von Lehrveranstaltungen. Manchmal werden dann mehr als die vorgegebenen zwei bis fünf Prozent kontrolliert, da es oft so ist, dass die Studierenden ihr Zertifikat und den Ausweis automatisch hervornehmen, wenn sie die Kontrolle bemerken. Die Mensen und Aufenthaltsräume werden auch kontrolliert. Dort gibt es Studierende, die eigenes Essen mitbringen und dementsprechend nicht an der Kasse dem Mensapersonal ihr Zertifikat zeigen müssen. Ansonsten wird auch überprüft, dass die Leute im Innenbereich eine Maske tragen.

Was geschieht, wenn eine Person an der Universität kontrolliert wird und kein Zertifikat vorweisen kann?

Erich Zahnd: Die Personalien werden aufgenommen und dann kommt der Fall zur Fachstelle Risikomanagement. Dieses ermahnt die betroffene Person schriftlich hinsichtlich der Zertifikatspflicht. Beim zweiten Vergehen kommt der Fall zum Generalsekretariat und zum Rechtsdienst. Weitere Schritte werden dann eingeleitet, wobei jeder Fall individuell betrachtet wird. In Extremfällen kann eine mehrfache, absichtliche Missachtung der Zertifikatspflicht für Mitarbeitende zur Entlassung und für Studierende zur Exmatrikulation führen.

Simone Ita: Unserer Erfahrung nach reagieren die Leute auch mit Verständnis, wenn sie wegen einem fehlenden Zertifikat von der Lehrveranstaltung weggewiesen werden, und verlassen den Ort ohne Widerstand.

Erich Zahnd: Bei uns können die Studierenden im Testcenter den kostenlosen Spucktest machen, welcher viel angenehmer ist als der Nasen-Rachen Test. Dies führt sicher zu einer tieferen Hemmschwelle, sich testen zu lassen und dann ein Zertifikat zu erhalten.

In den Gebäuden und Lehrveranstaltungen gilt Maskenpflicht. Wieso ist die Zertifikatspflicht trotzdem wichtig für die Universität Bern?

Erich Zahnd: Mit der Zertifikatspflicht können die Hörsäle komplett gefüllt werden. Ohne Zertifikatspflicht dürften sie nur zu zwei Dritteln der Kapazität belegt werden. Das funktioniert an einer Uni mit unserem Wachstum nicht. Eine Lehre in Präsenz wäre ohne Zertifikatspflicht nicht möglich. In öffentlich zugänglichen Innenräumen gilt nach wie vor Maskenpflicht als zusätzliche Sicherheitsmassnahme. Die Vorlesungen können so im ordentlichen Rahmen stattfinden und niemand wird aussen vor gelassen. Testen ist ja gratis bei uns.

Über Erich Zahnd und Simone Ita

Erich Zahnd ist seit dem 1. November 2016 Leiter der Abteilung Betrieb und Technik der Universität Bern. Simone Ita ist Mitarbeiterin der Universität Bern. Sie ist für Aufgaben im Bereich Corona zuständig.

Über die Abteilung Betrieb und Technik der Universität Bern

Die Abteilung Betrieb und Technik ist verantwortlich für den effizienten und wirtschaftlichen Gebäudebetrieb (betrieblich, technisch und sicherheitstechnisch) aller durch die Universität Bern genutzten Liegenschaften und Gebäudeteile.

Über den Krisenstab der Universität Bern

Der Krisenstab ist das ordentliche Koordinations- und Entscheidungsgremium in Krisensituationen. Seine Zusammensetzung und Zuständigkeiten sind im offiziellen Krisenhandbuch der Universitätgeregelt. Darin finden sich auch die Grundlagen zum Alarmierungsverfahren sowie für die Benutzung von räumlicher und technischer Infrastruktur.

Zur Autorin

Maura Widmer ist Hochschulpraktikantin in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.