Ein Uni-Team für Wasser, Schnee und Hitze

In sieben Tagen von Basel nach Bern – mit vielen Umwegen über die steilen Alpen: Am Gigathlon 2007 nahm auch eine Truppe der Uni Bern teil – und belegte den 108. Rang. Eine Reportage.

Sie nannten sich «Carpe diem» und jeden einzelnen Tag pflückten sie in der Tat: In sieben Etappen führte der Gigathlon 2007 die fünf Athletinnen und Athleten der Berner Uni-Truppe quer durch die Schweiz. Es galt, Berge, Schluchten, Seen und Ebenen in den fünf Disziplinen Inline, Laufen, Schwimmen, Bike, und Velo zu überwinden und dabei Wind und Wetter zu trotzen. Vanessa Keel, Esther Köppel, Fabian Stadelmann, Roland Distel und Philipp Baechler berichten ganz persönlich von ihrem einwöchigen Kampf.


Die Berner Truppe «Carpe Diem» kämpfte sich quer durch die Schweiz – und landete auf dem 108. Rang. (Bilder:zvg)

Fabian Stadelmann trat in die Pedale

Endlich war der langersehnte Tag gekommen, auf den man sich so lange körperlich und physisch vorbereitet hat. Sieben Bikestrecken warteten darauf, abgespult zu werden und die Ungewissheit über den Ausgang dieses Vorhabens, äusserte sich in den immer häufigeren Besuchen eines der zahlreichen «Toi Toi»-WC’s. Nachdem der Startschuss gefallen war, hiess es einfach nur noch so schnell und kräftig wie möglich in die Pedale zu treten. Wegen des Dauerregens waren die drei ersten Bikestrecken eine regelrechte Schlammschlacht und forderten Mensch und Material bis zum Äussersten. Dazu schmerzten eine Schulterprellung und ein aufgeschürfter Oberschenkel. Nichtsdestotrotz hielten die Beine durch, alles lief wie geschmiert, und als sich endlich der Sommer zurückmeldete schlug auch das Bikerherz des Schönwetterfahrers höher.

Vanessa Keel warf sich in die Fluten

Nachdem die Vorbereitung auf den Gigathlon durch ein Arbeitspensum einer 60-Stunden-Woche alles andere als optimal verlaufen war, hiess die Devise einfach: heil durchkommen und nicht zuviel Zeit verlieren. Die langen zwölf Kilometer Schwimmen im Rhein vom ersten Tag gingen entgegen den Befürchtungen dank hohem Wasserstand und dementsprechend schneller Fliessgeschwindigkeit relativ schnell vorüber. Mit Hilfe von grosszügig aufgetragener Vaseline an Gesicht, Händen und Füssen konnte auch dem bitterkalten vierzehn grädigen Wassers des Walensees getrotzt werden. Bei den zwölf Grad des Heidsees auf der Lenzerheide half dann allerdings auch keine Vaseline mehr gegen die tiefen Temperaturen – und die Rennleitung entschied sich für eine Ersatzlaufstrecke, was nicht gerade ein Segen für ein lädiertes Knie war.

Esther Köppel rollte durch die Schweiz

Viermal die Inlineskates und dreimal die Laufschuhe schnüren ergibt unter dem Strich einen siebentägigen Gigathlon. Ursprünglich geplant waren eigentlich sechsmal Inlinen und nur einmal Joggen, doch die Freude auf der Laufstrecke von Weesen nach Walenstadt war so gross, dass noch zwei weitere Laufstrecken hinzugefügt wurden. Das geht natürlich nur, wenn man verständnisvolle Teammitglieder in den eigenen Reihen hat. Der wunderschöne Berglauf von Leukerbad nach Crans Montana war denn auch das Highlight der Woche. Immer wieder faszinierend und ansteckend war die gute Stimmung unter den Gigathleten, die eine Mischung aus seriösem Wettkampf und freundschaftlichem Umgang untereinander pflegten.


Damit alles rund läuft: Letzter Check der Inline-Skates-Rollen.

Roland Distel landete im Schnee

Premiere am Gigathlon bedeutet zuerst einmal, staunend die grosse Anzahl Athleten zu betrachten und das riesige Ausmass dieses Events irgendwie fassen zu können. Alles ist bei einem siebentägigen Gigathlon im XXL–Format: Zelte, WC’s und Teamautos soweit das Auge reicht, unzählige Lunchpakete und Essensrationen oder Wechselzonen, die plötzlich wie aus dem Nichts auftauchen, wo man Tags zuvor noch durchspaziert ist. Gigathlon hiess aber auch Rennvelo fahren und zwar nicht zu knapp. Bereits am zweiten Tag waren bei strömenden Regen 2600 Höhenmeter zu bewältigen, am vierten Tag gab es als Zugabe auch noch Schnee und Kälte auf dem Oberalppass. Zum Glück konnten sich die Glieder bei der Berglaufstrecke am siebten Tag von Turtmann hinauf nach Leukerbad wieder etwas erwärmen, nicht zuletzt dank dem verdienten Bad im Sprudelbecken des Burgerbads.


Erholung und Schlaf gab es in den Prototyp-Zelt-Dörfern

Philipp Baechler lief über die Ziellinie

Beim letzten Gigathlon noch Supporter eines Singleathleten, war es nun an der Zeit selber durchzustarten. Mit den drei Disziplinen Inline-Skating, Laufen und Rennvelo stand einer abwechslungsreichen Woche nichts mehr im Weg. Auf der Laufstrecke am Tag 1 hiess es erstmals die Grenzen auszuloten. Sieben Tage Gigathlon ist eine Gratwanderung: Entweder geht man das Rennen zu schnell an und büsst dafür in den nächsten Tagen, oder man beginnt zu verhalten und ärgert sich nach sieben Tagen, dass man doch schneller hätte sein können. Doch der Mittelweg war schnell gefunden, und so lief es von Tag zu Tag immer besser. Das «Dessert» aber war happig: nämlich als Schlussläufer von Schwarzenburg nach Bern zu laufen. Ein wirklicher «Chrampf» – aber ein unvergesslicher.

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