10.03.2021 | Studium | Staat & Wirtschaft

Berner Studierende gewinnen Finanzanalysen-Challenge

Vier Master-Studierende der Universität Bern haben die CFA Institute Research Challenge Schweiz gewonnen: Sie haben sich mit der Präsentation ihrer Finanzanalyse gegen elf andere studentische Teams durchgesetzt. Ein Gespräch mit Team Captain Rahel Zbinden und ihrem Professor Philip Valta.

Interview: Sylvia Löwe

Philip Valta, Sie haben das Team an Ihrem Lehrstuhl ausgebildet und betreut. Welchen Stellenwert hat der Gewinn der CFA Institute Research Challenge für Sie?

Philip Valta: Zum einen habe ich mich sehr gefreut, die engagierten Studierenden in diesem lehrreichen Prozess zu betreuen. Die CFA Institute Research Challenge ist eine spannende Plattform, die es Studierenden erlaubt, ihre Methodenkenntnisse und das Wissen, welches sie sich während des Studiums angeeignet haben, in der Praxis anzuwenden. Die Studierenden haben viel gelernt und konnten sich persönlich sowie als Team weiterentwickeln. Ausserdem haben sie durch den Gewinn der Challenge Switzerland die Gelegenheit, ihr Netzwerk zu erweitern und wichtige Kontakte für ihre zukünftige berufliche Laufbahn zu knüpfen.

Zum anderen ist der Gewinn der Challenge eine Bestätigung, dass wir den Studierenden an der Abteilung Finanzmanagement eine wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Ausbildung bieten. Es zeigt, dass unsere Studierenden im Vergleich zu Studierenden von anderen Hochschulen sehr gut unterwegs sind und dass wir die Konkurrenz mit anderen Schweizer und europäischen Hochschulen nicht scheuen müssen. Schliesslich führt der Gewinn eines solchen Wettbewerbs auch zu mehr Visibilität bei den Studierenden und in der Praxis. Dies wirkt sich positiv auf die Attraktivität unseres Studiengangs aus und erhöht die Berufseinstiegschancen unserer Studienabsolventinnen und -absolventen.

Rahel Zbinden, Sie studieren derzeit im Master Betriebswirtschaftslehre mit Vertiefung Corporate Finance. Wie kam es, dass Sie bei der Challenge mitmachten und sogar Team Captain waren?

Rahel Zbinden: Ich verfolgte die CFA Institute Research Challenge bereits eine Weile, weil ich die Verknüpfung von Theorie und Praxis in Form eines Wettkampfes sehr spannend finde. Als das Institut für Finanzmanagement im September 2020 auf die Möglichkeit hingewiesen hat, bei der Challenge mitzumachen und die zugehörige Vorlesung an der Universität Lausanne zu besuchen, habe ich mich sofort angemeldet. Wir haben gleich zu Beginn unsere individuellen Stärken besprochen, damit wir diese optimal nutzen können. Da ich im Entwickeln von Strategien und Vorausplanen gut bin, habe ich die Rolle als Team Captain übernommen.

Ihr Team besteht aus Daniel Eichenberger, Joel Rathgeb, Colin Simmler und Ihnen, Rahel Zbinden. Wie teilen Sie sich die Aufgaben innerhalb der Challenge auf, falls das überhaupt möglich ist?

Rahel Zbinden: Arbeitsteilung ist bei einer solch grossen Aufgabe unumgänglich. So sind wir alle je für thematische Teilbereiche, wie zum Beispiel Joel für die Markt- oder Daniel für die Finanzanalyse, verantwortlich. Wir legen jedoch Wert auf einen laufenden Austausch und verbringen etliche Stunden mit Zoom-Meetings, um uns gegenseitig zu unterstützen, aber auch kritisch zu hinterfragen.

Inwiefern hat das Studium an der Universität Bern geholfen, die Challenge zu gewinnen? Und inwieweit konnte Sie Philip Valta während der Challenge unterstützen?

Rahel Zbinden: Das technische Wissen haben wir uns an der Universität Bern erarbeitet. Gerade die Vorlesungen «Valuation», «Advanced Valuation» und «Financing and Capital Structure» des IFM sowie auch «Financial Statement Analysis and Valuation» und «Financial Reporting and Corporate Governance» des IUC bieten beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Absolvieren der Challenge. In verschiedenen Workshops zu Storytelling und Präsentationstechniken, organisiert von der CFA Society Switzerland und der Universität Lausanne, haben wir zudem gelernt, unsere erarbeitete Analyse überzeugend zu präsentieren. Professor Valta unterstützte uns in den letzten Monaten mit seinem breiten Wissen im Themenbereich Unternehmensbewertung und stand uns stets mit Rat und Tat zur Seite. Sogar in seinen Ferien nahm er sich Zeit für uns! Dieses Engagement ist für uns Studierende nicht selbstverständlich und wir schätzen es sehr.

