01.12.2018 | Universität |

Dies academicus 2018: Tradition und Zukunftsvision

Sieben Ehrendoktorate wurden am 184. Dies academicus der Universität Bern verliehen. Die Stiftungsfeier der Uni ist eine Festlichkeit mit viel Tradition, bei der die Rednerinnen und Redner einen Blick in die Zukunft werfen. Erstmals dabei war Christine Häsler, die neue Erziehungsdirektorin des Kantons Bern.

Von Ivo Schmucki

«Sie fragen sich vielleicht, weshalb wir das Stadttheater als Ort der Feier gewählt haben», sagte Rektor Christian Leumann zu Beginn seiner Begrüssungsrede am 184. Dies academicus der Universität Bern. Die Stiftungsfeier der Universität Bern findet traditionellerweise im Casino Bern statt, das noch bis 2019 saniert wird. «Das Theater und die Universität sind enger verknüpft als viele meinen», erklärte Rektor Leumann. «Wir befassen uns etwa in den Geisteswissenschaften in Lehre und Forschung mit dem Wesen des Theaters.»

Der Rektor kriegt Lust, wieder zu studieren

In seiner Ansprache fokussierte Rektor Christian Leumann auf die Zukunft der Lehre und den Einfluss der Digitalisierung. Der öffentliche Diskurs gehe zu stark in die technische Richtung, befand er. Viel wichtiger seien mit Blick auf eine sich rasch wandelnde Arbeitswelt aber die Lehrinhalte: «Die Vermittlung des Wissens wird in Zukunft weniger im Vordergrund stehen, dafür mehr die Befähigung, sich Wissen situativ anzueignen.» Er entwarf dafür ein fiktives Beispiel eines projektorientierten, interdisziplinären Masterstudiengangs, zusammengesetzt aus Biochemie, Ethik, Literatur- und Rechtswissenschaften. «Ich überlege mir, nach meiner Emeritierung ein solches Masterstudium zu absolvieren, sollte es dann existieren», sagte Christian Leumann mit einem Schmunzeln.

«Den Stolz auf die Uni fördern»

Der Auftritt von Regierungsrätin Christine Häsler wurde mit Spannung erwartet, war es doch die erste Dies-Rede der neuen Erziehungsdirektorin des Kantons Bern. Sie habe in der Vorbereitung nicht lange ihren persönlichen Bezug zur Uni suchen müssen: «Es gibt keinen», gab die Regierungsrätin bekannt. Sie habe ihre Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre gestartet und komme aus einer ganz anderen Disziplin als der Wissenschaft. «Man kann die Zusammenarbeit zwischen der Universität Bern und mir daher durchaus als ‘interdisziplinär’ bezeichnen.» Diese Interdisziplinarität könne einen Mehrwert bringen: «Wenn wir unsere Ressourcen und Stärken bündeln, trägt gerade eine Erziehungsdirektorin ohne universitären Hintergrund zur guten Entwicklung der Universität Bern bei.» Gerne helfe sie mit, gemeinsam das Vertrauen in die Universität und den Stolz der Bernerinnen und Berner auf ihre Uni zu fördern.

Viele Gemeinsamkeiten zwischen Uni und Nationalbank

Die Rede von Nationalbankpräsident Thomas Jordan war ein Plädoyer für das Schweizer Bildungssystem. Zunächst stellte der Alumnus und Honorarprofessor der Universität Bern aber mit Rückblick auf seine Studienzeit eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Uni und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) her. Er könne sich noch gut erinnern, dass damals im Keller des Volkswirtschaftlichen Instituts eine Weinverkorkungsmaschine stand. «Sie verstehen sicher, dass ich jetzt nicht über einen geheimnisvollen Keller bei der SNB spreche. Obwohl wir in dieser Hinsicht einiges zu bieten hätten, wenn auch ohne Weinverkorkungsmaschine», schilderte Jordan zur Freude des Publikums. Der SNB-Präsident thematisierte aber natürlich auch viel relevantere Gemeinsamkeiten: Sowohl die Universität wie auch die SNB hätten einen staatlichen Auftrag, ein grosses Mass an Unabhängigkeit, seien im internationalen Umfeld tätig und steckten mitten im technologischen Wandel. Gerade wegen dieses Wandels sei die SNB auf ein gutes Bildungssystem angewiesen. Dieses gelte es zu wahren und weiterzuentwickeln.

Eine Zukunft für Mohammed, Francesca und Alex

Die letzte Rede hielt Valentina Achermann, Vorstandsmitglied der StudentInnenschaft der Universität Bern SUB. Anhand dreier Beispiele von zukünftigen Studierenden im Jahr 2030 zeigte sie auf, wie ihre Zukunftsvision der Universität Bern aussieht. Mohammed, Sohn aus einer in die Schweiz geflüchteten Familie, Francesca, eine Mutter von zwei Kindern in der Position einer Professorin für theoretische Physik und Alex, eine Trans*Person mitten im Masterstudium, gehen alle frei von Hindernissen und Vorurteilen ihren Tätigkeiten an der Universität nach. «Die SUB versucht schon heute, sich dieser Vision anzunähern. Lassen Sie uns den Status Quo hinterfragen und die Hürden abbauen, damit auch Mohammed, Francesca oder Alex eines Tages am Dies academicus ausgezeichnet werden können», so der Appell von Valentina Achermann.

Sieben Ehrendoktorate

Nach der musikalischen Einlage des Medizinerorchesters Bern und des Unichors Bern folgte der Höhepunkt des Anlasses: Die Verleihung der Ehrendoktorate und akademischen Preise. Drei Frauen und vier Männern wurde die Würde eines Ehrendoktorats verliehen. Die in Talare gekleideten Dekaninnen und Dekane der auszeichnenden Fakultäten hielten eine Laudatio und übergaben den Geehrten die Urkunde.

An der Stiftungsfeier wurden auch neun akademische Preise persönlich verliehen. Es fiel auf, dass acht der neun ausgezeichneten Personen Frauen waren. Der Dies academicus endete mit einer letzten Tradition: Dem Lied «Gaudeamus igitur» – zu Deutsch so viel wie «Lasst uns also fröhlich sein». Ein feierliches Lied für einen feierlichen Anlass.

Der Dies academicus

Der Dies academicus erinnert an die Gründung der Universität Bern im Jahre 1834. Die Stiftungsfeier der Universität Bern findet jährlich am ersten Samstag im Dezember statt.

Auf der Website zum Dies academicus finden Sie weitere Impressionen vom Anlass, Informationen zu allen Ehrendoktorinnen und Ehrendoktoren sowie Preisträgerinnen und Preisträgern.

Zum Autor

Ivo Schmucki arbeitet als Redaktor bei der Abteilung Kommunikation & Marketing an der Universität Bern.