Gesundheit
12.04.2007
Immer häufiger wirken Antibiotika bei Infektionen nicht mehr: Ein neues Überwachungssystem des Nationalen Forschungsprogramms erfasst nun antibiotikaresistente Bakterien und im Internet können dazu Infos abgerufen werden.
Vor zehn Jahren kam nur es einige Male pro Jahr vor, heute bereits wöchentlich: Eine Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern in einem Schweizer Spital. Mindestens 80 von den jährlich 1000 Betroffenen sterben an einem nicht behandelbaren Infekt. Dies zeigen die ersten Resultate des Überwachungssystems «Search», das im Nationalen Forschungsprogramm «Antibiotikaresistenz» (NFP 49) entwickelt wurde. Ab sofort können Daten und Informationen über Antibiotikaresistenzen per Internet abgerufen werden, wie die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz bekannt gaben. Gemäss Kathrin Mühlemann, Professorin am Institut für Infektionskrankheiten der Uni Bern, ein wichtiger Schritt – denn: «Wenn keine Massnahmen ergriffen werden, könnte das Problem der Antibiotikaresistenzen rasch zu einer wesentlichen Bedrohung für die Bevölkerung werden.»

Tendenz steigend
Bis jetzt treten aber glücklicherweise nur wenige resistente Bakterienarten in der restlichen Schweizer Bevölkerung auf, nämlich einige Stämme von Staphylokokken und Darmbakterien. In Amerika sei aber deren Verbreitungsrate bereits viel höher, so Kathrin Mühlemann – auch im Vergleich mit den direkten Nachbarn stünde die Schweiz zurzeit «relativ» gut da. «Aber die Tendenz ist auch bei uns klar steigend.» Die antibiotikaresistenten Bakterien verursachen Blutvergiftungen, Wundinfektionen und Lungenentzündungen.
Zukunft unklar
In der neuen Antibiotika-Datenbank «Search» werden laufend Angaben aus 22 mikrobiologischen Labors aus der ganzen Schweiz zusammengetragen. Gemäss Medienmitteilung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sind damit rund 80 Prozent der Spitaltage und 30 Prozent der Ärztinnen und Ärzte abgedeckt. Aufgeführt werden resistente Bakterienarten, aber auch Verkaufszahlen und Konsumangaben der Medikamente, damit festgestellt werden kann, welche Antibiotika in welchen Mengen geschluckt werden.
Die Projektverantwortlichen empfehlen, die Überwachungsdatenbank zu einer Informationsplattform weiterzuentwickeln – einem Nationalen Antibiotikaresistenzzentrum. Allerdings ist die Zukunft von «Search» ungewiss: Bis Ende Jahr kann die Datenbank noch mit Geldern des NFP 49 unterhalten werden. Dann fehlen jährlich 400'000 Franken in der Kasse, selbst wenn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Uni Bern wie angekündigt je 150'000 Franken zur Verfügung stellen.
Jetzt handeln
Muss man sich nun vor einem Spitalaufenthalt fürchten? «Infektionen wird es in den Krankenhäusern immer geben», stellt Kathrin Mühlemann klar. Man könne aber zu verhindern versuchen, dass diese durch einen hochresistenten Keim verursacht würden. Die «Search»-Datenbank erlaube es, das Problem zu orten, zu messen und zu überwachen. «Doch jetzt müssen daraus Massnahmen erwachsen – wie etwa klare Therapieempfehlungen», so die Expertin für Infektionskrankheiten.