20.09.2019 | Personen | Gesundheit & Medizin

«Bern ist bestens geeignet für die Präzisionsmedizin»

Am Mittwoch, 25. September 2019 wird Mark Rubin, Direktor des neu gegründeten Bern Center for Precision Medicine (BCPM), in der Vorlesungsreihe des Collegium generale das BCPM vorstellen. Das Thema der diesjährigen Vorlesungsreihe, «Erbgut editieren», ist ein zentraler Teil der Forschung am Zentrum für Präzisionsmedizin.

Von Nathalie Matter

Das Bern Center for Precision Medicine (BCPM) wurde von der Universität Bern und der Insel Gruppe mit Unterstützung des Kantons gegründet. Es hat zum Ziel, neue Medikamente und Methoden zu entwickeln, die Qualität der Behandlungen für Patientinnen und Patienten zu erhöhen und effizientere Therapien zu finden. Zudem soll es die nationale und internationale Position der Universität Bern und des Inselspitals auf dem Gebiet der Präzisionsmedizin stärken.

Die Präzisionsmedizin bezieht individuelle Merkmale wie genetische Prädisposition, Umweltfaktoren oder Lebensstil von Patientinnen und Patienten in die Behandlung mit ein. So können bestehende Therapien «massgeschneidert» werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden und bei teuren Behandlungen Kosten zu sparen.

Sieben Forschungsprojekte laufen schon

Seit der Eröffnung im Mai 2019 in Anwesenheit von Erziehungsdirektorin Christine Häsler sind nun 100 Tage vergangen. Was hat sich seither am BCPM getan? «Kurz gesagt: Vieles gleichzeitig», sagt Prof. Dr. Mark Rubin, Direktor des BCPM. Aus einer ersten Ausschreibung von Forschungsprojekten seien alle sieben Projekte gestartet, mit einem breiten Spektrum von Gesundheitsthemen wie Leberkrankheiten, menschliche Darmbakterien, Hautkrankheiten und Krebs. «Zudem haben wir zusammen mit unseren Mitgliedern wichtige strategische Entscheide getroffen, beispielsweise in der Ausrichtung der Forschung. Unsere Website wurde erweitert, und wir haben erste Ideen über künftige Ausbildungsprogramme entwickelt.»

Ein Hub für die Präzisionsmedizin in Bern

Das BCPM möchte eine Koordinationsplattform sein, aber auch ein Hub, der die Präzisionsmedizin in Bern fördert. Dafür sollen die verschiedenen Anspruchsgruppen und Einheiten – wie Forschungsgruppen, die Biobank und das Clinical Genomics Lab am Inselspital – in konkreten Forschungsprojekten und attraktiven Ausbildungsprogrammen integriert werden. «Wir wollen, dass sich die Tools und Methoden der Präzisionsmedizin hier in Bern etablieren», sagt Rubin. «Ziel ist, neue Therapieansätze zu entwickeln, bei denen sowohl die Patientinnen und Patienten profitieren als auch die lokale Wirtschaft.»

Bern als idealer Standort

Es ist kein Zufall, dass in Bern ein Zentrum für Präzisionsmedizin entsteht: «Bern vereint alle Vorzüge, die es in der Präzisionsmedizin braucht», sagt Rubin: «Top-Forschende, modernste Technologie und Labor-Infrastruktur sowie Patientendaten.» Am wichtigsten aber sei der gemeinsame Entscheid von Uni, Inselspital und Regierung, die Präzisionsmedizin zu stärken. «Der Standort Bern ist bestens geeignet, da Präzisionsmedizin von Teamwork lebt», ist Rubin überzeugt. Es brauche einen multidisziplinären Zugang, dazu Schlüsseltechnologien wie «Next Generation Sequencing», welche die gleichzeitige Sequenzierung mehrerer Gene erlauben. Hinzu kommen Modellsysteme, etwa von Patientinnen und Patienten abgeleitete Zellmodelle, sogenannte Organoide, um das Wuchern von Krebszellen und ihre Reaktion auf verschiedene Therapien zu untersuchen.

International führende Forschung zu Prostatakrebs

Mark Rubin ist für seine Forschung auf dem Gebiet des therapieresistenten Prostata-Krebs international renommiert. Woher stammt sein Interesse für Krebsforschung? «Als chirurgischer Pathologe war ich fasziniert von der schier unendlichen klinischen Heterogenität, die bei Männern mit Prostatakrebs diagnostiziert wurde», erklärt er. «Ich begriff, dass es nicht ausreicht, nur durchs Mikroskop zu schauen.» So untersuchte er, welche genetischen Änderungen dabei helfen könnten, Wissenslücken über diese weitverbreitete Krebsart zu schliessen. «Dazu beizutragen, dieses neue Forschungsgebiet zu definieren und es wachsen zu sehen, war für mich sehr bereichernd», sagt Rubin.

Seine Forschungsgruppe befasst sich vor allem damit, das Fortschreiten einer Prostatakrebs-Erkrankung besser zu verstehen. Kürzlich konnte seine Gruppe aufzeigen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen einer therapieresistenten Form von Prostatakrebs und der Art, wie die betroffenen Zellen ihre Differenzierung weiter vererben. «Wir sind so nah dran wie noch nie, genetische und epigenetische Erkenntnisse in eine klinische Anwendung zu überführen», ist Rubin überzeugt. «Mit Ansätzen aus der Präzisionsonkologie können wir die Behandlung von Männern mit aggressivem Prostatakrebs verbessern».

Nebst der Forschung gehört auch Sport zu seinen Passionen: Wenn der gebürtige Amerikaner nicht im Labor oder im Büro anzutreffen ist, geniesst er das Outdoor-Leben, das die Schweiz zu bieten hat: Mit Biken und Wandern in den Bergen, Schwimmen und Langlaufen. Als Ausgleich zum intellektuellen Alltag reist er gerne, oder geht mit der Familie ins Kino.

In seinem Vortrag am Collegium generale wird Rubin über die künftigen Schritte des BCPM berichten, dessen Bedeutung für die Schweiz beschreiben und aufzeigen, warum Präzisionsmedizin als Medizin der Zukunft gilt.

Veranstaltung:

Vortrag beim Collegium generale am Mittwoch, 25. September 2019:
«Bern Center for Precision Medicine: Die ersten Schritte in die Zukunft
Prof. Dr. Mark Rubin, Bern Center for Precision Medicine (BCPM), Universität Bern»

Mehr Informationen

Zur Veranstaltungsreihe «Erbgut editieren»

Bern Center for Precision Medicine (BCPM)

Das Bern Center for Precision Medicine ist eines der neun Kompetenzzentren der Universität Bern und ist ein gemeinsames Projekt von Uni und Inselspital Bern. Es ist als Koordinationsplattform aufgebaut und vereint über 50 Mitglieder, darunter die Biobank des Inselspitals. Es ist in Forschung und Lehre aktiv und bietet ein interdisziplinäres Netzwerk für Forschende, Klinikerinnen und Kliniker aus diversen Bereichen und Fakultäten.

Zur Autorin

Nathalie Matter arbeitet als Redaktorin bei Media Relations und ist Themenverantwortliche «Gesundheit und Medizin» in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.