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Hintergrund

27.12.2012

Von A bis Z durchs 2012

Es wurde fleissig geforscht, gelehrt, referiert und auch prominenten Besuch – wie etwa EU-Botschafter Richard Jones und Bundesrat Alain Berset – empfangen: Die Uni Bern hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Ein Rückblick.

Von Sandra Flückiger und Bettina Jakob

A wie Auszeichnungen: Neun Ehrendoktortitel und fünf akademische Preise – die Universität Bern hat an ihrer 178. Stiftungsfeier zahlreiche Auszeichnungen vergeben. Unter den Geehrten sind die bekannte Schriftstellerin Eveline Hasler und Koryphäen aus allerlei Disziplinen, etwa aus der Gefängnis-Seelsorge, der Ökonomie, der Wirtschaftsinformatik, Weltraumforschung, Morphologie, Kognitionspsychologie oder aus den Ingenieurwissenschaften.

B wie Bestäubung: Blüten, die weniger Nektar produzieren, werden bestraft. Dies zeigt die Studie einer Berner Biologin. Sie beobachtete, dass Tabakschwärmer weniger Zeit an Petunien-Blüten verbringen, die kleine Mengen an Nektar als Belohnung offerieren. Dies wiederum hat zur Folge, dass die entsprechenden Pflanzen weniger Samen produzieren, was ihre Verbreitung verhindert.

C wie Vitamin C: Sein Ruf ist gut, es gilt als omnipotentes Heilmittel – das Vitamin C, welches von Nobelpreisträger Tadeus Reichstein 1932 erstmals synthetisch hergestellt wurde. In der «Medizinhistorischen Runde» wurde die Geschichte der Ascorbinsäure aufgerollt. Das Institut für Infektionskrankheiten zeigte ausserdem, dass Vitamin C bereits für das Gehirn des Fötus wichtig ist: Bei Mangel entwickelt sich der Hippocampus, der für das Lernen und das Gedächtnis wichtig ist, bei Meerschweinchen-Neugeborenen schlechter.

Mit guter Ernährung kaum ein Vitamin C-Mangel bei einer schwangeren Frau – und damit keine Probleme für den Fötus. (Bild: istock)

D wie DARPin: Forschende des Instituts für Immunologie haben herausgefunden, wie allergische Reaktionen behoben werden könnten. Ein künstliches Molekül – genannt «DARPin» – heftet sich an die körpereigenen Antikörper und hemmt den Allergie-Auslöser. Diese Erkenntnisse sind insbesondere für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Allergien wichtig.

E wie Europatag: Europäische Forschungskooperationen seien wichtig, davon hänge Europas Wirtschaft und Erfolg ab: EU-Botschafter Richard Jones betonte am Europatag 2012 an der Uni Bern die Wichtigkeit einer «grenzenlosen» Forschung. Der Weg zur heutigen EU habe die Überwindung von nationalstaatlichen Grenzen und neues Denken erfordert. Der gleiche Mut sei für eine erfolgreiche und innovative Forschung nötig.

F wie fliegende Frösche: Nobelpreisträger Andre Geim war Gast an den «Einstein Lectures» und erzählte, wie er den potenziellen Wunderstoff Graphen entdeckte: Statt Graphit zu schleifen, benutzte er Klebeband um eine Schicht, die nur ein Atom dick ist, zu lösen. Spielerische Ideen hatte er bereits vorher: Bei spassigen «Friday Night Experiments» liess er allerlei Materialien – darunter Frösche – in einem Magnetfeld schweben.

Mit simpler Methode zum Durchbruch: Physiker Andre Geim schildert, wie er Graphen entdeckt hat. (Bild: Annette Boutellier)

G wie Gewand: Der Engel Gabriel erscheint der Jungfrau Maria – auf Wandbehängen, Fahnen, auf der Kleidung der Geistlichen: Textilien erzählten im Mittelalter Geschichten. Eine Ausstellung der Abegg-Stiftung erlaubte einen Blick in eine besondere Kunst. Die Stiftung unterhält einen Lehrstuhl für «Geschichte der textilen Künste» am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern.

H wie Hauptstadt: Hauptstädte sind etwas besonderes: Sie beherbergen nationale und politische Institutionen, private Akteure, Lobbyisten und Verbände. Es entsteht ein spezielles Wertschöpfungssystem, welches sich nicht über seine wirtschaftliche Dynamik, Innovationskraft oder internationale Orientierung auszeichnet, sondern subtiler, über Bezüge der Akteure untereinander, die Nation präge. In der Schweiz sind laut einer Studie des Geographischen Instituts und des Kompetenzzentrums Public Management viele dieser Funktionen auch auf andere Metropolitanräume verteilt. Der neue Verein Hauptstadtregion Schweiz will neben den Metropolitan-Räumen Zürich, Basel und dem Bassin Lémanique Akzente setzen.

