Recht & Wirtschaft
07.05.2012
In der Schweiz sind Biotreibstoffe mit einer positiven Ökobilanz und aus fairer Produktion steuerbefreit. Gleichzeitig hat die Welt ein grosses Problem mit dem Hunger. Am World Trade Institute der Universität Bern werden die Zusammenhänge zwischen der Förderung alternativer Energiequellen und dem Wettbewerb um gutes Agrarland untersucht.
pd/bj/es. Erneuerbare Energieformen sind derzeit sehr gesucht – insbesondere auch in erdölarmen Entwicklungsländern. «Gefunden werden sie – im Falle des Biotreibstoffs – auf dem eigenen Ackerland, was den Einheimischen auf dem Feld und bei der lokalen Verarbeitung zu Ethanol Arbeit verschafft», wie Christian Häberli vom World Trade Institute und vom Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «Trade Regulation» erklärt. Dies könne zur nachhaltigen Sicherung ihrer Existenz mehr beitragen als die heutige Bedarfswirtschaft. Für die Produzenten bedeute das zudem eine Risikoversicherung gegen die zunehmenden Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln, beispielsweise bei Zucker oder Palmöl. Und: Mit den Investitionen könnten auch die ländliche Entwicklung, die Infrastruktur und neue Technologien gefördert und die Landflucht verringert werden.

So weit so gut – doch Häberli zeigt Probleme auf, die in dieser Entwicklung entstehen können: Brasilien verfolgt diesen Ansatz seit Jahrzehnten und hat dazu sogar die passenden Hybridautos entwickelt, die beliebig Benzin und Ethanol aus Zuckerrohr verwenden können. «Umweltschützer kritisieren zu Recht die Entwaldung, die entstehenden Monokulturen und die generell negative Öko-Bilanz der Biotreibstoffproduktion.» Und: «Auch die USA und die EU sind auf den gleichen Zug gesprungen und haben mit massiven Subventionen ihren Mais, Raps und Rübenzucker ‹verestert›, das heisst, ebenfalls in Treibstoff aus Ethanol verwandelt», führt Häberli aus. Gleichzeitig verteuerten sie den Import von Ethanol um ihre Inlandproduktion zu schützen.
«Ein Karrussell wurde angestossen, das sich seither immer schneller dreht», erklärt der Berner Forscher: In den USA werden mittlerweile 40 Prozent der Maisproduktion zu Sprit. Das wiederum verteuert das Maismehl für die Tortillas in Mexiko und das Viehfutter im eigenen Land. «Ärmere Entwicklungsländer können bei diesen Bedingungen nicht mithalten: Sie haben zuwenig Agrarland und Landrechtsschutz, keine Subventionsmöglichkeit – und Hunger», fasst Christian Häberli zusammen. Zusätzlich verschärft die Enteignung und Vertreibung von Kleinbauern die Ernährungslage. Das Resultat: Soziale Probleme sowohl auf dem Land als auch in den Städten.

Am World Trade Institute der Universität Bern sucht Christian Häberli nach den Bedingungen unter welchen auch ärmere Entwicklungsländer mit genügend Land und Wasser von dieser neuen Verdienstmöglichkeit profitieren könnten. «Es wäre grundsätzlich möglich», so der Forscher: Erste Resultate zeigen, dass dies mit international festgelegten Produktionsstandards, mit einem globalen Subventionsverzicht und mit umwelt- und sozialverträglich zertifizierten und öffentlich einsehbaren Abnahmeverträgen möglich wäre. «Diese Hürden sind allerdings sehr hoch – aber vielleicht können eines Tages auch Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer einen Beitrag an die Ernährungssicherheit in Afrika leisten», hofft Häberli.
Gion Calzaferri,
08.05.2012, 11:34
Biokraftstoffe aus Ackerbau sind nicht nachhaltig
Während bessere Nutzung von Biomasse aus Forst- und Landwirtschaft, sowie aus ARA’s sinnvoll ist, sind Biotreibstoffe aus Ackerbau mit schweren Problemen behaftet. Dieser Treibstoff ist weder ökologisch, ökonomisch, noch effizient. Er ist auch nicht nachhaltig. Gefördert wird diese Form der Energieumwandlung ja nur, um Probleme der modernen Landwirtschaft zu kaschieren und um Bauern zu besänftigen. Ich möchte Sie auf den lesenswerten Artikel von G. Kreysa in Chemie in Unserer Zeit (Irrungen und Wirrungen um Biokraftstoffe) 2010, 44, 332-338 aufmerksam machen. Es gibt auch eine Studie der EMPA zu diesem Thema, deren Lektüre ich empfehle.
Im Gegensatz zu den sogenannten Biotreibstoffen ist die Nutzung von Photovoltaik nachhaltig und beansprucht weder Wasser, Düngemittel noch guten Boden, so dass bei der Anwendung dieser Technologie u.a. auch keine Regenwälder abgeholzt werden müssen. Bei gescheiter Organisation der Verbraucher ist das Speicherproblem viel kleiner, als oft dargestellt.