19.04.2010 | Forschung | Umwelt & Materie

Neue Spinne erhält Namen aus Comic

Der Fund passt ins internationale Jahr der Biodiversität: Holger Frick vom Zoologischen Institut der Uni Bern und des Naturhistorischen Museums Bern entdeckte eine seltene neue Spinnenart in den Schweizer Alpen. Speziell ist auch der Name.

Von David Fogal

Die Schweiz gilt in Bezug auf Spinnen als sehr gut erforscht. Trotzdem birgt sie noch einige Entdeckungen, wie Holger Frick zeigt: Unter fünf Zentimeter Schnee hat er auf der auf 2’000 Metern Höhe gelegen Alp Flix in Graubünden die zwei Millimeter kleine und seltene «Zamonische Zwergspinne» aufgespürt. Die Entdeckung war unerwartet und fand unter widrigen Umständen statt, die nicht gerade zu einer Bergwanderung einluden: «Die Bedingungen waren alles andere als gemütlich: viel Schnee, Kälte und nasse Füsse», führt Holger Frick aus. Alle Exemplare wurden zwischen Herbst und Frühling gefunden. Die Spinne ist denn auch ein vorwiegend winteraktives Tier, das sich an die Lebensbedingungen unter der Schneedecke von Fichten-Wäldern angepasst hat. Dies sei eine mögliche Erklärung dafür, weshalb diese Zwergspinne so lange unentdeckt blieb und deshalb erst wenig erforscht ist, erklärt Holger Frick.

Vergrössertes Bild der Zamonischen Zwergspinne
Von blossem Auge kaum erkennbar: Nur unten dem Mikroskop wird die Anatomie der «Zamonischen Zwergspinne» sichtbar. Bild: Zvg

Lange Zeit als eigene Art verkannt 

Die «Zamonische Zwergspinne» gleicht einer bereits bekannten, ebenfalls raren Spinnenart. Da die bekanntere Art auch einen sehr auffälligen und einzigartigen «Kopf-Fortsatz» aufweist – Spinnen haben keinen Kopf im eigentlichen Sinn –, «wurde die neue Art lange Zeit verkannt», erläutert Holger Frick. Aber: Sowohl die Genitalstrukturen als auch die Kopfform sind unterschiedlich und leicht unterscheidbar. Aus diesem Grund wird die «Zamonische Zwergspinne» nun als neue Art beschrieben. Eine Untersuchung an Museumsmaterial ergab, dass die neue Art nicht nur in den Bergregionen Graubündens, sondern im ganzen Alpenraum zwischen Frankreich und dem westlichen Teil von Österreich vorkommt und von Spinnenforschern schon seit hundert Jahren vereinzelt gesammelt wurde – allerdings war diesen nicht aufgefallen, dass es sich dabei um eine neue Art handelt. Neben den drei europäischen Arten dieser Gattung sind zwei weitere in Japan und China angesiedelt. Diese sind auch winteraktiv, besitzen ebenso spezielle «Köpfe», leben jedoch auf Vulkanen.

Ähnlichkeit mit Comic-Helden 

Der «Kopf-Fortsatz» der «Zamonischen Zwergspinne» weist erstaunliche Ähnlichkeit mit den Nasen der Zwergpiraten und anderen Bewohnern Zamoniens auf – jenen Wesen, die der deutsche Zeichner und Autor Walter Moers in seinen Romanen über den fiktiven Kontinent Zamonien erschuf. Hiermit lässt sich die Namensgebung der neu entdeckten Spinne erklären. Wissenschaft dürfe schliesslich auch eine unterhaltsame Seite haben, so Holger Frick.