«Le Roi David»: Kontraste für Aug und Ohr
«Der Chor» führt den symphonischen Psalm «Le Roi David» von Arthur Honegger auf. Das Spektakel verspricht nicht nur ein Ohrenschmaus zu werden – eine aufwendige Projektion zeigt Bilder, welche die Geschichte Davids erzählen. Der «König David» ist einer der Gewinner des Spotlight-Wettbewerbs zum Uni-Jubiläum.
Von Hannah Dotzauer
Musik und Bilder für Augen und Ohren: Rund 60 Studierende der Uni, der
PH und der Hochschule der Künste (HKB) in Bern werden an den kommenden
beiden Wochenenden auf der Bühne stehen, wenn «Der Chor» die uralte
wunderbare Geschichte von König David erzählt. David? Das war doch der
mit der Harfe und der Steinschleuder. Aber wer hat das Stück noch
gleich komponiert? Den Schweizer Komponisten Arthur Honegger
(1892-1955) kennen die einen wohl wegen «Pacific 231», seinem
ungewöhnlichen musikalischen Porträt einer Dampflokomotive, und alle
anderen von der 20-Franken-Note.
Als er Ende Februar 1921 mit der
Komposition von «Le Roi David» beginnt, ist er noch nicht dreissig
Jahre alt. Nur zwei Monate später schliesst er sie ab, und im Juni des
selben Jahres folgt die Uraufführung in Mézières, einem Dörfchen bei
Lausanne. «Man hört, dass der Komponist noch jung war, die Musik ist
sehr dynamisch», sagt Rudolf Kämpf, Dirigent und Musikdozent für
musische LehrerInnenbildung. Deshalb freut es ihn besonders, das Stück
mit jungen Chormitgliedern und dem Studentenorchester der HKB
aufzuführen.
Mal Klageweiber, mal Soldaten
Der Sinfonische Psalm für Sprecher, Soli, Chor und Orchester besingt
den Aufstieg des biblischen David vom Hirten zum König und Propheten.
Der erste Teil erzählt von den Heldentaten des jungen David, in welchem
der legendäre Kampf gegen Goliath den dramatischen Höhepunkt bildet.
Der zweite Teil berichtet vom Siegesfest sowie dem Tanz des Königs vor
der Bundeslade, und der letzte Teil beschreibt die Prüfung im Alter und
endet mit dem Tode Davids.
Die Rolle Davids wird im Wechsel von den drei Solostimmen und dem
Erzähler übernommen. Die vielfältige Rolle des Chors verleiht dem Stück
zusätzlich Dynamik. «Mal stellen die Sänger Klageweiber, mal Soldaten
dar», beschreibt der Dirigent. Und an manchen Stellen verkörpert der
Chor das ganze israelische Volk. Obwohl es eine deutsche Übersetzung
aus den 30er Jahren gebe, habe man sich bewusst für den ursprünglichen
französischen Erzähltext des Waadtländer Dichters René Morax
entschieden, so der Dirigent. Denn der gründete das «Théâtre du Jorat»
in Mézières – also den Ort der Uraufführung – und hatte Anfang der 20er
Jahre Honegger als Komponisten für den Psalm gesucht und gefunden.
Anfangs zäh, doch dann packend
Zum besseren Verständnis des Textes trägt die Konzert-Projektion der
Künstler Kate Burgener und Jürg Lüdi vom Atelier «Poolart» in Bern bei.
Sie liessen sich von Gemälden, Skizzen und Fotos der Uraufführung von
1921 inspirieren. Die Visualisierung umfasst einerseits Collagen aus
diesem Bildmaterial und andererseits Typographien: eingeblendete
Begriffe, die den Text des Erzählers leichter verständlich machen
sollen.
Solche Projektionen sind die Spezialität des 2001 gegründeten Chors,
der jedes Jahr im Frühsommer ein Konzert gibt und sich zum grossen Teil
aus Berner Studentinnen und Studenten zusammensetzt. «Das Spektrum an
Themen und Stilrichtungen unserer Konzerte ist breit», so Dirigent
Kämpf. Ihm bedeutet es sehr viel, dieses Stück nach vier Jahren
Planungsphase nun endlich aufzuführen. «Mit 19 Jahren habe ich das
Stück zum ersten Mal gesungen», erzählt er. «Schon damals hat es mich
sehr berührt. Es steckt so viel Hoffnung darin.» Wie ein schönes
Gemälde lebe auch ein musikalisches Werk von den Kontrasten, findet er.
Und «Le Roi David» ist kontrastreich: Harmonische, wohlklingende
Choräle wechseln sich mit äusserst dissonanten Stellen ab. «Für mich
ist das Werk wie ein gutes Buch», schliesst Rudolf Kämpf. «Am Anfang
ist es zäh, doch dann lässt es einen nicht mehr los.»
Hannah Dotzauer ist Studentin und Redaktorin des unikum, dem Magazin der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB).