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30.10.2018 | Forschung | Gesundheit & Medizin

NFS TransCure im Endspurt

Der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) TransCure geht in die dritte und letzte Förderphase (2018-2022). Das Netzwerk, das den Transport von Stoffen durch Biomembranen untersucht, präsentiert Erfolge und würdigt drei ausscheidende Gruppenleiter und deren herausragenden Leistungen an einem Symposium.

Von Valentina Rossetti

Als Nationaler Forschungsschwerpunkt hat der NFS TransCure ein Zeitfenster von zwölf Jahren – mit dem Ziel, neue Erkenntnisse über Membrantransportproteine zu gewinnen. Diese sollen neue Medikamente und Therapien für weit verbreitete Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und neurologische Erkrankungen ermöglichen.

Dafür sind drei Finanzierungsphasen zu jeweils vier Jahren vorgesehen. Nach zwei erfolgreichen Phasen (2010-2014 und 2014-2018) geht der NFS TransCure nun in die dritte und letzte Phase (2018-2022). Zu diesem wichtigen Zeitpunkt feierten die Forschenden die bisherigen Erfolge mit dem «End of Phase 2 Symposium» am 24. Oktober 2018 an der Universität Bern. Sie würdigten damit auch drei Projektleiter, die in den Ruhestand gehen und nicht an der dritten und letzten Phase beteiligt sein werden, nämlich die Professoren Matthias Hediger und Willy Hofstetter der Universität Bern sowie Bruno Stieger der Universität Zürich. «Veränderung ist etwas vom Gesündesten, das wir tun können», sagte der Leiter des NFS TransCure, Hugues Abriel, in Bezug auf die Wechsel im NFS.

Zelluläre Gatekeeper verstehen

Der NFS TransCure untersucht mittels eines interdisziplinären Zugangs aus den Bereichen Physiologie, Chemie und Strukturbiologie ausgewählte Proteine, die sich auf der Membran von Zellen befinden. Wie zelluläre Gatekeeper regulieren diese Proteine den Zu- und Abfluss von gelösten Stoffen wie Ionen, Molekülen, Nährstoffen und Medikamenten. Die gelösten Stoffe durchlaufen Kanäle, Pumpen oder «Tore», die sich aufgrund von zellulären Signalen oder chemischen und genetischen Bedingungen öffnen und schliessen. Bei jeder Fehlfunktion können Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Epilepsie auftreten.

Von Matthias Hediger lanciert

Mit Entschlossenheit und einem ehrgeizigen Programm lancierte Matthias Hediger 2010 den vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten NFS TransCure – ein schweizweites Netzwerk von hoch spezialisierten Expertinnen und Experten. Für ihn war klar, dass das Verständnis des Membrantransports für die Behandlung vieler Krankheiten des Menschen von grundlegender Bedeutung ist. Und auch, dass der Membrantransport nur über die einzelnen Fachbereiche hinweg untersucht werden kann: «Ein interdisziplinäres Netzwerk ist der Schlüssel zum Erfolg und zur Beschleunigung des wissenschaftlichen Fortschritts». Aber nicht nur in der Schweiz hat sich Hediger einen Namen gemacht: Er gehört weltweit zu den führenden Experten in der Membran-Transportforschung. In den 90er Jahren klassifizierte er erstmals 50 verschiedenen «Genfamilien», die für ein bestimmtes Transportprotein codieren. Damit setzte er einen Meilenstein auf diesem Gebiet. Nun zieht sich Matthias Hediger zurück aus dem NFS TransCure-Projekt – trotzdem wird er der Wissenschaft erhalten bleiben: Er wird nun weiterhin an der Universitätsklinik für Nephrologie am Inselspital Bern einen wissenschaftlichen Beitrag leisten und die etablierte Konferenzreihe «Biomedical Transporters» fortsetzen.

