31.07.2018 | Universität | Staat & Wirtschaft

IPDET 2018: «Besser als aus Büchern zu lernen»

In den vergangenen zwei Wochen fand das weltweit führende Weiterbildungsprogramm für Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit IPDET erstmals an der Universität Bern statt: 150 Teilnehmende und Dozierende aus der ganzen Welt haben am Zentrum für universitäre Weiterbildung ZUW ihr Wissen vertieft – und nebenbei auch kleine Kostproben von Berner Geschichte, Oberländer Bergwelt und Schweizer Kuhglockenklängen genossen.

Von Claudia Kaufmann

In den Gängen der UniS, im Juli üblicherweise hochsommerlich still, herrscht dynamisches Treiben. Studierende, Dozierende und Assistierende, alle mit weiss-rotem Universität Bern-Bändel und IPDET-Ausweis, eilen von der Vorlesung zum Brown-Bag-Lunch, vom Workshop zur Podiumsdiskussion oder zum abendlichen Kaminfeuergespräch. Unzählige Sprachen schwirren in den Kaffeepausen und in der Mensa durcheinander: Indisch, Chinesisch, Arabisch, Türkisch, Usbekisch, Swahili und Mongolisch. Gemeinsam ist allen Teilnehmenden ihr Interesse und ihr Engagement für eine ganz spezielle und anspruchsvolle Disziplin: Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit.

IPDET bedeutet «International Program for Development Evaluation Training». Zum ersten Mal fand vom 16. bis 27. Juli 2018 dieses weltweit führende Weiterbildungsprogramm für die Bewertung von Projekten, Tätigkeiten und Prozessen in der Entwicklungszusammenarbeit in der Schweiz, an der Universität Bern statt. Für zwei Wochen wurde das ZUW, das Zentrum für universitäre Weiterbildung, zum Mekka der internationalen Evaluations-Community. Rund 150 Evaluationsspezialistinnen und -spezialisten aus 67 Ländern haben ihre Expertise unter einem Dach zusammengeführt, zusammengearbeitet, Erfahrungen und Ideen ausgetauscht, von- und miteinander neue Erkenntnisse erworben.

IPDET 2.0: Erfahrung gepaart mit neuen Ideen

Das von der Weltbank initiierte und mitgetragene Programm IPDET war von 2001 bis 2016 an der Carleton University in Ottawa, Kanada, angesiedelt. 2017 suchte die Weltbank einen neuen Durchführungspartner. In einem internationalen Auswahlverfahren hat sich die Universität Bern (Bereich Evaluation des ZUW und Centre for Development and Environment CDE) in Kooperation mit dem Centrum für Evaluation CEval der Universität des Saarlandes gegenüber 40 Mitbewerbern durchgesetzt. Von nun an wird es jährlich im Sommer an der Universität Bern durchgeführt. Das Programm soll sukzessive weiterentwickelt und modernisiert werden. «Wir wollen beispielsweise neue Evaluationsthemen, neue digitale Lehrformate, eine engere Zusammenarbeit mit lokalen Partnern im globalen Süden und neue Formen ihrer Einbindung in das Programm einführen», erklärt Stefanie Krapp, die IPDET-Programleiterin am ZUW. Am Eröffnungstag folgte sie einer Bauerntradition und vertrieb mit einer antiken Kuhglocke die bösen Geister (aus der Evaluation) und läutete gleichzeitig eine neue IPDET-Ära ein.

Professionelle Evaluationen werden immer wichtiger

Evaluationen liefern die systematische Datengrundlage, die nötig ist, um in Programmen, Projekten, Tätigkeiten und Prozessen mit Erkenntnissen aus Vergangenheit und Gegenwart fundierte Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. «Dies ist in Behörden, Institutionen und Organisationen zu einem eigenen Arbeitsfeld mit immer komplexeren Anforderungen geworden. Das erfordert überall auf der Welt qualifizierte Fachleute», erklärt Verena Friedrich, Leiterin des Bereichs Evaluation am ZUW. Dazu trägt IPDET als global anerkanntes Weiterbildungsprogramm seit über 15 Jahren bei.

Die Bedeutung des Programms nimmt weiter zu – unter anderem, weil alle Staaten verpflichtet sind, ihren Beitrag zur Erreichung der in der UNO-Agenda 2030 festgelegten Ziele für nachhaltige Entwicklung zu bewerten. «Neben internationaler Sichtbarkeit und Vernetzung wird die Universität aufgrund der Einzigartigkeit des Programms weltweit an Renommee und Anerkennung im Bereich der Evaluation gewinnen», ist Stefanie Krapp überzeugt.

«Eine extrem bereichernde Erfahrung!»

Mittlerweile ist das Lachen und Stimmengewirr in der UniS wieder verklungen, die 150 Teilnehmenden und Dozierenden sind in ihre Länder rund um den Globus zurückgekehrt. Sie haben neben dem Weiterbildungsprogramm auch ein vielfältiges Rahmenprogramm genossen: Von der Führung durch die Berner Altstadt bis zum Besuch auf dem Stockhorn, vom morgendlichen Qi-Gong im Garten vor der UniS bis zum abendlichen Grillen beim Gurten.

