28.08.2018 | Forschung | Gesundheit & Medizin

«Man muss einen Schritt aus der Forschungs-Komfortzone herauswagen»

Die Molekularbiologin Kellie Cotter vom Department for BioMedical Research (DBMR) erhält für ihre Prostatakrebsforschung den Young Investigator Award 2018. Die Prostate Cancer Foundation (PCF) wird ihre Forschung während drei Jahren mit insgesamt 225'000 Dollar unterstützen.

Von Maria Meier

«Uniaktuell»: Frau Cotter, Sie sind mit dem Young Investigator Award ausgezeichnet worden, herzliche Gratulation! Was bedeutet der Preis für Sie persönlich?
Kellie Cotter: Diese Auszeichnung bedeutet mir viel. Nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung, sondern auch, weil der Preis eine Anerkennung dafür ist, dass Grundlagenforschung für die Prostatakrebsforschung weiterhin von Bedeutung ist. Darüber hinaus stellt es eine fantastische Gelegenheit dar, sich mit einer Gruppe von führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf dem Gebiet des Prostatakrebs auszutauschen und zu vernetzen.

Die PCF unterstützt Ihre Forschung während drei Jahren. Was bedeutet der Preis für Sie als Nachwuchsforscherin?
Eine der grössten Herausforderungen als Nachwuchsforscherin ist es, die ersten Stipendien oder Preise zu bekommen. Zu Beginn einer wissenschaftlichen Karriere ist man eher einem Risiko ausgesetzt, da man noch nicht so etabliert ist wie erfahrene Forschende, die bereits auf einen langen Leistungsausweis verweisen können. Darum bin ich sehr dankbar für das PCF Young Investigator Programm, dessen Ziel es ist, junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser verletzlichen Phase ihrer Karriere zu unterstützen. Ich hoffe, dass mir diese drei Jahre der Unterstützung auf dem Weg in eine unabhängige Position helfen werden.

In Ihrem Projekt werden Sie die molekularen Mechanismen bei Prostatakrebs untersuchen. Welchen Aspekt Ihres Projekts fand die PCF besonders förderungswürdig?
Was mein Projekt wirklich einzigartig macht, ist, dass der Bereich der Epitranskriptomik noch relativ neu ist. Darin wird untersucht, wie RNA biochemisch modifiziert werden kann, ohne die zugrunde liegende Sequenz zu verändern, und über die Funktion dieser RNA-Modifikationen weiss man noch nicht viel. Ausserdem existieren in diesem Feld zwar einige Vorstudien zu anderen Krebsarten, im Zusammenhang mit Prostatakrebs wurde allerdings noch keine durchgeführt. 

Mit welchen Herausforderungen sind Postdocs konfrontiert? Und was raten Sie jungen Forschenden, die ihren Weg in der Wissenschaft fortsetzen wollen? 
Ich denke, die grössten Herausforderungen für Postdoktorierende liegen heute in der Finanzierung und Sicherung von festen, unabhängigen Stellen. Mein Rat an junge Forschende wäre, offen und flexibel für viele verschiedene Projektideen zu sein und viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zu nutzen. Ausserdem würde ich ihnen raten, dass sie eine Chance ergreifen und auch mal einen Schritt aus ihrer Forschungs-Komfortzone herauswagen sollen. Das gilt vor allem während des Übergangs vom Doktorat zum Postdoc.

Sie forschen am Rubin Lab am Department for BioMedical Research DBMR. Warum haben Sie sich entschieden, Ihr Forschungsvorhaben gerade hier zu realisieren? 
Das Umfeld hier am Rubin Lab ist für mein Projekt ideal. Unsere Gruppe war an vielen der gross angelegten, multi-institutionellen Kooperationen beteiligt und hat dabei an einigen der wichtigsten Fortschritte in der Prostatakrebsgenomik mitgewirkt. Die Arbeit am DMBR in Bern ermöglicht mir zudem, nicht nur mit den anderen Krebsforschenden des Instituts, sondern auch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der ganzen Schweiz zu zusammenzukommen. Eine zentrale Rolle spielt hier unsere Beteiligung am Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) «RNA & Disease», der an der Universität Bern angesiedelt ist.

ZUR PERSON

Dr. Kellie Cotter, Bild: zvg

Dr. Kellie Cotter

Geboren 1986 in Buffalo, New York, USA
Kellie Cotter schloss 2008 ihren Bachelor of Science in Biological Sciences an der State University of New York at Buffalo (USA) ab. Im Jahr 2014 promovierte sie an der Boston University (USA) in Molekularbiologie, Zellbiologie und Biochemie. Für ihre Doktorarbeit erhielt sie das Science to Achieve Results (STAR) Graduate Fellowship der United States Environmental Protection Agency. Für ihre Postdoc-Forschung kam sie an das Labor von Prof. Mark Rubin an der Weill Cornell Medicine in New York City (USA) und zog anschliessend mit dem Labor nach Bern, wo Prof. Mark Rubin im Februar 2017 zum Professor für Biomedizinische Forschung und zum Direktor des DBMR ernannt worden war.

Projektbeschrieb

Rolle der m6A-Methylierung bei der post-transkriptionellen Regulation und Prostatakrebserkrankung

Ziel des Projektes ist es, die Häufigkeit einer spezifischen RNA-Modifikation (die m6A-Modifikation) bei Prostatakrebs und deren funktionelle Konsequenzen für das Fortschreiten der Erkrankung zu untersuchen. Es ist die erste Studie, die untersucht, wie Prostatakrebs diesen alternativen molekularen Mechanismus nutzt, um die Gen- und Proteinexpression zu regulieren. Sie liefert wertvolle Grundlagenforschung, die zu einem besseren Verständnis der molekularen Funktionsweise von Prostatakrebs beiträgt. Das Projekt hat zudem das Potenzial, mögliche neue Biomarker und/oder therapeutische Ziele zu identifizieren und wird daher für die Patienten von großem Nutzen sein.

Publikation:

Kellie Cotter, Mark A. Rubin: Sequence of events in prostate cancer, in: Nature 560, 557-559 (2018), doi: 10.1038/d41586-018-06029-5

 

Kontakt:
Dr. Kellie Cotter
Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern
Tel: +41 31 632 98 42
E-Mail: kellie.cotter@dbmr.unibe.ch

PCF Young Investigator Award 2018

Die Prostate Cancer Foundation (PCF) zeichnet 29 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler mit dem Young Investigator Award (YI) aus und fördert sie mit insgesamt 6 Millionen Dollar. Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des YI Award 2018 wurden aus einem Pool von 103 Bewerbungen von 55 Institutionen aus elf Ländern ausgewählt. Die PCF vergibt den Young Investigator Award einmal jährlich. Das YI-Programm bietet Karriere- und Projektunterstützung für junge Forschende an, die sich der Entwicklung besserer Früherkennungsmethoden, der Verbesserung lebensrettender Behandlungen und der Suche nach einer Heilung von Prostatakrebs verschrieben haben. PCF fördert Forschungsprojekte in 19 Ländern.

Zur Autorin

Maria Meier ist Hochschulpraktikantin bei Corporate Communication an der Universität Bern.