24.05.2022 | Forschung | Umwelt & Materie

Die Uni Bern fliegt zum Jupiter

Die Weltraummission JUICE der europäischen Weltraumorganisation ESA soll im Frühjahr 2023 zum Jupiter fliegen und dort bei drei Eismonden nach Spuren von Leben suchen. Beteiligt an diesem Unterfangen ist auch die Universität Bern, unter anderem mit dem Massenspektrometer NIM, das in einem Video vorgestellt wird.

Von Brigit Bucher

Im Frühjahr 2023 soll es so weit sein: Die Weltraumsonde JUICE (Jupiter ICy moons Explorer) der europäischen Weltraumorganisation ESA wird ihre Reise ins All antreten. Das Jupitersystem ist knapp 780 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und eine eisige, dunkle Welt: Die Durchschnittstemperatur auf der Oberfläche der Eismonde liegt unter minus 140 Grad Celsius. Nach einer beinahe achtjährigen Reise wird JUICE beim Jupiter ankommen und dort den grössten Planeten unseres Sonnensystems und drei seiner 79 Monde erforschen. Dabei handelt es sich um die Eismonde Ganymed, Kallisto und Europa.

Nebst fundamentalen Fragen zur Entstehung von Planeten und deren Monden, geht es auch um die Frage ob Europa und Ganymed mögliche Lebensräume sind, und sogar im besten Fall um Anzeichen für Leben zu identifizieren. Daten früherer Weltraummissionen und Modellrechnungen legen nahe, dass sich tief unter der äusseren Eisschicht von Ganymed und Europa unterirdische Ozeane befinden. Nach heutigen Kenntnissen besitzen die Ozeane sämtliche Eigenschaften, die nicht nur für das Entstehen von Leben nötig sind, sondern stellen auch Umgebungen dar, in denen Leben längerfristig existieren kann.

An Bord von JUICE werden sich elf Instrumente befinden. Eines davon ist das Neutral and Ion Mass Spectrometer (NIM), das unter der Leitung von Peter Wurz vom Physikalischen Institut an der Universität Bern entwickelt und gebaut wurde.

Mehr zur Weltraummission JUICE und wie das Berner Massenspektrometer NIM bei der Suche nach Leben helfen wird, ist im folgenden Video zu sehen, das von der Supportstelle für ICT-gestützte Lehre und Forschung iLUB in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Weltraumforschung und Planetologie des Physikalischen Instituts produziert wurde:

Reise zum Jupiter mit Berner Beteiligung

Neben dem Massenspektrometer NIM werden an Bord von JUICE zwei weitere Instrumente mit Berner Beteiligung sein. Einerseits das Laser Altimeter GALA, für welches am Physikalischen Institut unter der Leitung von Nicolas Thomas das sogenannte ‘Range Finder Module’ entwickelt wurde. GALA wird die Topografie von Ganymed untersuchen. Zudem hat das Institut für Angewandte Physik unter der Leitung von Axel Murk die Optik und die Kalibrationseinheit für das Submillimeter Wave Instrument (SWI) entwickelt. Das SWI wird die Stratosphäre von Jupiter sowie die Atmosphären und Oberflächen von Jupiters Eismonden vermessen.

Mehr Informationen zu NIM: www.juice.space.unibe.ch

Mehr Informationen zur JUICE-Mission auf der Webseite der European Space Agency ESA: www.sci.esa.int/web/juice

Berner Weltraumforschung: Seit der ersten Mondlandung an der Weltspitze

Als am 21. Juli 1969 Buzz Aldrin als zweiter Mann aus der Mondlandefähre stieg, entrollte er als erstes das Berner Sonnenwindsegel und steckte es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Dieses Solarwind Composition Experiment (SWC), welches von Prof. Dr. Johannes Geiss und seinem Team am Physikalischen Institut der Universität Bern geplant, gebaut, und ausgewertet wurde, war ein erster grosser Höhepunkt in der Geschichte der Berner Weltraumforschung.

Die Berner Weltraumforschung ist seit damals an der Weltspitze mit dabei: Die Universität Bern nimmt regelmässig an Weltraummissionen der grossen Weltraumorganisationen wie ESA, NASA oder JAXA teil. Mit CHEOPS teilt sich die Universität Bern die Verantwortung mit der ESA für eine ganze Mission. Zudem sind die Berner Forschenden an der Weltspitze mit dabei, wenn es etwa um Modelle und Simulationen zur Entstehung und Entwicklung von Planeten geht.

Die erfolgreiche Arbeit der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie (WP) des Physikalischen Instituts der Universität Bern wurde durch die Gründung eines universitären Kompetenzzentrums, dem Center for Space and Habitability (CSH), gestärkt. Der Schweizer Nationalsfonds sprach der Universität Bern zudem den Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) PlanetS zu, den sie gemeinsam mit der Universität Genf leitet.

Zur Autorin

Brigit Bucher arbeitet als Leiterin Media Relations in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern und ist Themenverantwortliche «Space».