«So viele Fachleute aus den verschiedensten privaten und öffentlichen Tätigkeitsfeldern an einem Ort, mit denen man sich austauschen kann, das ist einmalig», sagt Jahaziely Martinez aus dem Bildungsministerium der Dominikanischen Republik. Sandra Ferreira, die in einer humanitären Stiftung in Lissabon arbeitet, fügt hinzu: «Man kann gute Bücher lesen und daraus lernen. Aber das hier ist viel besser: Hier kann ich andere Fachleute persönlich kennenlernen, von Angesicht zu Angesicht mit ihnen reden und von den vielen individuellen Erfahrungen der Teilnehmenden profitieren.» Sie lobt auch den reibungslosen Ablauf, den sie in der schweizerischen Mentalität verortet: «Die Universität Bern hat uns sehr herzlich empfangen. Alles ist perfekt organisiert, alle sind freundlich, zuverlässig und pünktlich – das ist so angenehm!»

Augustin Arcenas, Ökonomie-Professor an der University of the Philippines, möchte das Thema Evaluation in seine eigenen Lehrveranstaltungen aufnehmen. «Was ich hier lerne, ist ein ganz wichtiger Baustein auf dem Weg dahin.» Ihm gefallen auch die wechselnden Lehrmethoden: «Die vielen verschiedenen Formate bei IPDET, wie Vorträge, Workshops, Lunchgespräche, Gruppenarbeiten und auch die Diskussionen am Rande bringen Interaktion, Dynamik und Abwechslung in die Wissensvermittlung.» Supriya Devasthali, die für die indische Regierung arbeitet, fasst den Eindruck vieler zusammen: «IPDET ist eine tolle Plattform, um unser Wissen und unsere Erfolgsrezepte zu teilen. Es war eine extrem bereichernde Erfahrung!»

Auch für Stefanie Krapp war das erste IPDET in Bern eine aussergewöhnliche Erlebnis: «Seit Anfang April, als wir mit den Vorbereitungen für dieses komplexe Programm begannen, fühlten wir uns wie auf der Achterbahn: Du weisst nie, was dich als nächstes erwartet, fühlst dich etwas beklommen und sehr, sehr aufgeregt. Jetzt sind wir am Ziel angelangt. Es hat unglaublich Spass gemacht, wir haben selbst viel dazugelernt, und wir freuen uns auf IPDET 2019!»

International Program for Development Evaluation Training IPDET

Das im Auftrag der Weltbank durchgeführte IPDET stellt Managerinnen und Managern, Praktikerinnen und Praktikern die Werkzeuge zur Verfügung, um Entwicklungsstrategien, -programme und -projekte auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene zu evaluieren. Das Weiterbildungsangebot richtet sich an Entwicklungsprofis, die Evaluationen durchführen, in Auftrag geben, managen oder nutzen. Die Teilnehmenden kommen aus Ministerien oder Behörden in Entwicklungsländern, Entwicklungsbanken, dem Non-Profit- und Stiftungssektor, dem System der Vereinten Nationen sowie aus bilateralen Entwicklungsagenturen, Universitäten, Think Tanks und auf Entwicklungsevaluierung spezialisierten Beratungsunternehmen des Privatsektors.

Evaluation an der Universität Bern

Als einzige Schweizer Hochschule bietet die Universität Bern am Zentrum für universitäre Weiterbildung ZUW seit 16 Jahren ein umfassendes Weiterbildungsangebot in Evaluation an. 2002 startete hier die erste wissenschaftliche Weiterbildung der Schweiz in Evaluation, seither wurde das Angebot laufend weiterentwickelt. Aktuell bietet das Weiterbildungsprogramm einen CAS-, DAS- und MAS-Studiengang an, die aufeinander aufbauen und deren Module auch einzeln besucht werden können, sowie das IPDET-Programm im Sommer. Nebst der Lehre ist der Bereich Evaluation am ZUW auch in der Forschung engagiert und bietet für Dritte Dienstleistungen wie die Durchführung von oder Beratung zu Evaluationen an.

Weiterbildung an der Universität Bern

Die Weiterbildung ist zu einem wichtigen Bereich innerhalb der Universität Bern gewachsen: Sie umfasst heute über 100 Weiterbildungsstudiengänge (CAS, DAS, MAS) sowie eine Vielzahl an Einzelkursen aus nahezu allen Fachbereichen. Zugleich leistet die Weiterbildung wichtige Beiträge an die Entwicklung und den Erfolg der Universität als Ganzes: Sie fungiert als Vorreiterin für Interdisziplinarität, dient als "Labor" für neue Lehr- und Lernformen, fördert den Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Praxis und bringt umgekehrt Impulse aus der Berufswelt in die Wissenschaft. Sie bildet eine wertvolle Brücke zur Gesellschaft und pflegt ein breites Netzwerk zu Organisationen und Unternehmen.

Zur Autorin

Claudia Kaufmann ist Kommunikationsbeauftragte des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW der Universität Bern