I wie international: Neuropsychologie in València? Französisch in Paris oder Geologie in Ankara? Seit 25 Jahren können Studierende mit dem Erasmus-Austauschprogramm der EU bis zu einem Jahr im europäischen Ausland studieren. Die beliebteste Destination bei den Bernerinnen und Berner ist Frankreich, gefolgt von Deutschland, Spanien, Schweden und Finnland. Die Uni Bern ist auch Temporär-Heimat für ausländische Studierende – in diesem Jahr konnte das Internationale Büro den 1500. Incoming-Student begrüssen.

J wie Jus-Studis: Am schweizweit grössten Jus-Wettbewerb – dem «Swiss Moot Court» – schlüpfen Studierende in die Rolle von Rechtsanwälten. Das Team der Uni Bern mit Manuela Tschümperlin, Frauke Heidemann und Patrick Renz holte mit hervorragenden Plädoyers, stichhaltigen Argumenten und einem sicheren Auftreten den Sieg.

K wie Kollision: Die Berner Weltraumforschenden blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Ihre Theorie, dass die Kollision zwischen Erde und dem Planeten «Theia» – aus welcher der Mond entstanden ist – frontaler sein könnte als vermutet, mischte die Weltraumforschung auf. Ausserdem hat ein Schweizer Weltraumprojekt unter Leitung des «Center for Space and Habitability» der Uni Bern den Zuschlag für die erste sogenannte «S-class»-Mission des Wissenschaftsprogramms der Europäischen Weltraumorganisation ESA erhalten. Ein Satellit namens «CHEOPS» soll Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems erforschen.

So wird er aussehen – der CHEOPS-Satellit. (Bild: Swiss Space Center, EPFL)

L wie Löten: «Wir garen auf der offenen Wunde – wie ein Spiegelei», erklärt Physiker Martin Frenz von der Uni Bern eine neuentwickelte Lasertechnologie. Denn Laser kann in der medizinischen Anwendung nicht nur als Skalpell dienen, sondern auch zum Wundverschluss. Die vielversprechende Idee der Uni Bern und der Storz Endoskop Produktion GmbH wurde mit dem KTI Medtech Award ausgezeichnet.

M wie Muttermilch: Die Sozial- und Präventivmediziner der Uni Bern zeigen, dass Muttermilch der Lunge gut tut. Im Vergleich zu Kindern, die keine Muttermilch erhalten haben, weisen Kinder im Schulalter, die über vier Monate oder länger gestillt worden waren, eine bessere Lungenfunktion auf – und zwar ob die Mutter Asthma hat oder nicht. Das steht im Gegensatz zu einer Studie aus den USA, die attestiert hatte, dass Kinder von asthmakranken Müttern ein höheres Risiko hätten, später selber an einer Atemwegskrankheit zu leiden.

N wie Neuro: Wird unsere rechte Hand berührt, löst dies eine Aktivität in der linken Gehirnhälfte aus – was diese der rechten Hirnhälfte signalisiert. Berner Neurowissenschaftler haben herausgefunden, wie sich die beiden Hirnhälften untereinander abstimmen – und auch unterdrücken. Ein Mechanismus, der bei Schlaganfall-Patienten oft gestört ist: Eine Hirnhälfte ist «hyperaktiv», weil sie von der anderen nicht mehr gebremst wird. Das äussert sich im Neglekt-Syndrom, bei dem die Betroffenen die linke Seite nicht wahrnehmen können. Durch Magnetimpulse kann die Hyperaktivität der gesunden Gehirnhälfte nachhaltig heruntergesetzt und damit die gesamte Wahrnehmung normalisiert werden.

O wie Online: Die Universitätsbibliothek erobert das Internet: Seit diesem Jahr findet man nicht nur die wichtigsten Zeitschriften, die sich mit der Geschichte des Kantons Bern befassen, im Internet. Adressbücher der Stadt Bern wurden ebenfalls digitalisiert. Und mit «Literapedia» steht neu ein umfangreiches Lexikon zur Belletristik aus Stadt und Kanton Bern zur Verfügung.

Bunt, bunter, am buntesten: Papageien faszinieren mit ihrem Gefieder. (Bild: istock)

P wie Papagei: Die Verwandtschaft unter den Papageien mit rund 350 Arten ist so bunt wie ihr Gefieder selbst. Zoologe Manuel Schweizer kann mit seinen genetischen Analysen von rund 100 Arten aus allen Kontinenten beweisen, dass die Vorfahren aller heute lebenden Papageienarten in der australischen Region gelebt haben müssen.