Im April 2021 werden Sie an der europäischen Ausscheidung teilnehmen; in den letzten Jahren qualifizierten sich Schweizer Sieger-Teams sogar für den Weltfinal. Welche Chancen rechnen Sie sich aus? 

Rahel Zbinden: Während einem unserer ersten Meetings haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Challenge zu gewinnen. Da die Universität Bern aber zum ersten Mal bei der Challenge teilgenommen hat, konnten wir unsere Chancen schwer einschätzen. Seit letztem Donnerstag sind wir nun tatsächlich das Schweizer Sieger-Team und träumen von einer Qualifikation für den Weltfinal. Wir sind hochmotiviert und dürfen im weiteren Verlauf der Challenge auf die Unterstützung der CFA Society Switzerland zählen. Ich denke, dass wir damit das Rüstzeug für das Erreichen unseres Ziels besitzen. Jetzt gilt es, weiter an unserer Präsentation zu arbeiten, damit wir in der nächsten Runde eine Topleistung abrufen können.

Philip Valta: Meines Erachtens hat das Team der Universität Bern das Potenzial, auch in der nächsten Runde zu bestehen und weiterzukommen. Die Studierenden arbeiten nach wie vor sehr hart an ihrer Präsentation. Diese muss bis ins kleinste Detail stimmen. Die tolle Unterstützung der CFA Society Switzerland ist zudem sehr wertvoll, da sie viel Erfahrung im Betreuen der Schweizer Teams im internationalen Wettbewerb hat. Ich drücke dem Team Bern auf jeden Fall ganz fest die Daumen!

Wird sich auch künftig ein Team Bern bei dieser Challenge messen?

Philip Valta: Ich habe als Betreuer das erste Mal bei der CFA Challenge Switzerland mitgemacht und freue mich, dass es direkt zum Sieg für das Team der Universität Bern gereicht hat. Das motiviert mich natürlich ganz besonders. Zudem habe ich den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen von den anderen Hochschulen und der CFA Society Switzerland sehr geschätzt. Ich werde deshalb im nächsten Jahr wiederum versuchen, Berner Studierende für diesen Wettbewerb zu begeistern.

Zu den Personen

Philip Valta ist ordentlicher Professor am Institut für Finanzmanagement (IFM) und geschäftsführender Direktor der Abteilung Finanzmanagement im Departement Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern. 

Rahel Zbinden studiert im Master Betriebswirtschaftslehre mit Vertiefung Corporate Finance. Sie arbeitet zudem Teilzeit als Investment Analyst bei der BV Holding AG in Gümligen.

Kontakte:

Prof. Dr. Philip Valta
Institut für Finanzmanagement, Universität Bern
E-Mail: philip.valta@ifm.unibe.ch

Rahel Zbinden
E-Mail: rahel.zbinden@students.unibe.ch

INSTITUT FÜR FINANZMANAGEMENT (IFM)

Die Abteilung Finanzmanagement befasst sich mit der Ausbildung, Forschung und Beratung in den Bereichen Corporate Finance und Finanzmärkte.

CFA Society und CFA Institute Research Challenge

Die CFA Society Switzerland ist als Verband eine der grössten innerhalb der CFA Institute Society und examiniert jährlich rund 1‘500 Analystinnen und Analysten. CFA Institute, der globale Berufsverband für Investmentmanager, veranstaltet die jährlich stattfindende Research Challenge seit 2007. In der Schweiz wurde der Wettbewerb 2021 zum zwölften Mal durchgeführt. Weltweit nahmen über 6’400 Studenten von rund 1'100 Universitäten in 98 Ländern teil. In der Schweiz traten zusammen mit Liechtenstein diesmal 32 Teams von 12 Universitäten bzw. Fachhochschulen mit insgesamt über 142 Studierenden zu den Vorausscheidungen an, was eine Rekordbeteiligung ist und das grosse Interesse der Studierenden und der Universitäten zeigt.

Zur Autorin

Sylvia Löwe ist Social Media Managerin beim Online Marketing in der Abteilung Kommunikation & Marketing.