25.09.2018 | Studium |

Viele Erfolgswege nach der Uni

Mit einem Uniabschluss hat man beste Chancen auf einen attraktiven Job. Doch längst nicht immer halten sich gut ausgebildete und innovative junge Menschen an den vorgezeichneten Weg: Das Wissenschaftsmagazin UniPress stellt junge Menschen vor, die nach der Uni Neues wagen.

Von Timm Eugster

Martina Jakob ist Idealistin – schon als Jugendliche wollte sie die Welt verbessern. Doch wie geht das genau, und kann man das an der Uni lernen? Heute führt die 26-jährige Soziologin die NGO Consciente, die sie gegründet hat, um Schulkinder in El Salvador zu unterstützen. Wissenschaftliche Methoden helfen ihr, Projekte durchzuführen, die nicht nur gut gemeint, sondern auch wirksam sind. Kürzlich hat sie den mit 50‘000 Franken dotierten Impact Evaluation Award der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA gewonnen.

Nachhaltig kreativ

Als Raphael Reber an der Universität Bern seine Bachelorarbeit in Betriebswirtschaftslehre schrieb, erhielt er das Angebot, ein Call-Center in Pakistan zu führen. Er sagte zu – und machte parallel dazu den Uniabschluss. Danach gründete der 26-Jährige den Impact Hub Bern mit: Hier lancieren junge Kreative ihre Projekte, die auch einen Beitrag zur Umsetzung der 17 UNO-Nachhaltigkeitsziele Ziele leisten sollen.

Neues wagen

Wer studiert, weiss nicht immer von vornherein, was dabei herauskommt. Genau wie für Forscherinnen und Forscher kann es sinnvoll sein, mehrere und neue Wege auszuprobieren – mit dem Risiko, auch mal zu scheitern. Denn Dinge auszuprobieren, ermöglicht Innovation. Etwa die Navigationssysteme für schonendere Operationsmethoden des Start-ups CAScination, das von den Berner Medizinaltechnikern Matthias Peterhans und Marco Matulic geführt wird. Oder das Projekt Tapatate! für nachhaltigen und solidarischen Gemüseanbau, das die Klimawissenschaftlerinnen Noemi Imfeld und Danielle Huser initiiert haben.

Spätes Erwachsenwerden

Die Geschichten in der aktuellen Ausgabe von UniPress zeigen: Neben den klassischen gibt es auch zahlreiche unorthodoxe Erfolgswege an und nach der Uni. Die Suche nach dem eigenen Weg ist für die Betroffenen jedoch oft schwer auszuhalten, betont der Entwicklungspsychologe Ulrich Orth im Gespräch mit UniPress betont: Manche Studentinnen und Studenten vermissten es, dass sie die stärkenden «Erwachensenen-Erfahrungen» wie den Eintritt ins Berufsleben oder die Familiengründung noch nicht machen könnten.

In der westlichen Welt mit ihren langen Ausbildungswegen würden die Persönlichkeitsreifung und die Identitätsentwicklung denn auch ein Stück weit verzögert ablaufen, so Orth im UniPress-Gespräch. Doch genau dies mache Sinn: Es erlaube jungen Menschen, verschiedene Identitäten auszuprobieren, was Kreativität freisetze und es Gesellschaften ermögliche, sich «anders oder schneller zu entwickeln».

Sind die Jungen wegen Internet und Social Media selbstbezogener als frühere Generationen? Die Antwort von Entwicklungspsychologe Ulrich Orth. Video: Timm Eugster / Nadine Steinmann. Copyright Grafik: 2018 by the American Psychological Association (APA). Adapted with permission. The use of APA information does not imply endorsement by APA.

BERNER STUDIERENDE SIND BESONDERS ERGOLGREICH

Wer ein Universitätsstudium abschliesst, findet meist rasch eine passende Stelle. Dies zeigt der aktuelle Bildungsbericht Schweiz, der von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung unter der Leitung des Berner Professors Stefan C. Wolter verfasst wurde. Doch es gibt Unterschiede zwischen den Hochschulen. Beim Arbeitsmarkterfolg ihrer Absolventinnen und Absolventen schneidet die Universität Bern schneidet gut ab, wie die folgende Grafik zeigt: Sie liegt bei allen drei Indikatoren – der Erwerbstätigenquote, der ausbildungsadäquaten Beschäftigung und der Arbeitszufriedenheit – über dem Durchschnitt. Dies ist bei drei der elf untersuchten Universitäten der Fall (St. Gallen, Fribourg, Bern).

ZUM AUTOR

Timm Eugster arbeitet als Leiter UniPress in der Abteilung Kommunikation & Marketing der Universität Bern.