Q wie Qualität: Wieder mehr Studierende an der Uni Bern: An der Jahresmedienkonferenz konnte Bruno Moretti, Vizerektor Lehre, die Studierendenzahlen präsentieren, die sich um die 16'000-er Grenze bewegen. Ein Drittel der angehenden Masterstudierenden stammt von anderen Universitäten, was für eine gute Qualität spricht, obwohl Bern den tiefsten Kantonsbeitrag pro Studierenden erhält. Rektor Martin Täuber und Verwaltungsdirektor Daniel Odermatt betonten, wie wichtig es sei, dass für die Aufrechterhaltung der Qualität der Regierungsrat den Finanzplan für die nächsten vier Jahre beibehalte.

R wie Rio+20: Wenige Tage bevor in Rio de Janeiro 50'000 Menschen über Nachhaltige Entwicklung debattierten, wurde auch an der Universität Bern diskutiert: An einer Veranstaltung des Centre for Development and Environment (CDE) sprachen Vertreter der Schweizer Rio+20 Delegation über die mögliche Rolle der Schweiz. Während der UNO-Konferenz berichtete Delegationsmitglied Hans Hurni, Präsident des CDE-Ausschusses, exklusiv über seine Erlebnisse und Erkenntnisse in Rio.

S wie schwarze Spinne: Jeremias Gotthelf wird neu entdeckt. Die ersten acht Bände der historisch-kritischen Gesamtausgabe zeigen den gemeinhin als Heimatdichter bekannten Schriftsteller als streitbaren Zeitgenossen, politischen Kommentator und Satiriker. Dass das Interesse an Gotthelf noch immer gross ist, zeigte die Buchvernissage: Die Heiliggeistkirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Eine Feier vor vollen Rängen: Die Vernissage der Gotthelf-Edition in der Heiliggeistkriche. (Bild: Adrian Moser)

T wie Tierschutz: Für seine Untersuchungen zu Haltungsbedingungen von Versuchstieren wird der Berner Tierschutz-Professor Hanno Würbel mit einem «ERC Grant» ausgezeichnet. Ebenfalls einen Grant erhält die Zellbiologin Emi Nagoshi für ihre Forschung zur Parkinson-Krankheit. Der Europäische Forschungsrat unterstützt die beiden Forschenden mit insgesamt 3,3 Millionen Franken.

U wie Unternehmertum: Die Uni Bern strotzt vor kreativem Potenzial und innovativen Ideen, doch scheitert das Ganze häufig an der Umsetzung. Professor Artur Baldauf vom IMU schafft Abhilfe: Der «Berner Business Plan Wettbewerb» (BBPW) dient als Plattform, um Geschäftsideen zu entwickeln, anhand eines Businessplans zu konkretisieren und schliesslich erfolgreich am Markt einzuführen.

V wie Vereinsleben: Ehrenamtliche Tätigkeiten gelten als sozialer Kitt einer Gesellschaft und sind vor allem für die Schweiz und ihre Demokratie von zentraler Bedeutung. Am Institut für Politikwissenschaft wurde deshalb eine Forschungspartnerschaft mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) eingerichtet, die sich der Freiwilligenarbeit – zum Beispiel dem Vereinsleben – und deren gesellschaftlicher Bedeutung widmet.

W wie Wahlkampf: Die SVP macht anders Wahlkampf als die anderen. Eine Analyse der Inserate aus Tages- und Wochenzeitungen im Vorfeld der nationalen Wahlen 2011 zeigt, dass die SVP auf Themen statt Köpfe, permanenten Wahlkampf und nationales Zielpublikum setzte. Die Daten des Teams der Année Politique Suisse am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern zeigen, dass SVP und FDP im Wahlkampf am meisten Geld für Inserate aufwandten.

X wie Xenon: Das Edelgas Xenon spielt eine wichtige Rolle im «Enriched Xenon Observatory 200» (EXO-200)  – einem internationalen Experiment mit Berner Teilchenphysikern. Sie wollen herausfinden, ob Neutrinos sich anders verhalten als andere Elementarteilchen. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Masse von Neutrinos sehr leicht sein muss, nämlich weniger als zwischen einem 140-Tausendstel bis 380-Tausendstel eines Elektronenvolts – der Masseneinheit, die in der Teilchenphysik verwendet wird. Im Vergleich dazu wirkt das winzige Elektron geradezu schwer: Es weist eine Masse von etwa 500'000 Elektronenvolt auf.

Y wie Yoga: Nichts Neues im Programm des Unisports, aber stets beliebt, um in diesen hektischen Zeiten etwas Ruhe und Entspannung zu finden.

Begeistert verfolgt Bundesrat Alain Berset mit Kindern den Start einer selbst gebastelten Rakete. (Bild: Manu Friederich)

Z wie Zukunftstag: Bundesrat Alain Berset hat der Uni Bern einen Überraschungsbesuch abgestattet. Voller Begeisterung verfolgte er einen Raketenstart en miniature, zusammen mit Fünft- bis Siebtklässlern, die am Nationalen Zukunftstag teilnahmen und an der Uni Bern die Weltraumforschung und das Center for Space and Habitability (CSH) kennen lernten.

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