22.11.2019 | Universität |

Stolz auf die engagierte Studierendenschaft

Der universitäre Gleichstellungspreis Prix Lux geht 2019 an die Studierendenschaft der Universität Bern (SUB). Bereits seit den 1980er Jahren widmet die SUB der Gleichstellung ein eigenes Ressort – und das Engagement für Chancengleichheit und Diversität hat seitdem stetig zugenommen.

Von Karin Beyeler

Vizerektorin Silvia Schroer begrüsste am 20. November 2019 zur Preisverleihung des Prix Lux. Als Mitglied der Prix Lux-Jury berichtete sie, dass dieses Jahr wieder eine breite Palette an Nominationen für den Preis eingegangen sei.

Entsprechend hatte die Jury keine leichte Aufgabe, aus den zahlreichen preiswürdigen Nominationen die eine für die Auszeichnung auszuwählen.

Konstanz und Vielseitigkeit

«1834 wurde die Universität Bern gegründet, genau 91 Jahre später, also 1925 wurde die SUB gegründet, und nochmals 94 Jahre später erhält die SUB den Prix Lux für ihr Engagement in der Gleichstellung», eröffnete Rektor Christian Leumann seine Laudatio an die SUB. Er betonte das langjährige Engagement der SUB für die Gleichstellung, das sich in einem sehr breiten Spektrum bewege. So setze die SUB klassische Gleichstellungsmassnahmen wie zum Beispiel das Mentoringprogramm «womentoring» um, das mithelfe, die Löcher in der Pipeline der akademischen Karriere zu stopfen, wo viele Frauen verloren gingen.

Die SUB engagiere sich aber auch für Gleichstellungsmassnahmen, die sich ausserhalb der traditionellen Bereiche Elternschaft oder Karriereförderung bewegen, etwa mit ihrer Beteiligung an der Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern oder dem Projekt «offener Hörsaal». Dieses Projekt ermöglicht es geflüchteten Menschen, während eines Semesters als Gasthörerinnen oder Gasthörer Veranstaltungen an der Universität Bern zu besuchen, wobei sie von Berner Studierenden begleitet werden.

«Das sind viele wichtige, gute, schöne Aktionen», sagte Christian Leumann. Trotz häufiger personeller Wechsel im SUB-Vorstand würden die Gleichstellungsbemühungen kontinuierlich weiterverfolgt, das Engagement für die Gleichstellung sei eine Konstante in der Arbeit der SUB. Dabei greife die SUB auch neue, teils heikle Themen auf und setze sich aktiv mit ihnen auseinander. «Die Universität Bern kann stolz sein auf ihre engagierte Studierendenschaft», so der Rektor. Er betonte abschliessend, dass er sich – trotz teils unterschiedlicher Ansichten – immer auf den bereichernden Austausch mit der Studierendenschaft freue.

Von der Studentenschaft zur Studierendenschaft

Nachdem die SUB – repräsentiert durch den aktuellen Vorstand sowie ein ehemaliges Vorstandsmitglied – den Prix Lux entgegengenommen hatte, begann sie ihre «Carte blanche» mit einer kurzen Geschichte: Drei Studierende entdecken in einem Gespräch bei reichlich Bier ihre gemeinsame Motivation für einen Kampf für eine farbige Realität «mit ganz viel Glitter». Der SUB-Vorstand, an der Preisverleihung vertreten durch drei Männer und drei Frauen, verdeutlichte am Rednerpult auch optisch, was mit gelebter Gleichstellung gemeint ist: Ein junger Mann, der sich mit grosser Selbstverständlichkeit für eine geschlechtergerechte Sprache einsetzt oder eine junge Frau, die faire Arbeitsbedingungen und bessere Vereinbarkeit von Studium und Beruf fordert und dabei tatkräftig von einem Kind unterstützt wird, das den Redezettel hält. Nächstes Jahr gebe es die SUB seit 95 Jahren – in den ersten 50 Jahren habe Gleichstellung keine grosse Rolle gespielt, in den letzten 50 hingegen sehr.

Der Wandel zeige sich im Wechsel des Namens der SUB: Aus der «Studentenschaft» wurde die «StudentInnenschaft» und 2018 schliesslich die «Studierendenschaft», um nicht-binäre Personen nicht auszuschliessen. Die SUB habe in der Exekutive wie auch in der Legislative Geschlechterquoten eingeführt, und diese zeigten Wirkung: Den Vorstand teilen sich aktuell vier Frauen und drei Männer. Dass die SUB Gleichstellung grossschreibt, zeige sich beispielsweise in ihrer Verwendung einer konsequent geschlechtergerechten Sprache. Mit dem Gender-Sternchen wolle sie sicherstellen, dass sich auch nicht-heterosexuelle, nicht-binäre oder Transpersonen von ihren Texten angesprochen fühlen.  

Genau hinschauen

2019 sei für die Gleichstellung in der Schweiz ein spezielles Jahr gewesen, so auch für die SUB, die sich mit der Organisation eines vielseitigen Programms auf der Grossen Schanze am Nationalen Frauenstreik vom 14. Juni beteiligt hat. Im Nachgang des Frauenstreiks wurden dem Rektor im Oktober zehn Forderungen zur Gleichstellung überreicht, unterzeichnet von rund 2000 Studierenden. Sie forderten unter anderem griffigere Massnahmen gegen sexuelle Belästigungen, eine angemessene Vertretung von Frauen in der Universitätsleitung und anderen Führungspositionen oder Massnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Studium. Die SUB sei nun gespannt, was weiter passiere und sie werde die Universitätsleitung weiter beobachten, schliesst Valentina Achermann, ehemaliges SUB-Vorstandsmitglied. «Ganz genau hinschauen», das sei schliesslich auch die Aufgabe der SUB.

PRIX LUX

Der Gleichstellungspreis der Universität Bern «Prix Lux» prämiert Engagement für die Chancengleichheit. Für den Preis nominiert werden können Personen oder Einheiten, die sich für die Gleichstellung im Bereich «Gender und Diversität» an der Universität Bern engagieren. Die dabei angewandten Massnahmen sollen eine Diskussion zu Gleichstellungsthemen anregen, innovativ, originell und nachhaltig sein sowie Transferpotential aufweisen. Die Preisverleihung fand am 20. November im Uni-Hauptgebäude statt. Die nächste Ausschreibung für den Preis erfolgt im Frühjahrsemester 2020.

Zur Autorin

Karin Beyeler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für die die Gleichstellung von Frauen und Männern und war Mitglied der Prix Lux-Jury.