Wie ein tragender Knochen: Willy Hofstetter

Willy Hofstetter untersuchte in seinem NFS TransCure-Projekt Eisen-Transporter, die von Knochenzellen exprimiert werden. Eisentransporter sowie andere Systeme wie Natrium-/Protonenaustauscher sind am Knochenstoffwechsel und an der Knochenregeneration beteiligt. Erkenntnisse in diesem grundlegenden Bereich der Knochenbiologie führen zu einem besseren Verständnis von weit verbreiteten Knochenerkrankungen wie Osteoporose. «Die Beteiligung an TransCure hat mir die Möglichkeit gegeben, ein faszinierendes Gebiet der Zellbiologie, der Transport von kleinen Molekülen in die Zelle, in Skelett-Zellen zu untersuchen. Die Zusammenarbeit mit Chemikern, welche Inhibitoren der Transportmechanismen synthetisieren, gab uns Werkzeuge in die Hand, zu welchen wir ohne TransCure keinen Zutritt gehabt hätten.» Willy Hofstetter gehört seit 1986 dem Department for BioMedical Research an und ist dort auch als Koordinator tätig. Als passionierter und ausgezeichneter Forscher widmet er sich unablässig seiner Arbeit – und bleibt dabei dennoch stets zugänglich, wie seine Mitarbeitenden sagen: Sie könnten jederzeit reinkommen, wenn seine Tür offen ist.

Ein Leben für gesunde Lebern: Bruno Stieger

Die Anerkennungen des Symposiums gingen über die kantonalen Grenzen hinaus: Das Projekt von Bruno Stieger hat seine Wurzeln Ende der 80er Jahre in der Abteilung für Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsspitals Zürich. Dort konzentrierte er sich auf die Gallenbildung und spezielle Lipidmembrantransporter, die für das gute Funktionieren der Leber – einem Schlüsselorgan als Barriere gegen potenziell schädliche Stoffe – unerlässlich sind. Im NFS TransCure untersuchte Stieger Gallenwegserkrankungen aufgrund von abnormaler Gallenbildung. «Ohne TransCure hätte ich keine Gelegenheit gehabt, mit hervorragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten», sagt Stieger. Ein Beispiel ist seine Zusammenarbeit mit dem TransCure-Projekt von Kaspar Locher am Multi-Drug-Transporter ABCG2, welches noch einige Jahre nach Stiegers Pensionierung fortgesetzt wird.

Bereit für den krönenden Abschluss

In der nächsten Phase wird das NFS TransCure-Netzwerk die Arbeit dieser Gruppenleiter gebührend weiterführen. In Phase 3 umfasst das Projektportfolio des NFS TransCure acht Projekte im Zusammenhang mit menschlichen Krankheiten sowie eine interfakultäre Facility für pharmazeutische Studien an der Universität Bern. Die Endphase soll auch zu translationalen, das heisst klinischen Anwendungen führen und krönt die vielen Jahre der Grundlagenforschung des NFS TransCure. Das Symposium schaffte einen Überblick über die vielen Wege, die noch zu erkunden sind. Und auch wenn einige Gruppenleiter aufgrund ihres Ruhestandes von ihrer jetzigen Position abtreten, haben sie eine wertvolle Grundlage geschaffen und sind somit massgeblich am Erfolg von TransCure beteiligt.

NFS Transcure

Der Nationale Forschungsschwerpunkt (NFS) TransCure ist ein interdisziplinäres, schweizweites Netzwerk von 19 Forschungsgruppen mit der Universität Bern als Heiminstitution. Der Hauptfokus ist die Forschung im Bereich Membrantransporter und Ionenkanäle. Transporter und Kanäle dienen als «Türsteher», die den Durchgang von Nährstoffen, Arzneien und anderen Substanzen durch die Zellmembranen ermöglichen. Fehlerhafte Transporter können Volkskrankheiten wie neurologische Leiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Osteoporose verursachen. Die NFS TransCure-Projekte kombinieren in einzigartiger Weise Physiologie, Strukturbiologie und Chemie, und umfassen Grundlagen- sowie präklinische Forschung. Neben der Forschungsförderung ist der NFS TransCure auch im Bereich Ausbildung, Chancengleichheit, Technologietransfer und Kommunikation innerhalb und ausserhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft tätig.

ZUR AUTORIN

Valentina Rossetti ist wissenschaftliche Koordinatorin und Delegierte für Kommunikation des NFS TransCure.