15.11.2019 | Universität |

Zukunftstag: Mädchen können alles werden. Jungs auch!

Mädchen lernten einen Serverraum oder die Aufgaben einer Professorin kennen, Jungs versuchten sich als Kinderbetreuer oder als Bibliothekare: 275 Jugendliche wurden am nationalen Zukunftstag an der Uni Bern willkommen geheissen.

Von Alessandra Widmer

Am Morgen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der Abteilung für Gleichstellung (AfG), die den Zukunftstag an der Uni Bern organisiert und koordiniert, in der UniS empfangen – für viele Kinder das erste Mal, dass sie einen Hörsaal von innen sahen. «Als die Universität Bern 1834 gegründet wurde, hatte sie ungefähr gleich viele Studenten, wie ihr heute Mädchen und Jungs in diesem Raum seid», begannen Alessandra Widmer und Lilian Fankhauser ihre Einführung in die Welt der Wissenschaft und Universität.

Die Kinder nahmen an der Einführung in die Welt der Wissenschaft und Universität in der UniS teil. Alle Bilder: © Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Universität Bern
Die Kinder nahmen an der Einführung in die Welt der Wissenschaft und Universität in der UniS teil. Alle Bilder: © Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Universität Bern
Einführung von Alessandra Widmer (stehend) und Lilian Fankhauser von der AfG.
Einführung von Alessandra Widmer (stehend) und Lilian Fankhauser von der AfG.

Jungs forschen über die Berufswahl

Für eine Gruppe von Jungen führte anschliessend der Weg ins Spezialprogramm «Ein Morgen als Forscher – Die Berufswahl unter der Lupe.», eines von 32 Angeboten. Dort lernten die Buben mehr über die Vielfalt der über 2600 Berufe, die in der Schweiz ausgeübt werden, und führten gleich eine eigene kleine Studie dazu durch: Sie befragten Leute auf der Strasse zu deren Berufswahl und Karriere. Die Forscher in spe fanden heraus: Viele jüngere Passantinnen und Passanten arbeiten auch in Berufen, die für ihr Geschlecht nicht typisch sind – und sind glücklich damit.

Mädchen verbringen einen Tag als Chefin

Zur gleichen Zeit besuchten an der Uni Mittelstrasse sechs Mädchen die Musikwissenschaftsprofessorin Cristina Urchueguía. Im Rahmen des Programms «Ein Tag als Chefin» öffneten dieses Jahr zum ersten Mal verschiedene Frauen in Führungspositionen ihre Büro- und Labortüren an der Universität Bern. «Ich habe sie gefragt, wie man Professorin wird», berichtet Charlotte, die für die Schule noch ein Interview mit «ihrer» Chefin machte. «Ich weiss noch nicht genau, was ich werden will, es gibt so viele spannende und coole Berufe.»

Neue Einblicke und Eindrücke

Der Zukunftstag löst bei den teilnehmenden Kindern neue Gedanken zur eigenen Berufs- und Studienwahl aus. «Der Kristall, den wir in der Geologie gemacht haben, war das Eindrücklichste heute», sagt zum Beispiel Nils. Seit er aber die drei Millionen Bücher im Archiv der Universitätsbibliothek gesehen hat, kann er sich auch gut vorstellen, Bibliothekar zu werden – auch wenn man dort vielleicht nicht so viel verdient wie in anderen Berufen. Denn: «Der Job muss schon auch Spass machen.» Leila weiss noch nicht genau, was sie einmal werden möchte, hat jedoch bereits beobachtet: «Jungs machen eher Bauberufe.» «Aber früher war das noch viel mehr so», ergänzt ihre Freundin.

Neben dem neu durchgeführten Spezialprogramm «Ein Tag als Chefin» gab es dieses Jahr an der Universität Bern zum ersten Mal auch eine interaktive Vorlesung, in der die Kinder Menschen kennenlernten, die in Berufen arbeiten, in denen ihr Geschlecht untervertreten ist.

NATIONALER ZUKUNFTSTAG

Das Ziel des Nationalen Zukunftstags ist die Förderung der offenen geschlechterunabhängigen Berufs- und Lebensplanung von Schülerinnen und Schülern. Am Zukunftstag öffnen Hunderte von Betrieben, Organisationen, Berufsfachschulen und Hochschulen in der ganzen Schweiz ihre Türen. Mädchen und Jungen der 5. bis 7. Klasse sind eingeladen, Bezugspersonen an die Arbeit zu begleiten oder an spannenden «Spezialprojekten» teilzunehmen.

ABTEILUNG FÜR DIE GLEICHSTELLUNG VON FRAUEN UND MÄNNERN

Die Universität Bern bekennt sich zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie fördert mittels effektiver Gleichstellungsinstrumente und Karrieremodelle den Erfolg von Frauen und Männern im Wissenschaftsbetrieb. Die Universität Bern verfügt deshalb über eine Kommission sowie eine Abteilung für Gleichstellung. Die Abteilung für Gleichstellung (AfG) der Universität Bern bietet zu diesem Zweck verschiedene Kurse, Workshops, Mentoringprogramme, Coachings und Beratung an.

Zur Autorin

Alessandra Widmer von der Abteilung für Gleichstellung (AfG) ist Koordinatorin des Zukunftstags an der Universität Bern.