16.11.2018 | Personen |

«Die Studierenden dürfen von mir ein offenes Ohr erwarten»

Der Regierungsrat des Kantons Bern hat Markus Brönnimann als neuen Verwaltungsdirektor der Universität Bern ernannt. Er tritt per 1. Juni 2019 die Nachfolge von Daniel Odermatt an, der im Juli 2018 verstorben ist. Im Interview zeigt Markus Brönnimann auch seine private Seite und spricht über die Schwerpunkte, die er als Verwaltungsdirektor setzen will.

Interview: Christian Degen

Wer ist Markus Brönnimann?
Ich bin trotz meines Berner Namens ein Appenzeller. Im Appenzellerland bin ich aufgewachsen und wurde da sozialisiert. Ich bin verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Ich habe in St. Gallen an der HSG Organisation studiert und bin besonders an Fragen der strategischen Steuerung, der Gestaltung von Systemen und der Management-Kybernetik interessiert. Nach dem Studium habe ich in verschiedensten Bereichen gearbeitet – etwa in der Industrie, als Verwaltungsdirektor an der HSG und aktuell als Amtschef Immobilienamt des Kantons Zürich, wo ich mich derzeit mit einem grossen Reorganisationsprojekt in Sachen Immobilienmanagement im Kanton Zürich befasse. Die Erfahrungen aus der Verwaltung der HSG habe ich übrigens mit meinen Kolleginnen und Kollegen in einem Buch reflektiert.

Worauf freuen Sie sich am meisten?
Ich freue mich ganz grundsätzlich sehr darauf, wieder für eine akademische Institution arbeiten zu dürfen. Denn das ist ein Privileg. Einerseits weil man für und mit jungen und dynamischen Menschen arbeitet, was einen selbst jung und dynamisch hält. Und andererseits, weil man in einem intellektuell sehr anregenden Umfeld arbeitet kann. Man hat Kontakte mit Menschen, die in ihrem Feld an vorderster Front dabei sind. Ich freue mich aber auch auf den Umgang und die Zusammenarbeit mit politischen Instanzen, weil man gemeinsam viel bewegen kann.

Wo werden Sie voraussichtlich ihre Schwerpunkte setzen? Können Sie uns drei Schwerpunkte nennen?
Ich will mich für die Wahrung der Handlungsfreiheit der Universität einsetzen. Mein Fokus ist sicher die finanzielle Handlungsfreiheit, es geht aber auch um die Wahrung der akademischen Freiheit. Für gute Forschung und Lehre braucht die Universität gute Infrastrukturen. Das sind zum einen Gebäude, zum andern moderne IT-Systeme und IT-Werkzeuge. Ich will mich dafür einsetzen, dass diese Infrastrukturen den Bedarf der Angehörigen der Universität gut treffen. Mein dritter Schwerpunkt liegt auf dem Thema Effizienz, denn die Verwaltung einer Universität muss ihre Leistungen auf eine effiziente Art und Weise erbringen.

Was können die Studierenden von Ihnen erwarten?
Die Ausbildung der Studierenden ist eine Hauptaufgabe der Universität. Dabei sind die Studierenden aber nicht bloss «Kundinnen und Kunden», sie sind vielmehr «Bürgerinnen und Bürger» der Universität, die sie mitgestalten und mit Leben füllen. Aus diesem Grund sind die Studierenden für mich eine sehr wichtige Gruppe. Sie dürfen von mir auf jeden Fall ein offenes Ohr erwarten. Ich bin gespannt auf ihre Vorschläge und hoffe, dass wir viele davon gemeinsam umsetzen können. Ich werde mit den Studierenden aber auch ganz klar die gegenseitigen Erwartungen klären. Alle Wünsche und Bedürfnisse können nicht erfüllt werden. Das ist eine ökonomische Realität.

Welche Beziehung haben Sie zu Stadt und Kanton Bern?
Trotz meiner Wurzeln im Appenzellerland und meiner Liebe zum Säntis, bin ich auch Berner. Ich bin Bürger von Belp und mein Vater lebt wieder dort. Ich weiss also die Schönheiten von Stadt und Land in Bern zu schätzen und freue mich auch, hier Wurzeln schlagen zu dürfen. Ich bin überzeugt, dass es mir in Bern sehr wohl sein wird. Wie wohl es den Bernerinnen und Bernern mit dem Appenzeller Humor sein wird, werden wir sehen. (lacht)

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Am liebsten verbringe ich meine Freizeit mit meiner Frau Esther. Dann mache ich sehr gerne lange Wandertouren von zwei oder drei Tagen. Ich werde also sicher auch einen Teil des Kantons Bern «erwandern». Dann gehe ich als Privatpilot gerne «in die Luft». Den Flugplatz Bern/Belpmoos kenne ich bereits. Schliesslich braue ich von Zeit zu Zeit auch gerne mal ein Bier – und ich hoffe, dass mir der Rektor als Chemiker hier noch nützliche Hinweise geben kann.

Zur Medienmitteilung der Universität Bern zum neuen Verwaltungsdirektor

ZUR PERSON

Markus Brönnimann (56) ist derzeit Chef des Immobilienamts der Baudirektion des Kantons Zürich. Er ist Bürger von Belp und lebt derzeit in Herisau. Von 2006 bis 2015 war er Verwaltungsdirektor der Universität St. Gallen. Zuvor war Brönnimann in der Privatwirtschaft tätig, unter anderem als Senior Projektleiter beim Malik Management Zentrum St. Gallen, wo er Beratungs- und Schulungsprojekte in den Bereichen Strategie, Organisation, Prozesse und wirksame Führung leitete und durchführte. Markus Brönnimann schloss 1989 an der Universität St. Gallen das Studium lic. oec. HSG, Organisation, ab und erwarb 2014 an der Harvard Graduate School of Education die Qualifikation für Pro-Rektoren.

Als Verwaltungsdirektor der Universität St. Gallen bewältigte Brönnimann das Wachstum der Universität von 5’000 auf 8’000 Studierende und war unter anderem für die Konzeption und Einführung von Planungs- und Steuerungsinstrumenten in den Bereichen Projektmanagement, Strategie und Mittelfristplanung zuständig. Als Verwaltungsdirektor der Universität Bern wird Markus Brönnimann auf ein grosses Netzwerk in der Industrie, Bildungslandschaft und Politik zurückgreifen können.

DIE VERWALTUNGSDIREKTION DER UNIVERSITÄT BERN

Die Verwaltungsdirektion schafft betriebliche und organisatorische Voraussetzungen, damit die Universität ihre Kernaufgaben kompetent und auf hohem Niveau erfüllen kann. Sie unterstützt die Lehre, Forschung und Dienstleistungen mit zuverlässigen und effizienten Supportprozessen in verschiedenen Bereichen. Folgende Bereiche der Universität Bern gehören zur Verwaltungsdirektion: Finanzabteilung, Personalabteilung, Technologietransfer Unitectra, Universitätsbibliothek, Informatikdienste, Universitätssport, Betrieb und Technik, Bau und Raum, Fachstelle Risikomanagement.

ZUM AUTOR

Christian Degen ist Leiter der Abteilung Kommunikation & Marketing der Universität Bern.