09.08.2019 | Personen | Gesundheit & Medizin

Ein Berner ist «World Top Expert» für spezielle Immunzellen

Die Eosinophilen gehören zu den weissen Blutzellen und können Krankheitserreger unschädlich machen. Hans-Uwe Simon, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Dekan der Medizinischen Fakultät, wurde kürzlich zum «World Top Expert» für diese speziellen Immunzellen ernannt.

Interview: Nathalie Matter

Hans-Uwe Simon gehört zu den besten 0.1% Experten weltweit, die in den letzten zehn Jahren über Eosinophile (eine Gruppe weisser Blutzellen) geforscht haben. Dafür erhält er vom renommierten medizinischen Ranking-Institut Expertscape die Auszeichnung «World Top Expert». Expertscape bestimmt anhand der Qualität und Quantität wissenschaftlicher Publikationen auf einem medizinischen Gebiet die weltweit führenden Expertinnen und Experten – und publiziert diese Listen als unentgeltliche Dienstleistung für Patientinnen und Patienten, für Medienschaffende sowie für medizinische Fachpersonen und Spitäler. 

Uniaktuell: Herr Simon, herzliche Gratulation zur Auszeichnung als «World Top Expert» für Eosinophile. Was genau sind Eosinophile?
Hans-Uwe Simon: Eosinophile sind weisse Blutzellen, die bei allen Wirbeltieren vorkommen. Sie sind Bestandteile der unspezifischen Immunabwehr bei Mensch und Tier. Ihren Namen haben sie vom Farbstoff Eosin, mit dem man sie rötlich anfärben kann – Eos ist die griechische Göttin der Morgenröte.

Warum sind sie für unsere Immunabwehr wichtig?
Eosinophile wehren hauptsächlich Krankheitserreger ab – sie gehören zu den Wächtern des Immunsystems und können Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und Viren unschädlich machen. Zudem spielen sie eine Rolle in der Regulation von Entzündungen, bei der Antikörperproduktion, im Stoffwechsel und beim Heilen von verletztem Gewebe. Sie können aber auch selbst Krankheiten auslösen. Mit meiner Forschungsgruppe untersuche ich die funktionellen Eigenschaften der Eosinophilen.

Was erforschen Sie genau?
Uns interessieren die Mechanismen von Erkrankungen, bei denen diese Zellen beteiligt sind, wie zum Beispiel Asthma, Neurodermitis und eosinophile Speiseröhrenentzündung. Zudem beteiligen wir uns an Therapiestudien, in denen untersucht wird, wie neue Medikamente wirken. Ebenso erforschen wir die biologische Funktion von Eosinophilen, um herauszufinden, warum sie notwendig sind – und welche möglichen Gefahren lauern, wenn wir sie durch gezielte Therapien ausschalten.

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
Zum Beispiel entdeckten wir, dass eine verlängerte Lebenszeit der Eosinophilen wesentlich dazu beiträgt, damit sie sich in entzündetem Gewebe anhäufen. Als Erste beschrieben wir, wie Eosinophile Bakterien im Gewebe mittels Netzen einfangen und abtöten können. Ebenso erforschten wir, wie Eosinophile ihre eigenen toxischen Proteine regulieren können, so dass sie sich damit nicht selbst abtöten. Wir haben auch neue eosinophile Erkrankungen, die das blutbildende System betreffen, beschrieben und lebensbedrohlich sein können. Zudem charakterisierten wir die eosinophile Ösophagitis, bei der Eosinophile gemeinsam mit anderen weissen Blutzellen in die Speiseröhre einwandern, molekular und immunologisch. Ebenso haben wir gezielte Therapien, die spezifisch Eosinophile ausschalten, mitentwickelt.

Was fasziniert Sie an diesen Zellen?
Dass ihre Funktion und deren Bedeutung in der Evolution noch nicht geklärt sind. Zum Beispiel treten Eosinophile bei verschiedenen Erkrankungen gehäuft auf – etwa bei Allergien, Asthma, autoimmunen Erkrankungen und bei Tumorerkrankungen. Wir wissen aber nicht, wofür diese Zellen in der jeweiligen Situation vom Körper gebraucht werden. Es wird angenommen, dass es verschiedene Subgruppen von Eosinophilen gibt, die unterschiedliche Funktionen wahrnehmen. Neue Technologien werden es in naher Zukunft möglich machen, diese verschiedenen Untergruppen von Eosinophilen zu definieren.

Was bedeutet die Auszeichnung durch Expertscape für Sie?
Wir freuen uns, dass wir als eines der führenden Labors in der Welt auf diesem Gebiet gelten. Möglicherweise ziehen wir dadurch vermehrt gute junge Forscherinnen und Forscher an, die auf diesem Gebiet einen Beitrag leisten wollen. Wir stehen gern für weitere Kooperationen zur Verfügung!

Zur Person

Prof. Hans-Uwe Simon ist Direktor des Instituts für Pharmakologie und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bern.

Kontakt:

Prof. Dr. Dr. Hans-Uwe Simon
Universität Bern, Institut für Pharmakologie
hans-uwe.simon@pki.unibe.ch

Zur Autorin

Nathalie Matter arbeitet als Redaktorin bei Media Relations und ist Themenverantwortliche «Gesundheit und Medizin» in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.