Das sagenumwobene Wandgemälde vor dem Audimax

Die meisten Uni-Angehörigen im Hauptgebäude sind schon daran vorbeigegangen, wahrgenommen haben es wohl die wenigsten. Nun wird dem Fresko vor dem Audimax umso mehr Aufmerksamkeit geschenkt: Nach einer Restaurierung in diesem Sommer soll es neu in Szene gesetzt werden.

Von Sandra Flückiger 22. August 2012

Das Fresko war wahrlich in keinem guten Zustand: Starke Staubauflagen bedeckten es und liessen es dunkel und düster wirken. Dafür fielen Fehlstellen in Putz und Malerei umso mehr auf. Das geübte Auge erkannte zudem Wasserschäden sowie dunkle und helle Verfärbungen. Nicht alle Schäden seien dabei auf den natürlichen Degradationsprozess zurückzuführen, weiss Tina Pagel, Diplom-Restauratorin und Leiterin der Dienstleistungs-Fachgruppe «protegARTem» des Studiengangs Konservierung und Restaurierung der Hochschule der Künste Bern (HKB): «Als seinerzeit für die Reinigung des umgebenden Sandsteins die Wandmalereien abgedeckt wurden, entstanden vermutlich Wasserläufer, die helle Verfärbungen verursachten.»


Tina Pagel (links) diskutiert mit einer ihrer Mitarbeiterinnen die genaue Farbmischung für eine Fläche des Fresken-Zyklus. (Bilder: sf)

Auch der Umgang der Passanten mit dem Fresko ist mitverantwortlich: Anlehnen verursachte Abnutzungen, das Gemälde wurde aber auch mutwillig beschädigt. So wurden beispielsweise der Justitia Augen eingeritzt und andere Figuren bemalt. «Es fehlt die Wertschätzung», erklärt Pagel, «das Wandbild wird nicht als Kunstwerk wahrgenommen und entsprechend behandelt. Deshalb sind die Schäden relativ gross.»

Fünf Jahre Arbeit

Das Fresko mit dem Titel «Theseus-Zyklus» stammt vom bedeutenden Berner Künstler Max von Mühlenen, der dieses zwischen 1945 und 1950 erstellte. «Ein wichtiger Teil meiner Absichten bestand darin, den Herren Professoren und vor allem den Studierenden in den Räumen der Universität einen für sie erfreulichen Schmuck als Bereicherung zu schaffen, sind sie es doch, die täglich in der Lage sind, diese Malereien zu sehen», schrieb von Mühlenen in einem Brief.

Zu sehen sind auf dem Fresko zwei verschiedene Motive. Einerseits hat der Künstler Teile der Theseus-Sage dargestellt: den Kampf des Theseus gegen die Zentauren sowie gegen den Minotaurus, das Labyrinth mit dem Ariadne-Faden und den Selbstmord von Theseus’ Vater. Die übrigen beiden Wandbilder zeigen sechs Fakultäten in Gestalt von Personen. So wird beispielsweise die Philosophisch-historische Fakultät durch Diogenes in seinem Fass mit Hund und Laterne dargestellt.


Viel Arbeit für die Restauratorinnen: Die Rechtswissenschaftliche Fakultät in der Gestalt der Justitia, die stark beschädigt ist.

Aufmerksamkeit durch Beleuchtung

Zum derzeit laufenden Projekt gehören einerseits die Konservierung und Restaurierung des Freskos. Andererseits hat die Fachgruppe von Tina Pagel, in der auch Studierende der HKB mitarbeiten, vom kantonalen Amt für Grundstücke und Gebäude den Auftrag bekommen, ein präventives Konservierungskonzept zu erstellen. Dazu zählt zum Einen die Information: «Die Studierenden sollen wissen, dass das Wandbild ein Schmuck ist, hinter dem fünf Jahre Arbeit stecken», meint Pagel.

Um grössere Schäden künftig zu vermeiden, kann sie sich auch eine jährliche Begutachtung vorstellen, denn die Wahrscheinlichkeit von weiteren Beschädigungen sinke, wenn sofort gekittet und retuschiert werde. Schliesslich soll die Beleuchtung optimiert werden. «Das macht extrem viel aus, wenn man einem Objekt Wert geben will. So wird es eher als Kunstwerk wahrgenommen und geschätzt», sagt Pagel und hilft einer Master-Absolventin beim Mischen des richtigen Grüns für den Hintergrund der Darstellung der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät.

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