29.08.2018 | Universität | Staat & Wirtschaft

Das Schloss, das Wünsche erfüllt

Wie kann Digitalisierung für alle Menschen zur Chance werden? Die Ideen der Finalistinnen und Finalisten des Ideen-Wettbewerbs «Wunsch-Schloss» reichen von einem digitalen Dorfplatz bis zu einer App gegen Einsamkeit. «uniaktuell» war am Finale auf Schloss Thun am 28. August 2018 dabei.

Von Lea Muntwyler

Das Projekt Wunsch-Schloss bietet engagierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, ihre kühnen Ideen zur Weiterentwicklung der Schweiz zu präsentieren und das Publikum aus 150 geladenen Gästen zu überzeugen.

Die vierte Ausgabe beschäftigte sich mit dem Thema der Stunde: der Digitalisierung. Am Finale im Schloss Thun durften zehn Finalistinnen und Finalisten in jeweils fünf Minuten ihre Visionen und Wünsche an Wirtschaft und Politik vorstellen. Das Publikum war schliesslich zuständig, die beste der zehn Ideen auszuwählen und einen Sieger oder eine Siegerin zu küren.

Kreative Ideen

Als Erste stellte sich die jüngste Finalistin unter Beweis. Ronya Alevs Idee einer Crowdsourcing-Plattform «Policy Kitchen» will den politischen Partizipationsprozess ins digitale Zeitalter transferieren, indem die Bevölkerung Themen auf einer Plattform sammelt, die durch Expertinnen und Experten analysiert werden und welche schliesslich in konkrete Vorschläge an die Politik münden.

Auf die jüngste Finalistin folgte der Älteste: Der 67-jährige Informatiker im Ruhestand, Hugo Beck, fordert eine Echtzeit-Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger am wirtschaftlichen Erfolg mittels eines «Dynamischen Grundeinkommens». Ein solches würde auf einer vereinfachten neuen Steuerarchitektur mit integriertem Wohlstandsausgleich basieren.

Rolf Schaubs Idee der ICT Scouts/Campus verbindet Bildung mit Digitalisierung: Er will, dass talentierte Lernende in der 1. Sekundarschulklasse durch «ICT Scouts» entdeckt und in regionalen Institutionen – die sogenannten ICT Campus – gefördert würden.

Vier Finalistinnen und Finalisten der Universität Bern

So unterschiedlich wie ihre Ideen, sind auch die Köpfe dahinter: Die vier Finalistinnen und sechs Finalisten zwischen 24 und 67 Jahren stammten aus der ganzen Schweiz und darüber hinaus. Sie reichten von der Universitätsstudentin bis zum Rentner. Die mutigen, kreativen und lösungsorientierten Vorschläge hatten die Fachjury aus Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur und Journalismus im Vorfeld überzeugt.

Unter den zehn Finalistinnen und Finalisten waren mit Géraldine Danuser und Corina Liebi auch zwei Studentinnen sowie mit Sylvia Löwe und Tobias Krieger zwei Angestellte der Universität Bern.

Géraldine Danuser
Géraldine Danuser
Corina Liebi
Corina Liebi
Tobias Krieger
Tobias Krieger
Sylvia Löwe
Sylvia Löwe

Corina Liebi will die an den Schweizer Universitäten generierten Podcasts öffentlich machen. Dadurch erhielten angehende Studentinnen und Studenten einen Einblick in verschiedene Studienfächer, was ihnen die Wahl einer Universität und Fachrichtung erleichtern würde. Aber auch die breite Öffentlichkeit profitiere von den kostenfreien Podcasts. Corina Liebi überzeugte mit der einfachen Umsetzbarkeit ihrer Idee.

Géraldine Danusers Wunsch des «Dorfplatz 21» verbindet einen analogen Dorfplatz, welcher Familie und Freizeit vereinigt, mit einer virtuellen Plattform für Vernetzung und Kommunikation auf lokaler Ebene. Dies soll laut der engagierten Jus-Studentin den Dialog und die Bürgerbeteiligung in den Gemeinden stärken.

Nicht minder innovativ war auch der Vorschlag von Tobias Krieger: Sein «GemeinsApp» soll das Problem der subjektiv erlebten Einsamkeit bekämpfen. Der Psychologe will eine Plattform schaffen, auf der über das Erleben von Einsamkeit gesprochen und dadurch das (Selbst-)Stigma bekämpft werden soll.

Nicht zuletzt begeisterte die Social-Media-Managerin Sylvia Löwe mit ihrem Konzept einer Jobplattform für wechselwillige Pendlerinnen und Pendler, die sich lange Arbeitswege durch den Tausch ihres Jobs sparen würden. Dadurch bleibe mehr Zeit für Freizeit und Familie, erklärte sie dem Publikum. 

Und der Sieger ist...

Bevor der Sieger oder die Siegerin gekürt wurde, diskutierte der Politbeirat des Wunsch-Schloss die Finalideen auf der Bühne. Der Politbeirat war auch dieses Jahr prominent besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern von allen grossen Parteien. Sie verrieten, welcher Wunsch sie jeweils am meisten überzeugt hatte und versprachen auch gleich, Tür und Tor für das favorisierte Projekt zu öffnen.

Das letzte Wort gehörte jedoch dem Publikum: Es wählte aus den zehn Finalistinnen und Finalisten schliesslich Rolf Schaub als Sieger aus. Seine Idee, Informatiktalente schon auf Sekundarschulniveau gezielt zu fördern, bringt ihm ein Treffen mit den Generalsekretärinnen und den Generalsekretären aller grossen politischen Parteien und ein Flugticket um die Welt ein. Dass seine innovative Idee auf politisches Gehör stosse, freue ihn sehr. «Ich werde das Flugticket verkaufen und das Geld in das Projekt stecken», versprach der Schulleiter Informatik.

Das Wunsch-Schloss 2019

Das Ziel der Wunsch-Schloss-Initianten «StrategieDialog21» und «Swiss Venture Club» ist es, eine Brücke zwischen Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu schlagen. Die fünfte Ausgabe des Projekts «Wunsch-Schloss» findet am 18. Juni 2019 statt und stellt sich der Frage, wie die Politik die Vielfalt der Schweiz nutzen kann, um die Wirtschaft weiter zu bringen. Innovative Ideen können im Frühjahr 2019 eingereicht werden.

Zur Autorin

Lea Muntwyler ist Hochschulpraktikantin bei Corporate Communication an der Universität Bern.