Recht & Wirtschaft
03.04.2012
Ein Sportzentrum ist ein Glücksfall für Wirtschaft und Gesellschaft – wenn das Projekt richtig angegangen wird. Der Wirtschafts-wissenschaftler Lukas Brunner untersucht in seiner Studie die regionalökonomische Be-deutung von Sportzentren.
Von Matthias Meier
Schwimmbad, Mehrzweckhalle, Fitnesscenter und Kletterwand unter einem Dach: Das bietet etwa das Sportzentrum Linth-Arena in Näfels. Solche Zentren zahlen sich aus, insbesondere in touristisch geprägten Regionen, wie der Ökonom Lukas Brunner an der Forschungsstelle Tourismus am Center for Regional Economic Development (CRED) der Universität Bern herausfand. Die jährlichen positiven Gesamteffekte für eine Region können bis zu 20 Millionen Franken ausmachen. Für seine Dissertation untersuchte der Walliser die regionalökonomischen Effekte an fünf Fallbeispielen.
Die wirtschaftlichen Gewinne sind dabei vielfältig: Bereits beim Errichten eines Sportzentrums profitiert die lokale Wirtschaft, «sofern das regionale Baugewerbe berücksichtigt wird», präzisiert Lukas Brunner. Aber auch in der Betriebsphase kurbelt eine Sportanlage die Wirtschaft an – denn sie schafft Arbeitsplätze: «Trainings-Betrieb, Catering, Unterhalt von Hallen und Garderoben – je nach Grösse einer Anlage entstehen so bis zu 80 Vollzeitstellen. Für ländliche Gebiete bedeutet das eine erhebliche Belebung des Arbeitsmarktes», erklärt Brunner. Meist können diese Argumente die Bedenken von Kritikern zerstreuen, die befürchten, dass Sportzentren durch hohe Betriebskosten die öffentliche Hand belasten oder negative Auswirkungen auf das Landschafts- oder das Ortsbild haben.

Beim Besuch eines Sportzentrums treten aber noch verschiedene weitere Effekte auf: Bereits die Anreise der Besucher bringt Umsatz, davon profitieren Transportunternehmen oder Parkplatzbetreiber. Der Eintritt in eine Anlage oder die Nutzung von Sportgeräten ist ein weiterer Profit. «Viele Besucher verpflegen sich ausserdem in einem Sportzentrum», so Lukas Brunner, «all diese Ausgaben können in einer Region beträchtliche Umsätze generieren.» In Tourismusregionen lohnen sich Sportzentren noch mehr: Die Durchführung von Events zieht Gäste an oder kann deren Aufenthaltsdauer verlängern, davon profitieren Hotels und Gastronomie. Ein Bekanntes Beispiel hierfür ist etwa der Spengler Cup im Sportzentrum Davos: «Das Eishockey-Turnier in der Altjahreswoche zieht alljährlich tausende Touristen in die Bündner Berggemeinde», erläutert Brunner.

Die lokale Bevölkerung profitiert aber nicht nur wirtschaftlich von einem Sportzentrum – auch positive soziale Effekte sind festzustellen: Die Möglichkeiten und Angebote animieren laut Brunner zur sportlichen Betätigung. Und auch die regionale Identität könne durch einen schönen Sportpark gestärkt werden, dann etwa, wenn er einen erfolgreichen Sportverein beherberge oder als architektonisch bemerkenswerter Bau zum Symbol einer Region werde und das Image des Orts fördere. Damit das Projekt eines Sportzentrums aber auch wirklich gelingt, ist das Management entscheidend: Ein Projekt könne nur gelingen, wenn umliegende Gemeinden und Politik am gleichen Strick ziehen. Zudem sei wichtig, dass verschiedene Vereine mit eingebunden sind, «denn sie tragen das Bild eines Sportzentrums nach aussen», so Brunner.