17.09.2018 | Universität |

Interkulturelles Lernen im Auslandsaufenthalt

Das Programm «MILSA» wurde mit dem «Bo Gregersen Award for Best Practice» ausgezeichnet. Das Projekt beinhalte eine gute Praxis des interkulturellen Lernens und stelle ein hervorragendes Beispiel für internationale Teamzusammenarbeit dar, heisst es auf der Webseite der Europäischen Vereinigung für Internationale Bildung. Projektleiterin Annie Cottier erzählt von den Erfahrungen der ersten Studierenden mit dem Mentoring-Programm für interkulturelles Lernen und Reflektieren.

Das Projekt «MILSA» wird ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen das und warum braucht es ein solches Programm?
Annie Cottier: Das freut uns natürlich enorm. Es zeigt auch, dass wir mit diesem Projekt auf dem richtigen Weg sind. Unser Ziel war es, die Qualität von Auslandsaufenthalten zu verbessern, indem wir die Studierenden nicht nur administrativ, sondern auch inhaltlich begleiten. Diese Begleitung findet vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt statt. Das Programm basiert auf der Erkenntnis verschiedener Untersuchungen, die zeigen, dass sich Stereotypen und Vorurteile verstärken, wenn Studierende unbegleitet ins Ausland gehen. Mit Mentoring wird hingegen das interkulturelle Lernen gefördert.

Wie sieht diese Begleitung konkret aus?
Vor der Abreise findet ein vorbereitender Workshop statt. Während der Zeit in der Fremde reflektieren die Studierenden ihre Erfahrungen und Beobachtungen über das Gast- und das Heimatland in einem Blog – auf Englisch. Zu den schriftlichen Überlegungen kommt ein Skype-Interview dazu, in dem sich die Studierenden mit mir als Mentorin über ihre Erlebnisse unterhalten. Nach der Rückkehr aus den unterschiedlichen Ländern tauschen sich die Studierenden an einem Workshop untereinander aus. Dabei erfahren sie auch, wie sie ihre neu erworbenen interkulturellen Fertigkeiten umsetzen und im Berufsleben anwenden können. Um zukünftigen Arbeitgebern den Nutzen dieser im Ausland erlernten Fähigkeiten nahezubringen, stellen wir ein entsprechendes Zertifikat aus.

Welche Studierenden haben an den ersten Durchläufen teilgenommen?
Die Teilnahme ist freiwillig. Von den etwa hundert Studierenden, die jeweils pro Semester ins Ausland gehen, haben bisher ungefähr 15 Prozent am Programm teilgenommen – da peilen wir zukünftig bis zu einem Drittel an. Die Zusammensetzung ist sehr gemischt, sowohl Bachelor- wie Masterstufe, Frauen wie Männer, aus den verschiedenen Fakultäten – gut vertreten waren bisher Geistes- und Wirtschaftswissenschaftler.

Wie waren die Rückmeldungen und die Effekte der Begleitung?
Die Studierenden schätzen das Programm: Dank der Begleitung seien sie bewusster und mit offenen Augen durch ihren neuen Alltag gegangen. Das Verfassen der Blogbeiträge habe sie gezwungen, aktiv über ihren interkulturellen Lernprozess nachzudenken und nicht einfach in den Tag hineinzuleben. Die konkreten Lernprozesse sind kaum zu messen, aber wir konnten intensives Reflektieren bei jedem Teilnehmenden beobachten.

Wie geht es weiter?
Zur Zeit arbeiten wir an verschiedenen Publikationen, beispielsweise an einem Buchprojekt, das für andere interessierte Hochschulen bei der Anwendung des Programms unterstützend wirken soll. Wir nehmen da eine Vorreiterrolle ein, und andere Unis interessieren sich für MILSA und unsere Erfahrungen damit.

ZUR PERSON

Dr. Annie Cottier ist seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am International Office der Universität Bern und seit Anfang 2016 Projektleiterin von MILSA.

Kontakt:

Dr. Annie Cottier
Universität Bern, Internationales Büro
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Telefon: +41 31 631 55 23
E-Mail: annie.cottier@int.unibe.ch

Bo Gregersen Award for Best Practice

Die offizielle Auszeichnung des Programms «MILSA» mit dem «Bo Gregsen Award for Best Practice» fand an der diesjährigen Konferenz der Europäischen Vereinigung für Internationale Bildung vom 11. bis 14. September in Genf statt.

Programm MILSA

MILSA steht für «Mentoringprogramm für interkulturelles Lernen während des studentischen Auslandsaufenthalts». Dieses Programm wurde mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz von der Universität Bern zusammen mit der University of Technology Sydney (UTS) entwickelt. Seit dem Herbstsemester 2016 können Auslandsstudierende der Universität Bern am Mentoring-Programm teilnehmen. Dr. Annie Cottier ist MILSA-Projektleiterin, Dr. Ellen Krause Projekt-Verantwortliche. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Prof. Susan Oguro von der UTS.

ZUR AUTORIN

Salomé Zimmermann ist Redaktorin in der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.