04.12.2018 | Studium |

Pauken bis zur Geisterstunde

Seit dem 3. Dezember 2018 leuchten die Leselampen in der Universitätsbibliothek Münstergasse auch nachts: Pünktlich zur Prüfungszeit werden in einem Pilotprojekt die Öffnungszeiten bis um Mitternacht verlängert. «uniaktuell» hat sich bei den Studierenden in der Bibliothek umgehört und eine Expertin gefragt, wie sinnvoll das Lernen zu später Stunde ist.

Von Lea Muntwyler

Langschläfer aufgepasst! Bis Juni 2019 ist die Universitätsbibliothek Münstergasse unter der Woche bis 24 Uhr geöffnet. Mit der Verlängerung der Öffnungszeiten wird auf ein Bedürfnis der Studierenden reagiert – pünktlich zur Prüfungszeit.

Veränderte Bedürfnisse der Studierenden

Bisher war die Universitätsbibliothek Münstergasse jeweils bis 21 Uhr geöffnet – doch das reicht den Studierenden heute nicht mehr. «Anstoss war die Umfrage der StudentInnenschaft der Universität Bern aus dem Jahr 2017: Der Wunsch nach mehr Arbeitsplätzen und ausgedehnteren Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek waren wichtige Erkenntnisse», sagt Niklaus Landolt, Direktor der Universitätsbibliothek Bern (UB). «Die UB hatte zwar lange Öffnungszeiten, längere Abendöffnungszeiten hingegen fehlten – dies haben wir nun geändert», erklärt Landolt.

Sowohl die Lesesäle im Untergeschoss als auch die Lounge im 1. Stock stehen den Lernenden nun bis spätnachts zur Verfügung. Allerdings nur denjenigen, die eine Studilegi oder einen Bibliotheksausweis vorweisen können.

Keine Bibliothek in Bern ist länger offen

In Bern verfügt keine andere universitäre Bibliothek über längere Öffnungszeiten als die Bibliothek Münstergasse. Auch im nationalen Vergleich der universitären Bibliotheken hat nur die Hauptbibliothek Zürich mit dem Lernzentrum USBI länger geöffnet, nämlich von 7 bis 24 Uhr. Den Studierenden gefällt’s: Am ersten Tag mit den neuen Öffnungszeiten waren um 21.30 Uhr rund 30 der 150 Arbeitsplätze besetzt. «Ich arbeite neben dem Studium und durch die längeren Öffnungszeiten kann ich meinen Alltag flexibler gestalten», sagt die Betriebswirtschaftsstudentin Janine Habegger. Auch Peter Brühwiler, Informatikstudent, freut sich über die Verlängerung der Lernzeit um zusätzliche drei Stunden: «Ich bin ein Langschläfer und kann so meinen Lerngewohnheiten nachgehen.»

Wer lernt besser: Lerche oder Nachteule?

Ist Lernen zu später Stunde überhaupt sinnvoll? «Was vor dem Schlafen gelernt wird, wird im Schlaf bevorzugt gefestigt», sagt Katharina Henke, Professorin am Institut für Psychologie der Universität Bern. «Allerdings lernen die meisten Menschen am Morgen nach dem Aufwachen am effizientesten», so Henke weiter. Deshalb sei es am besten, morgens zu lernen und vor dem Schlafen das Gelernte noch einmal durchzugehen, damit es im Schlaf vertieft werde.

«Abends kann ich super lernen», sagt Medizinstudentin Anja Schiffmann. «Ich schätze die ruhige Atmosphäre – so kann ich mich besser konzentrieren.» Mit dieser Meinung scheint sie nicht die Einzige zu sein. Einige Studierende bleiben bis spät in der Nacht. So auch die Sozialanthropologiestudentin Jana Kobler, sie lernt bis 23 Uhr: «Wenn es hier noch einen Ruheraum zum ‘powernappen’ gäbe, wie in der Universitätsbibliothek vonRoll, wäre ich sogar noch effizienter», meint sie.

Gehört die Zukunft den Nachteulen?

Ob die verlängerten Öffnungszeiten nächsten Sommer weitergeführt werden, ist noch ungewiss. Während des Pilotprojekts werde die Belegung der Lernarbeitsplätze in der Bibliothek Münstergasse ausgewertet und anschliessend über die Weiterführung der verlängerten Abendöffnungszeiten entschieden, sagt Direktor Niklaus Landolt. Wenn das Angebot genutzt wird, stehen die Chancen stehen also gut, dass Nachteulen auch in Zukunft auf ihre Kosten kommen.

Pilotprojekt Öffnungszeiten Universitätsbibliothek Münstergasse

Die erweiterten Öffnungszeiten gelten vom Montag, 3. Dezember 2018, bis Freitag, 28. Juni 2019, unter der Woche bis Mitternacht (Pilotphase). Einlass nur mit Studierendenlegi oder Bibliotheksausweis (Ausweiskontrolle).

Dienstleistungen der Universitätsbibliotheken Bern

Neben der Bereitstellung von Arbeitsplätzen und Literatur (Print und online) bietet die UB eine Vielzahl von Schulungen (etwa Informationskompetenz, wissenschaftliches Recherchieren, Schreibberatung, Datenbankschulungen, Literaturverwaltung) sowie Beratungsdienstleistungen an. Im Weiteren stellt die UB digitale Semesterapparate für Lehrveranstaltungen zur Verfügung. Für fortgeschrittene Studierende, die bereits in der Forschung tätig sind, stehen Infrastrukturen wie ein institutionelles Repositorium, Publikationsplattformen und Beratung zum Publizieren im Open Access bereit. Dieses Angebot wird laufend ausgebaut wie beispielsweise Infrastrukturen und Supportdienstleistungen zum Forschungsdatenmanagement.

Zur Autorin

Lea Muntwyler ist Hochschulpraktikantin in der Abteilung Kommunikation & Marketing der Universität Bern.