26.09.2018 | Universität |

Querbeet durch die Forschungslandschaft

Acht Forschende stellen in jeweils acht Minuten ihre Arbeit vor: Das ist das Konzept von «8 x 8' – Junge Forschende erzählen». Die vierte Durchführung der Veranstaltung der Stiftung Haus der Universität Bern war eine wissenschaftliche Reise von der Immunologie von Fischen bis zur akribischen Bestandsaufnahme von Freihandelsabkommen.

Von Stefanie Agoues, Carmen Sautter, Muriel Nann und Matthias Hirt

Wie kann man ein komplexes Forschungsprojekt in acht Minuten einem (Laien-)Publikum vorstellen? Vor dieser Aufgabe standen am 11.September acht junge Forscher, die die Herausforderung im Rahmen der Veranstaltung «8 x 8' – Junge Forschende erzählen» angenommen hatten. Um es vorneweg zunehmen: Die Rednerinnen und Redner haben den Abend mit Bravour gemeistert und mit ihrer Leidenschaft für ihre Forschungsarbeit das Publikum im Haus der Universität begeistert.

Von Sandburgen zur Plattentektonik

Frank Zwaan von der Universität Florenz machte den Anfang. Er erklärte wie er vom Sandburgenbauen in seiner Heimat Holland zur Simulation der Plattentektonik im Labor gekommen ist. Dazu benutze er Sandkästen, Silikon und Röntgenscanner aus der Gerichtsmedizin. In seinem Forschungsgebiet werde beispielweise nachgestellt, wie es einst durch sich voneinander wegbewegende tektonische Platten zur Grabenbildung des Rheintals bei Basel kam.

Elena Wernicke von Siebenthal vom Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Vetsuisse-Fakultät an der Universität Bern untersucht, wie sich die Sexualhormone – allen voran die Östrogene – auf das Immunsystem der Regenbogenforellen in den verschiedenen Lebensstadien auswirken.

Wie kommt es dazu, dass Ärzte Fehldiagnosen stellen? Dieser heiklen Frage stellte sich Wolf Hautz vom Universitären Notfallzentrum am Inselspital Bern und förderte für Laien Unerwartetes zu Tage: Das medizinische Wissen der Ärzte ist zwar ein Teil, den es zu beachten gilt, aber der Informationsfluss zwischen den beteiligten Parteien spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle.

Problemlösung bei Welpen

Bei Stefanie Riemer von der Abteilung Tierschutz der Vetsuisse-Fakultät dürfen auch die eigenen Hunde hin und wieder als Forschungsobjekte herhalten. Stefanie Riemer geht mit ihrer Forschung weit verbreiteten Annahmen zur Verhaltensbeurteilung auf den Grund und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen: In der Sozialisierungsphase (3. – 12. Woche) können Geräusch- und Trennungsängste der Welpen aktiv abgebaut werden.

Die Historikerin Rahel Wunderli berichtete nicht über ihre aktuelle Forschung, sondern über eine Erfahrung, die sie im Rahmen einer Podiumsdiskussion gemacht hatte. Als Wissenschaftlerin war sie dort unvermittelt in die Rolle einer Vermittlerin zwischen mehreren Konfliktparteien geraten. Aufgrund der positiven Rückmeldungen, die sie daraufhin erhalten hatte, fragte sie sich: «Kann es sein, dass ein Bedürfnis besteht nach einer Wissenschaft, die dabei unterstützt, echte, konstruktive Dialoge zu führen?» Wer eine solche Rolle glaubwürdig ausfüllen wolle, müsse einerseits die eigenen beruflichen und privaten Erfahrungen mit blockierten Gesprächssituationen präsent haben und andererseits sein ganzes Wissen und Urteilsvermögen ins Spiel bringen.

Alberto Napoli vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern führte das Publikum in das eher unbekannte Gebiet der Musikologie ein – eine theoretische Disziplin, die an der Wende zum 20. Jahrhundert begründet wurde.

Aus Not wird Technik

Technik bestimmt unseren Alltag. Doch können Menschen auch die Technik beeinflussen? Mit dieser Fragestellung befasst sich Christiane Berth von der Abteilug für Iberische und Lateinamerikanische Geschichte an der Universität Bern. Ihre Forschungsarbeit in verschiedenen Erdteilen zeigt auf, dass Nutzerinnen und Nutzer seit jeher aus der Not eine Tugend machten und neue Varianten von technischen Hilfsmitteln erfanden, die sie den eigenen Lebensumständen anpassten.

Der internationale Handel hat sich in den vergangenen Jahren rasant gewandelt, sagte Sebastian Klotz im letzten Beitrag des Abends. Klotz forscht am World Trade Institute der Universität Bern zu den weltweiten Freihandelsabkommen, die seit 2002 unterzeichnet wurden. Die teils konkurrierenden, regulatorischen Ansätze, die sich mit der Zeit herausbilden, geben laut Klotz Hinweis auf die verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Interessen.

«8 x 8' – Junge Forschende erzählen»

Das Vizerektorat Forschung und die Geschäftsstelle der MVUB (Mittelbauvereinigung der Universität Bern) organisieren die Veranstaltung «8 x 8‘» jährlich im Auftrag des Stiftungsrates des Hauses der Universität. Die meisten Teilnehmenden wurden vom Nachwuchsförderungsprojektpool mit einem Grant ausgezeichnet. Die nächste Ausschreibung von «8 x 8' – Junge Forschende erzählen'» findet Anfang 2019 statt. Voranmeldungen können jederzeit unter info@mvub.unibe.ch eingereicht werden.  

ZU DEN AUTOREN

Stefanie Agoues, Carmen Sautter, Muriel Nann und Matthias Hirt bildeten gemeinsam das Organisationskomitee von «8 x 8' – Junge Forschende erzählen».