05.12.2020 | Universität |

Dies academicus 2020: Ein Film mit den Geehrten

Die 186. Stiftungsfeier der Universität Bern konnte wegen Corona nicht im üblichen Rahmen stattfinden – der Ehrensenator-Titel, die Ehrendoktorate und akademischen Preise wurden trotzdem verliehen und in einer Videoreportage und erweiterten Festschrift gewürdigt.

Von Salomé Zimmermann

Statt einer festlichen Feier im Casino Bern wurde der 186. Dies academicus ausnahmsweise mit einer Videoreportage und einer umfangreicheren Festschrift begangen. Wegen der Corona-Pandemie können derzeit nicht nur keine grösseren Veranstaltungen stattfinden, auch der Hauptteil der Lehre und Forschung an der Universität Bern musste in den digitalen Raum verschoben werden: «Die Pandemie hat uns in diesem Jahr fest im Griff und forderte und fordert alle Uni-Angehörigen stark», führte Rektor Christian Leumann im Film und in seiner in der Broschüre vollständig abgedruckten Rede aus. Er wies auch darauf hin, dass dies nicht die erste Ausnahmesituation für die Universität ist: «Bereits 1847 musste die Universität Bern zum ersten Mal ihre Tore schliessen – wegen der Wirren des Sonderbundkrieges», so Christian Leumann. 

Bauliche Entwicklung im Fokus

Besonders gefreut hat den Rektor im Rückblick aufs vergangene Jahr der erfolgreiche Start des ESA-Satelliten CHEOPS, des ersten in der Schweiz und unter Regie der Universität Bern gebauten Weltraumteleskops. Als ebenso erfreulich hob Christian Leumann den Vertrag mit Mäzen Hansjörg Wyss für die Wyss Academy for Nature an der Universität Bern hervor, die in den nächsten Jahren neue Modelle für ein nachhaltiges Nebeneinander von Natur und Mensch entwickeln wird. 

Als grosse Herausforderung sprach der Rektor die stagnierenden finanziellen Grundbeiträge an. Nur dank der eingeworbenen Drittmittel – sie machen rund 40 Prozent des Budgets aus – sei es trotzdem möglich gewesen, die Forschungsleistung zu steigern. Zudem hinke die Gebäude- und Infrastruktur dem grossen Wachstum hinterher. Hier seien nun schnelle Prozesse bei der Planung und eine zeitnahe Umsetzung für die Universität essentiell. Deshalb plädiert Christian Leumann für mehr Autonomie für die Universität im Bereich der baulichen Entwicklung. Das dritte Thema, das die Universität derzeit umtreibe, sei die Assoziierung der Schweizer Hochschulen an das zukünftige europäische Forschungs- und Bildungsnetzwerk. 

Die Universität und Corona

Christine Häsler, Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern, begann ihren Rückblick mit einer Würdigung des Beitrags der Universität Bern zur Bekämpfung des Coronavirus. Sie hob unter anderem die ethischen Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte während der Pandemie hervor, die ein internationales Fachgremium unter Leitung der Berner Theologischen Fakultät erarbeitet hat. Christine Häsler erwähnte ebenfalls das universitäre Online-Programm der Fachstelle für Lernen und Gedächtnis zur Unterstützung der mentalen Gesundheit in Corona-Zeiten und verwies auf die 19 Corona-Forschungsvorhaben an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsspital, die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt werden. 

«Die Aufmerksamkeit der Medien für Berner Forschungsergebnisse ist aus gutem Grund im Moment ausgesprochen hoch», so Christine Häsler. Sie lobte zudem die schnelle Umstellung von Präsenz- auf Fernunterricht bei 19’000 Studierenden in nur drei Tagen. «Mich beeindruckt, wie die ganze Universität im bisherigen Pandemie-Verlauf das übergeordnete bildungspolitische Ziel, dass kein junger Mensch aufgrund der Pandemie einen bleibenden Nachteil auf dem Bildungsweg erleiden muss, umgesetzt hat», sagte Christine Häsler.

Nebst möglicher Spätfolgen der Pandemie werde die Bau- und Infrastruktur-Problematik ein zentraler Knackpunkt für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Universität sein. «Dem Regierungsrat ist sehr bewusst, wie wichtig die Universität als Standortfaktor ist, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft und Kultur des Kantons Bern», so Christine Häsler. Entsprechend intensiv werde sich der Regierungsrat für tragfähige Lösungen in der Frage der Universitätsbauten einsetzen. 

Inklusive, kritische und kreative Universität

Im Beitrag der Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) machen sich die Studierenden Gedanken dazu, was es heisst, unter Corona-Bedingungen zu studieren: «Der vermeintliche Stillstand und die Verlangsamung bedeuten für viele mehr Stress und Leistungsdruck.» Hingegen könne dank digitalisierter Lehrformate die Vereinbarkeit von Studium, Arbeit und Familie und der Zugang von Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung zum Studium verbessert werden: «Als Ort der Wissensproduktion soll die Universität inklusiv, kritisch und kreativ sein und sich ständig hinterfragen.» Die Studierenden plädieren dafür, aus der Krise zu lernen, damit die Universität Bern zu einer noch besseren Hochschule für alle werde. 

Acht Ehrendoktorate und ein Ehrensenator

Die Verleihung des Titels eines Ehrensenators, der Ehrendoktorate und akademischen Preise konnte dieses Jahr nicht an einem festlichen Anlass geschehen, die Würdigungen sind in einem Film aufgezeichnet. In Form von kurzen Videoreportagen werden Geehrte an ihren Arbeitsplatz begleitet. Sie geben Auskunft darüber, womit sie sich beschäftigen und was sie umtreibt. Rektor Christian Leumann führt durch den Film und gibt überraschende Trouvaillen aus dem Universitätsarchiv preis. Wir wünschen viel Vergnügen beim Schauen des Dies adacemicus-Films

 

Der Dies academicus

Der Dies academicus erinnert an die Gründung der Universität Bern im Jahre 1834. Die Stiftungsfeier der Universität Bern findet jährlich am ersten Samstag im Dezember statt – dieses Jahr ausnahmsweise in Form einer Videoreportage. Auf der Website finden sich neben dem Film die erweiterte Festschrift mit sämtlichen Reden sowie weiterführende Informationen zu allen Geehrten.

Zur Autorin

Salomé Zimmermann arbeitet als Redaktorin Corporate Publishing in der Abteilung Kommunikation und Marketing der Universität Bern.