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Hintergrund

23.07.2012

«A» wie Aareschwumm

Die Eifrigen werfen sich schon an Ostern ins Wasser, die «Gförlis» warten bis im August – doch kein Berner Sommer ohne Aarebad. «uniaktuell» erklärt in seiner Sommerserie, wie sich der Fluss aufwärmt.

«uniaktuell»: Alle Bernerinnen und Berner tun es immer wieder – sie tauchen ab in die kühle Aare. Wie steht es eigentlich mit der Wassertemperatur, wie schnell erwärmt sich der Fluss? Welche Rolle spielen die Schleusen, das Wetter und das Gletscherwasser?

Bruno Schädler: Der Thunersee macht die Aare-Temperatur: Wie jeder See ist er im Sommer geschichtet – oben befindet sich warmes, spezifisch leichteres Wasser, gegen unten wird dieses kälter und schwerer. Je länger der Sommer dauert, desto mehr Sonneneinstrahlung nimmt der See auf und umso wärmer wird er an der Oberfläche. Da viel Schmelzwasser von Schnee und Gletschern in den Thunersee fliesst, braucht die Erwärmung Zeit. Der Startpunkt im März liegt bei kühlen 5 bis 6 Grad Celsius.

Erfrischt von Kopf bis Fuss - ein Aareschwumm. (Bild: AK)

Bei normaler Witterung – bei wenig oder südlichem Wind – fliessen die oberflächennahen Schichten des Thunersees in die Aare ab, die in Thun etwa gleich warm sind wie der See. Die Stellung der Schleusen in Thun auf die Aare-Temperatur hat einen weniger grossen Einfluss als oft zitiert. Auf dem Weg nach Bern wärmt sich das Wasser nur unmerklich auf. Die wärmste Zeit ist im August – im Mittel liegt die Aare-Temperatur bei 17.2 Grad, das Maximum wurde im Jahr 2003 mit 23.5 Grad gemessen. Die maximalen Temperaturen werden jeweils um 16 Uhr erreicht: Man macht also am besten früh Feierabend. Wenn aber ein rauer Wind aufzieht und über mehrere Stunden von Thun Richtung Interlaken bläst, schiebt er die wärmere Oberschicht des Sees gegen Interlaken. Das heisst: In Thun fliessen die kälteren Schichten an die Oberfläche, schliesslich in die Aare und als Kältewelle nach Bern.

«Gfrörli» hin oder her - in der Aare oder im Fluss auf Fraser Island: Bruno Schädlers Element ist das Wasser. (Bild: zvg)

Dass ein See meist wärmer und ein Fluss kälter ist – das ist das Resultat der Energiebilanz an der Wasseroberfläche. Sie ist ein Zusammenspiel von Sonneneinstrahlung am Tag, Wärmeabstrahlung in der Nacht, Lufttemperatur, Höhenlage und Wind. Massgeblich sind zudem der Grad der Wasserdurchmischung und die Zuflüsse kalten Schmelzwassers. Ich selber bin ein ziemlicher «Gfrörli» und steige am liebsten ab 19 Grad ins kühle Nass. (Bruno Schädler / bj)

 

Zur Person:
Dr. Bruno Schädler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gruppe Hydrologie des Geographischen Instituts der Uni Bern. Er  beschäftigt sich mit Klimaänderung und Hydrologie, mit Gebirgshydrologie und dem Wasserhaushalt der Schweiz.

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Messungen des BAFU

Die Landeshydrologie (heute BAFU) misst seit den 1960er Jahren die Temperaturen der grösseren Bäche und Flüsse. Zuerst nur vereinzelt, dann – um die Auswirkungen der Kühlwassereinleitungen von Kernkraftwerken zu verfolgen – in einem grösseren Messnetz. Seit den 1990er Jahren wurde das Netz abermals ausgebaut, um die Auswirkungen der Klimaänderungen zu untersuchen. Daten und Auswertungen findet man im Hydrologischen Jahrbuch des BAFU, auf der BAFU-Website und im Hydrologischen Atlas der Schweiz, welcher unter der Leitung des Geographischen Instituts erstellt wird.


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