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20.02.2012 | Universität |

Neuer Preis an der Uni Bern

In der Biologie und Biochemie werden neu hervorragende Nachwuchsforschende prämiert. Mit dem «Dr. Lutz Zwillenberg-Preis» werden drei Mal 10'000 Franken vergeben. Die Eingabe der Bewerbungen läuft.

Von Bettina Jakob

Die Uni Bern verleiht ab diesem Jahr einen neuen Preis: Der «Dr. Lutz Zwillenberg-Preis» wird in den biologischen Wissenschaften für drei hervorragende Arbeiten mit den Schwerpunkten Biologie und Biochemie vergeben. Prämiert werden PhD-Arbeiten, welche an der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, der Vetsuisse-Fakultät Standort Bern oder an der Medizinischen Fakultät geschrieben wurden, aber auch Publikationen von Post-Docs dieser Disziplinen.

Nach der Judaistik auch die Biologie

Die jährlich insgesamt drei mal 10’000 Franken sind gestiftet von Celia und Lutz Zwillenberg. Das Ehepaar unterstützt bereits seit vielen Jahren die Judaistik an der Universität tatkräftig. «Mit dem ‹Dr. Lutz Zwillenberg-Preis› soll auch das zweite grosse Interessensgebiet meines Ehemanns und mir gefördert werden», sagt Celia Zwillenberg; sie ist promovierte Biochemikerin und Lutz Zwillenberg war Biologe.


Der Biologe Lutz O. Zwillenberg forschte auf den Gebieten der Histologie, Mikrobiologie, Virologie und Pharmakologie. (Bild: zvg)

Aktiv in der Jüdischen Gemeinde Bern

Dr. Lutz O. Zwillenberg, der im vergangenen Dezember verstorben ist, war jahrelang Assistent am Anatomischen Institut und später Oberassistent am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Bern, wo er sich auf Elektronenmikroskopie spezialisierte. 1969 baute er ein eigenes Forschungslabor auf, welches er vierzig Jahre lang erfolgreich betrieb. Seine wissenschaftlichen Publikationen umfassen die Gebiete Histologie, Mikrobiologie, Virologie und Pharmakologie. Lutz O. Zwillenberg war ebenfalls ein engagierter und progressiver Denker der Jüdischen Gemeinde Bern, war Redakteur der Zeitschrift «Tradition und Erneuerung» und beschäftigte sich in seinen Schriften unter anderem mit der Wechselwirkung von Wissenschaft und Religion.

Die Flucht vor den Nationalsozialisten

Die Familie Zwillenberg wurde 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland vertrieben und emigrierte nach Holland; für den jungen Lutz Zwillenberg folgten damals viele Stationen, doch er überlebte die Internierungs-, Arbeits- und Flüchtlingslager in Holland, Frankreich, Algerien und Marokko. Schliesslich kehrte die Familie Zwillenberg nach dem Krieg nach Amsterdam zurück, wo Lutz Zwillenberg mit dem Studium der Biologie und Botanik begann. Sein Interesse an der Krebsforschung führte ihn weiter an die Universitäten Utrecht, Leiden und Basel, wo er den Doktortitel erlangte. Ab 1959 lebte und arbeitete Lutz Zwillenberg in Bern, wo er auch seine Frau, die er am Weizmann Institut in Israel kennengelernt hatte, heiratete.

Der «Dr. Lutz Zwillenberg-Preis» solle eine Chance für engagierte Forschende sein, um in ihrer Disziplin voranzukommen, so Celia Zwillenberg, die sich freut, mitzuhelfen, «den Nachwuchs an der Uni Bern zu fördern». Für die Uni Bern ist der Preis gleichzeitig eine Erinnerung an «einen inspirierenden Wissenschaftler, der über die Grenzen der Disziplinen zu blicken wagte», wie Uni-Rektor Martin Täuber sagt.